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Ergebnisse sichern

Unter dem Motto „Ergebnisse sichern“ nutzten heuer bei der 53. Informationstagung des ÖRV so viele Spitzenfunktionäre wie noch nie die Chance,  sich über Landes- und Spartengrenzen hinweg zu vernetzen und sich zu aktuellen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und bankrelevanten Themen auszutauschen. Beflügelt durch die Fusion von RZB und RBI war Aufbruchstimmung im Sektor spürbar.
 
 
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Gerade in Zeiten der Veränderung kommt Spitzenfunktionären eine besondere Rolle zu. In ihrer Funktion als Eigentümervertreter sind sie nicht nur Repräsentant ihrer Genossenschaft in der Region, sondern auch konstruktiv-kritischer Sparringpartner für Führungskräfte aller Sparten. „Es ist unsere Aufgabe als Spitzenfunktionär, die Rahmenbedingungen für eine positive Entwicklung des Raiffeisen-Sektors sicherzustellen“, fasste es Multi-Spitzenfunktionär Erwin Hameseder zusammen und betonte: „Dabei müssen wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen und nicht passiv warten, sondern anpacken“.

Die Fusion von RBI und RZB sei nicht zuletzt aufgrund einer gemeinschaftlichen Vorgehensweise der Generaldirektoren aus den Landesbanken und dem Länderkuratorium, also den Spitzenfunktionären, erfolgreich über die Bühne gegangen. Nach diesem Veränderungsprozess bei RZB und RBI soll es als nächsten Schritt noch im ersten Quartal gelingen, auch in der Zusammenarbeit mit dem Sektor neue Wege zu gehen, so Hames-eder. Damit könne die bereits spürbare positive Grundstimmung weiter gefestigt werden, um in weiterer Folge – rechtzeitig zum Jubiläumsjahr 2018, in dem der 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gefeiert wird – den Kopf wieder frei zu haben, um sich auf die Raiffeisen-Werte zu besinnen und in eine Wertediskussion einzutreten.

Auch der Aufsichtsratspräsident der RLB Steiermark, Wilfried Thoma, ortet „nach langer Zeit erstmals wieder Aufbruchstimmung im Raiffeisen-Sektor“. Für ihn sei wichtig, als Eigentümervertreter gerade in schwierigen Zeiten „das Wir vor das Ich zu stellen“ und die Grundwerte von Raiffeisen weiterzugeben.

„Ziele immer vorzugeben“ sieht auch RWA-Aufsichtsratspräsident Johann Lang als Aufgabe von Funktionären. Dabei sei es wichtig, Gemeinsamkeiten nicht zu verlieren und die eigenen Stärken zu betonen. In diesem Sinne habe die Info-Tagung des ÖRV „Leuchtturm- und Wegweiserfunktion“, ergänzte der Obmann des Raiffeisenverbandes Steiermark, Franz Titschenbacher.

Eigeninitiative zeigen

Auch der Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes (ÖRV), Andreas Pangl, appellierte an die Spitzenfunktionäre, „nicht Verwalter des Stillstandes zu sein, sondern die Zukunft neu zu gestalten“. Die Weichen dafür seien gestellt. Nun gelte es, die Chancen zu ergreifen und zu zeigen, was Raiffeisen geschafft und geschaffen habe. „Wir befinden uns in einem disruptiven Umfeld“, sprach Pangl die jüngsten geopolitischen Entwicklungen an. Daher sei man gut beraten, sich nicht auf den Staat zu verlassen und Eigeninitiative zu zeigen – ganz dem Raiffeisen-Gedanken entsprechend.

Untermauert wurde dieser Appell von wissenschaftlicher Seite durch den deutschen Querdenker und Experten für Innovation im Bankbereich, Axel Liebetrau. Führungskräfte müssten gerade in Transformationsprozessen „Vordenker“ sein und vermitteln können, „wo die Reise hingeht“. Ansonsten würden sie zu „reinen Verwaltern“. Neue Spielregeln, vielfach ausgelöst durch die Digitalisierung, veränderten derzeit nicht nur das Bankgeschäft radikal. Neue Ideen seien gefragt: „Wir müssen aufhören, die Zukunft von Business nur anhand von bisherigen Erfahrungen und Erinnerungen zu entwickeln und beginnen, unser Geschäft völlig neu zu denken. Das ist die Aufgabe von Spitzenfunktionären und Führungskräften“, betonte Liebetrau. Trends wie Amazon Echo, Ebay now oder Bargeld an der Supermarkt-Kassa zeigten, dass nun – in der ersten Dekade, in der Digitalisierung intensiv gespürt werden kann – die Weichen für die nächste Dekade gestellt werden müssten.

Im Banking heiße der Schlüssel zum Erfolg „Kundennähe“ – jedoch nicht als Entfernung zur nächsten Filiale oder über einen digitalen Kanal. Entscheidend sei der Wert der Beziehung: „Nähe heißt, ich glaube an dich, du glaubst an mich. Es geht um Vertrauen,“ brachte es der Experte auf den Punkt und sieht darin den genossenschaftlichen Gedanken als „gute Basis“, den es wie einen Muskel zu trainieren gelte.

In der Umsetzung dieser neuen Spielregeln rät Liebetrau, zunächst Freiräume für Innovation zu schaffen und die Dialogfähigkeit mit den Kunden völlig neu zu gestalten. Nur mit Empathie und Passion könne es gelingen, den nötigen Vorsprung gegenüber dem Mitbewerb zu erreichen. „Mit Orientierung am Durchschnitt kann man keinen Mehrwert liefern“, so der Querdenker, der auch eine neue Fehlerkultur einfordert.

Als eine der Antworten auf das durch die Digitalisierung veränderte Geschäftsmodell der Banken arbeitet die Raiffeisen Bankengruppe Österreich (RBG) seit Sommer 2015 am Projekt Digitale Regionalbank, berichtete der Projektverantwortliche und Leiter Digital Banking, Hannes Cizek. Sowohl aus Kundensicht als auch aus Sicht der RBG sei die Digitalisierung von Produkten und Prozessen ein Muss, so Cizek. Studien zeigten, dass es schon heute mehr digitale als physische Kontaktpunkte zwischen Kunde und Bank gebe. Zudem verändern neue Mitbewerber, so genannte FinTechs, in allen Kernproduktfeldern des Banking den Wettbewerb durch innovative digitale Lösungen.

Die Digitale Regionalbank entwickle in zwölf Einzelprojekten Lösungen für Kunden und Berater. Erste Neuerungen seien für das zweite Halbjahr 2017 mit dem persönlichen Finanzportal (Elba neu) und dem e2e Konto (Online-Konto) geplant.

Nicht nur in der RBG, auch bei der Raiffeisen Ware Austria (RWA) will man mit Innovationen zu neuen Ergebnissen kommen. Der Lagerhaus-Konzern setzt im Innovationsmanagement – im Gegensatz zu Task Force Gruppen – auf ein duales System, das neben einer hierarchischen Führungsstruktur auch eine zweite, netzwerkartig aufgebaute Struktur vorsieht, in der Kreativität und Innovation ermöglicht werden, erläuterte Christoph Metzker, Beiratsvorsitzender des Agro Innovation Lab und Bereichsleiter Betriebsmittel RWA. Dass die RWA mit dem Innovation Lab auf dem richtigen Weg sei, zeige auch die für April avisierte Beteiligung der Baywa am Innovations-Labor der RWA. Konkret seien derzeit zum Beispiel die erste österreichische Insektenfarm und ein Projekt unter dem Titel „Indoor Farming“ – also quasi das Glashaus im Wohnzimmer – in Arbeit.