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Gemeinsam erfolgreicher

Die besten Beispiele vor den Vorhang holen, voneinander lernen und keine Scheu zeigen, den anderen über die Schulter zu blicken: Der bundesländerübergreifende Wille, Projekte zu starten und umzusetzen, zeichnet im Besonderen die Frauen bei Raiffeisen aus. Ersichtlich ist das nicht zuletzt an dem 2014 gegründeten Funktionärinnen-Beirat. Funktionärinnen aus allen Bundesländern haben sich zum Ziel gesetzt, durch Zusammenführung positiver Beispiele den Frauen-Anteil in den Raiffeisen-Gremien zu erhöhen. Die Ideen aus den Bundesländern werden in Veranstaltungen und in speziellen Ausbildungsprogrammen für Frauen eingearbeitet und umgesetzt.

Bei der Frühjahrstagung auf Einladung der Beiratsvorsitzenden Anita Straßmayr und der Raiffeisenlandesbank OÖ trafen sich die leitenden Funktionärinnen der Bundesländer in Linz zu einem Informations- und Erfahrungsaustausch.

Hochkarätig war auch die Liste der Referenten und Diskutanten, die sich den Fragen der Funktionärinnen stellten. Die Spitze der Raiffeisenlandesbank OÖ war mit Präsident Jakob Auer, Generaldirektor Heinrich Schaller sowie Generaldirektor-Stellvertreter Michaela Keplinger-Mitterlehner vertreten. Weiters waren der Genossenschaftsanwalt des OÖ Raiffeisenverbandes, Franz Reisecker, Verbandsdirektor Rudolf Binder, die Chefin von „Frau in der Wirtschaft“, Margit Angerlehner, der Obmann der Obleutevereinigung, Johann Stockinger, und Walter Mayr, der Obmann der OÖ Geschäftsleitervereinigung, unter den Referenten und unterstrichen mit ihrer Anwesenheit auch die Bedeutung des Funktionärinnen-Beirats.

Wichtiger Eckpfeiler

Für Anita Straßmayr sind der Beirat und die damit verbundenen Veranstaltungen und gezielten Schulungen wichtige Eckpfeiler, um die Bereitschaft der Frauen, Funktionen bei Raiffeisen zu übernehmen, zu erhöhen. „Es ist nicht immer das Problem der Herren – es ist auch das Problem der Damen“, betonte die Vorsitzende. Auch für Präsident Jakob Auer ist es notwendig, „die Fähigen mutiger, und die Mutigen fähiger zu machen“. Denn oft sei es Unsicherheit, die Frauen davor abhält, eine Funktion zu übernehmen. „Wir müssen auf diese Ängste und Befürchtungen eingehen und sie gemeinsam besprechen und lösen“, betonte Auer. Sei es die familienfreundliche Gestaltung von Terminen bis hin zu gezielter Unterstützung bei Veranstaltungen. „Mit einer Mischung aus speziellen Schulungsprogrammen und einem offenen und fairen gemeinsamen Umgang ist das meist zu lösen“, erklärte Straßmayr.

Aber auch im Arbeitsleben ist eine Unterstützung notwendig. So zeigten Generaldirektor Schaller und Generaldirektor-Stv. Keplinger-Mitterlehner die zahlreichen Programme und Projekte auf, mit denen Mitarbeiterinnen in der RLB OÖ gefördert und unterstützt werden. So werde aktiv versucht, den Frauenanteil in den Führungsebenen von derzeit 17,5 Prozent (Frauenanteil RLB OÖ insgesamt: 54 Prozent) weiter anzuheben – sei es mit gezielter Förderung des Wiedereinstieges nach der Karenzzeit mit besonderen Arbeitszeitmodellen, Schulungen und E-Learning-Möglichkeiten oder mit be
triebseigenen Kinderbetreuungseinrichtungen und einem Sommerkindergarten.

 

 

 

 

 

Gemischte Gremien

Auf die Notwendigkeit einer partnerschaftlichen Besetzung der Gremien wiesen Genossenschaftsanwalt Reisecker und Verbandsdirektor Rudolf Binder hin. Anders als in den Raiffeisenbanken, wo der Funktionärinnenanteil in OÖ derzeit bei 18 Prozent liegt, hinkt der Frauenanteil in den weiteren Genossenschaften deutlich nach und liegt meist noch weit unter 10 Prozent.

Bis zur von den Bäuerinnen beim Bundesbäuerinnentag 2017 in der „Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung in der Land- und Forstwirtschaft“ geforderten Frauenquote von 30 Prozent sei noch viel zu tun. Für Reisecker, der als Kammerpräsident die Charta auch mitunterfertigt hat, ist sie aber ein deutlicher Arbeitsauftrag. „Wir können es uns nicht leisten auf die gut ausgebildeten und innovativen Frauen als Mitarbeiterinnen oder in unseren Gremien zu verzichten“, erklärte Reisecker. Für ihn ist das in der Charta fixierte Monitoring im 3-Jahres-Rhythmus ein wichtiger Schritt. „Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir uns Ziele setzen, einen Zeitraum festlegen und die Zielerreichung evaluieren“, so der Genossenschaftsanwalt.

Praxisbeispiele

Wie man solche Wege gehen kann, zeigten Obmann Stockinger und Direktor Mayr an einem Praxisbeispiel aus der Raiffeisenbank Region Freistadt. „Das Wollen alleine ist zu wenig. Es muss konkret angegangen und auch „zentral unterstützt und eingefordert werden“, betont Mayr, der in einem intensiven Prozess unter Einbindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Funktionären die Funktionärs-Zusammensetzung der Raiffeisenbank Region Freistadt nicht nur weiblicher gestalten, sondern auch deutlich verjüngen konnte.

Die Koordinatorin des Beirats, Bettina Kastner, zeigte sich in der Entscheidung bestärkt, die Tagung der Funktionärinnen einmal im Jahr in einem Bundesland abzuhalten; in der Vernetzung mit den Bundeslandspitzen und -vertretern konnten wichtige Impulse für die weitere Arbeit gefunden und viele Ideen für Aktivitäten im Raiffeisen-Jubiläumsjahr 2018 gesammelt werden. „Besonders erfreulich ist auch, dass die Einladungen für die nächsten Bundesland-Treffen bereits ausgesprochen wurden: 2018 wird Niederösterreich besucht und 2019 in der Steiermark getagt“, berichtet Kastner.