Attraktives Werkzeug

Attraktives Werkzeug

RWA und Lagerhäuser vernetzen die Jungfunktionäre von heute und morgen, um den Weg für moderne und zukunftsfähige Genossenschaften zu ebnen.

Von Alexander Blach

Als Friedrich Wilhelm Raiffeisen vor 200 Jahren geboren wurde, ahnte er wahrscheinlich nicht, wie viele Menschen er von seiner Idee noch überzeugen würde. Nachdem 1886 im niederösterreichischen Mühldorf bei Spitz die erste Raiffeisen-Genossenschaft gegründet wurde, griff der Gedanke „Hilfe zur Selbsthilfe“ schnell um sich. Heute, etwas mehr als 130 Jahre später, bilden rund 1.500 selbstständige Raiffeisen-Genossenschaften mit über 2,1 Millionen Mitgliedern und rund 15.000 Funktionären das Fundament der Österreichischen Raiffeisengruppe. Ob Banken, Lagerhäuser, Molkereien oder Verwertungsgenossenschaften, – die Organisationsform findet sich in den unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen – von der Imker- über die Bergkräuter- bis zur Schnitzereigenossenschaft.
Trotz der durchaus positiven Werte, wie Solidarität, Transparenz, Zusammenhalt und Regionalität, hängt den Genossenschaften aber oftmals ein veraltetes, verstaubtes Image nach. Junge Menschen für die Organisationsform zu begeistern oder gar Nachwuchs auf Funktionärsebene zu finden, ist deshalb für so manche Genossenschaft eine große Herausforderung. Um für „frischen Wind auf Funktionärsebene“ zu sorgen, hat nun die Raiffeisen Ware Austria (RWA) gemeinsam mit den Lagerhäusern das sogenannte Team Green ins Leben gerufen. Dabei sollen junge, motivierte Menschen aus Lagerhaus-Genossenschaften vernetzt und ihnen die Möglichkeit gegeben werden, die Zukunft der Genossenschaften aktiv mitzugestalten, erklärt RWA-Projektverantwortlicher Christoph Pesl. „Wir wollen damit den Lagerhäusern ein Werkzeug bieten, das das Funktionärsamt für Junge attraktiver macht.“ Immerhin würden die Funktionäre das starke Rückgrat der Lagerhäuser bilden. Umso wichtiger sei es auf dieser Ebene Ideen, Konzepte und Visionen der nächsten Generation einzubringen, um modern, innovativ und zukunftsfähig zu bleiben, so Pesl weiter.
Die Gremien sollten in der Zusammensetzung gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragen: Frauen und Männer – genauso ältere und jüngere. „In der jungen Generation der Landwirte tut sich gerade extrem viel. Die Hofübernehmer haben oft ganz andere Sicht- und Denkweisen, arbeiten anders, wollen Neues machen und sind viel aufgeschlossener“, weiß Pesl.

(C) photonews.at/Georges Schneider – Wien 15.11.2017 ñ Heute lud die RWA (Raiffeisen Ware Austria AG) Jungfunktion‰re zum Start-Event des „Team Green“ in die Raiffeisenzentrale am Stadtpark. PHOTO: Gruppenbild mit allen Teilnehmern und Vortragenden.

Think Tank
Im November 2017, nach etwa einem Jahr der Entwicklung, hat sich das 82 Mitglieder umfassende Lagerhaus-Netzwerk formiert. Die Mitglieder sind zum größten Teil zwischen 25 und 30 Jahre alt. Rund ein Drittel ist bereits Verantwortungsträger in einer Genossenschaft. Die weiteren Mitglieder haben an dieser Funktion Interesse oder wollen einen ersten Einblick in das Funktionärswesen gewinnen.
Viktoria Neubauer, Aufsichtsrätin beim Lagerhaus Hollabrunn-Horn, erhofft sich durch das Team Green vor allem Kontakte zu anderen Jungfunktionären, um sich Lagerhaus-übergreifend austauschen zu können: „Es gibt sicher noch viel zu lernen. Erfahrungen und Herausforderungen anderer Genossenschaften können mir dabei helfen, meine Funktion noch besser auszuüben.“ Als die Acker- und Weinbäuerin vergangenen Herbst von ihrer Genossenschaft gefragt wurde, Funktionärin zu werden, stand eine Absage außer Frage: „Es ist immer gut, sich einbringen zu können. Außerdem gefällt mir das Genossenschaftsprinzip, gemeinsam stärker zu sein als alleine.“
Wolfgang Waldl, Delegierter beim Lagerhaus OÖ. Mitte, möchte durch die Mitgliedschaft beim Team Green einen „tieferen Einblick in den Genossenschaftssektor finden. Mich interessieren die Hintergründe, der Aufbau, die Struktur des Lagerhaus-Verbundes. Je mehr ich erfahre, desto mehr profitiere ich in Hinblick auf eine künftige Funktionärsposition“, so der Landwirt.
Das Team Green stehe laut Christoph Pesl natürlich in keiner Konkurrenz zu einer Funktionärsausbildung: „Das Team Green ist der Think Tank der Lagerhaus-Genossenschaften. Hier kommen junge Frauen und Männer zusammen, die die Lagerhaus-Welt in Zukunft mitgestalten möchten. Wir bieten die Möglichkeit zur Vernetzung über die Grenzen der einzelnen regionalen Lagerhäuser hinweg sowie eine Plattform, um abseits der vorhandenen Strukturen einen offenen und kreativen Gedankenaustausch zu fördern.“
Die Mitglieder des Team Green profitieren von regelmäßigen Netzwerktreffen, Exkursionen, einer Reihe an Fortbildungsmöglichkeiten sowie einer Online-Plattform. „Der Leitsatz ist: Hier werden Ideen und Visionen für das Lagerhaus von morgen geschaffen. Darüber hinaus soll jedes Mitglied für sich selber etwas lernen“, erklärt Pesl.
Nach der Kick-Off Veranstaltung im November stand das erste Team Green-Netzwerktreffen 2018 ganz im Zeichen des Themas Innovation. Gemeinsam analysierten und diskutierten die Teilnehmer, welche Trends und Innovationen derzeit das Umfeld der Lagerhäuser bestimmen, welche Chancen sich dadurch für die Genossenschaften eröffnen und wie man sich als Trendsetter optimal positionieren kann.
„Die Idee eines Lagerhaus-Netzwerkes für die nächste Generation an Funktionären oder solchen, die dies werden wollen, ist mir schon länger vorgeschwebt“, sagt RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf und freut sich, dass „wir ein solches Netzwerk mit dem Team Green nun realisieren konnten und dieses auch bei den Lagerhäusern großen Anklang gefunden hat. Damit geben wir dem Nachwuchs den entsprechenden Raum, der hoffentlich zu vielen inspirierenden Inputs für die Lagerhaus-Genossenschaften führt.“