Agrana investiert in kristallines Betain

Agrana investiert in kristallines Betain

In einem Joint Venture mit „The Amalgamated Sugar Company“ wird die Zuckerfabrik Tulln um 40 Mio. Euro erweitert.

Von Stefan Nimmervoll

Bei Betain handelt es sich um einen Nährstoff, der natürlich in der Zuckerrübe vorkommt und der als Futtermittel, in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, aber auch in der Kosmetik- und Pharmaindustrie gefragt ist. Bereits heute extrahiert die Agrana laut ihrem Vorstandsvorsitzenden Johann Marihart flüssiges Betain aus der Melasse, die als Nebenprodukt der Zuckerzeugung anfällt. In 15 Monaten sollen in Tulln dann 8.500 Tonnen kristallines Betain gewonnen werden. „Dieses wird für unsere Kunden noch besser einsetzbar sein“, so Marihart. Der Agrana liege eine hundertprozentige Nutzung ihrer Rohstoffe am Herzen. Mehr Veredelungstiefe habe für die Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit einen hohen Stellenwert. „Wir machen aus Commodities margenreiche Spezialitäten. Eine Differenzierung durch Betain im Bereich Zucker ist essentiell, um das Potenzial des Rohstoffes Zuckerrübe bestmöglich auszuschöpfen“, so Marihart

Agrana setzt auf Betain.

Den Spatenstich setzten Martin Doppler (Agrana), Bürgermeister Peter Eisenschenk, Konrad Halwax (Agrana), Ludwig Schleritzko, Johann Marihart, Joe Huff, John McCreedy, Mike Garner (Amalgamated Sugar) und Bezirkshauptmann Andreas Riemer. (c) Agrana/Michaela Bruckberger

Europäische Pionieranlage

Die Anlage der Agrana wird der erst dritte Produktionsstandort für kristallines Betain weltweit sein – der erste außerhalb der USA. Die Agrana habe sich unter mehreren Interessenten an einer Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Zuckerproduzenten „Amalgamated Sugar Company“ durchgesetzt, sagt deren CEO John McGreedy beim Spatenstich. „Wir betreiben viel Forschung im Bereich der Separationstechnik. Die Agrana ist auf gewisse Produktanwendungen spezialisiert, daher passen wir sehr gut zusammen“, begründete der Amerikaner die Entscheidung. Auch die Unternehmenskultur passe zusammen: Der Zuckerkonzern aus Idaho steht im Eigentum einer Genossenschaft und verarbeitet die Ernte von 760 Farmern aus dem Nordwesten der Vereinigten Staaten. Schon bisher haben die beiden Unternehmen zusammengearbeitet. „Bereits 1990 haben wir die Ionenaustauschtechnologie von Amalgamated übernommen“, erinnert sich Johann Marihart. Dank der ebenfalls dort entwickelten Melasseentzuckerung habe man später 25.000 Tonnen Zucker dazugewinnen können. „Die Umwandlung von flüssigem in kristallines Betain ist nun unser dritter Anknüpfungspunkt.“

Finanzlandesrat Ludwig Schleritzko sprach bei dem Festakt vom „Beginn einer vielversprechenden niederösterreichisch-amerikanischen Freundschaft“. „Mit der Investition von 40 Mio. Euro in dieses Joint Venture sagt die Agrana deutlich ja zum Standort.“ Natürlich müsse man aber gerade bei der Zuckerproduktion eine ernste Bestandsaufnahme machen, so Schleritzko. Im Vorjahr seien 10.000 Hektar, also ein Viertel der gesamten Rübenfläche, wegen der Trockenheit und dem Rübenderbrüssler verloren gegangen. Auch heuer läuft auf den Feldern gerade der Kampf gegen den Schädling. „Wir werden auf weitere Herausforderungen zugehen. Die Agrana setzt aber ein wichtiges Zeichen, das sowohl den Landwirten als auch dem Land Niederösterreich Vertrauen gibt.“

Dividendenvorschlag

Indessen gab die Agrana auch bekannt, für das Ende Februar abgelaufene Geschäftsjahr nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von rund 2,4 Mrd. Euro zu erwarten. Das operative Ergebnis (EBIT) werde mit 66,6 Mio. Euro deutlich unter dem Vorjahresergebnis von über 190 Mio. Euro liegen. Daher habe der Vorstand beschlossen, der ordentlichen Hauptversammlung Anfang Juni eine Dividende in der Höhe von einem Euro je Aktie vorzuschlagen. Trotz weiterhin großer Herausforderungen im Segment Zucker rechne man für 2019/20 mit einem deutlichen Anstieg beim Konzern-EBIT zwischen zehn und fünfzig Prozent.

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