„Regionalbanken sind notwendig“

„Regionalbanken sind notwendig“

Der US-Geschäftsmann Bill Greiner gründet eine Regionalbank, weil er, wie er sagt, von Großbanken genug hat. Doch auch in den USA sind Bank-Neugründungen selten und die regulatorischen Hürden gewaltig.

Im vorigen Jahr hat die für solche Ansinnen zuständige Federal Deposit Insurance Corp, das ist der staatliche Einlagensicherungsfonds, überraschenderweise doch einen entsprechenden Antrag entgegengenommen. Der kam von einem Geschäftsmann aus Bedford im Bundesstaat New  Hampshire: Bill Greiner, ein Restaurantbesitzer und Immobilienunternehmer, will die Primary Bank gründen, ein regional verwurzeltes Kreditinstitut.

Für Kleinunternehmen der Region soll es Kredite geben, außerdem Konten für Privatpersonen und Unternehmen. Greiner, der vor rund zehn  Jahren dem Stadtrat von Bedford angehörte und sich heute noch politisch engagiert, wird CEO der Bank. Im Aufsichtsrat wird ein ehemaliger  Gouverneur von New Hampshire sitzen, lokale Wirtschaftsgrößen unterstützen die Gründung. Bisher wurden rund drei Millionen Dollar an  Startkapital bei 130 Investoren eingesammelt. Schon im ersten Jahr nach der offiziellen Gründung, die noch im Juli erfolgen wird, sollen Einlagen in  der Höhe von 80 Millionen Dollar erreicht werden.

profil: Wie weit sind Sie mit der Bankgründung?
Bill Greiner: Wir werden am 28. Juli aufsperren. Das Projekt läuft jetzt seit ungefähr drei Jahren. Es hat mit einer Diskussion zwischen vier  Freunden und mir begonnen, und derzeit haben wir schon mehr als 300 Aktionäre, die meisten aus New Hampshire.

profil: Was sind die größten Hürden bei der Gründung einer solchen Bank?
Greiner: Die regulatorische Zustimmung zu bekommen und ausreichend Kapital aufzustellen. Wir haben beides geschafft.

profil: Banken zu gründen, ist heute etwas sehr Ungewöhnliches. Was war Ihre Motivation dafür?
Greiner: Wir haben hier in New Hampshire eine Fusion im Bankensektor erlebt, weil drei Regionalbanken von größeren Instituten aufgekauft  wurden. Diese Großbanken, die keine lokalen Eigentümer haben und nicht regional kontrolliert werden, fokussieren sich auf größere Deals. Doch die  Kreditvergabe an kleinere Unternehmen ist wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung, und es waren traditionell die Regionalbanken, die dieses Marktsegment bedient haben. Während der Finanzkrise 2008 und 2009 waren es genau diese Banken, die weiterhin Kredite vergeben haben, als  größere Banken sich entweder aus Märkten zurückgezogen oder überhaupt die Kreditvergabe gestoppt haben.

profil: Wie schätzen Sie den Zustand der Finanzwirtschaft insgesamt ein?
Greiner: Ich denke, dass es mehr Initiativen geben sollte, Regionalbanken zu gründen. Damit sollte die fortschreitende Fusion in der Finanzindustrie  gestoppt werden. Es ist einfach nicht gesund für das wirtschaftliche Wachstum, eine immer geringer werdende Zahl von Banken zu  haben und nur noch auf Großbanken ohne regionale Wurzeln vertrauen zu müssen.

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Quelle: Profil 27/29. Juni 2015