Austausch auf Augenhöhe

Austausch auf Augenhöhe

Die Raiffeisenbank Region Ried fördert mit einem eigenen Mentoring-Programm junge Frauen aus der Region.

Von Alexander Blach

„Ich fand die Idee einfach klasse, das Netzwerk der Bank mit jungen Damen zu teilen, die vielleicht gerade irgendwo in ihrer Karriere feststecken.“ – Dagmar Inzinger-Dorfer (c) Kaufmann; RBR Ried (2)

Beim Erklimmen der Karriereleiter, als frischer Gründer oder bei der Intensivierung von Geschäftskontakten kann es helfen einen Mentor zur Seite zu haben. Einen, der das Gespür und die Erfahrung hat, den Stoß in die richtige Richtung zu geben. Auf ihrem Weg zur Geschäftsleiterin kam auch Dagmar Inzinger-Dorfer in den Genuss eines Mentoring-Programms. Ihre positiven Erfahrungen haben sie dann dazu gebracht, ein eigenes Programm im Namen der Raiffeisenbank Region Ried auf die Beine zustellen: „Ich fand die Idee einfach klasse, das Netzwerk der Bank mit jungen Damen zu teilen, die vielleicht gerade irgendwo in ihrer Karriere feststecken und jemanden brauchen könnten, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht.“
Darüber hinaus verortet die Geschäftsleiterin gerade im ländlichen Raum einen Mangel an entsprechenden Angeboten. „Motivator für das Programm war auch, junge, talentierte Menschen in der Region zu halten oder in die Region zurückzuholen. Damit schafft man wieder das Bewusstsein, dass es auch in der Region attraktive Jobs gibt“, ist Inzinger-Dorfer überzeugt. Somit lasse sich das Mentoring-Programm auch gut mit dem Förderauftrag einer Genossenschaftsbank vereinbaren.
Anfang 2016 wurde die Marke und das Konzept des Mentoring-Programms „Bewusst: Frauen“ von Inzinger-Dorfer erstellt und mit Brigitte Maria Gruber von der „Frauen:Fachakademie Schloss Mondsee“ ein passender Partner für die fachliche Begleitung gefunden. „Frau Gruber, die bereits viel Erfahrung im Bereich Mentoring mitbringt und ein echter Profi ist, hat dann mit mir gemeinsam die Ausschreibung und Bewerbung für das Programm gemacht“, erzählt Inzinger-Dorfer weiter. Teilnehmen konnten Frauen zwischen 17 und 30 Jahren. Die Bewerberinnen wurden zuerst interviewt, um ein Anforderungsprofil erstellen zu können. „Anhand dessen wussten wir genau, wo wir als Bank nach Mentoren suchen müssen“, sagt die Programm-Initiatorin. Man habe also nicht im Vorhinein die Mentoren ausgesucht, um sie als Stakeholder besser an die Bank zu binden, sondern umgekehrt. „Wir haben uns angesehen, wen beziehungsweise was die jungen Frauen brauchen. Die Mentorinnen und Mentoren wurden dann passgenau auf das Profil zugeschnitten.“ Auch die Mentoren seien durchwegs begeistert von der Idee gewesen und hätten rasch die ehrenamtliche Unterstützung zugesagt.
Begonnen wurde im Oktober 2017 mit einem gemeinsamen Startworkshop in der Raiffeisenbank. In Folge gab es bis Juni 2018 monatlich ein verpflichtendes Treffen zwischen Mentee und Mentor. Diese bilateralen Termine sollten ungefähr zwei Stunden dauern und mussten vom Mentee selber organisiert werden. „Neben Gesprächen zu zweit, wurden die jungen Damen auch zu Terminen und Veranstaltungen mitgenommen“, betont Inzinger-Dorfer. Bei Reflexionsmeetings erhielten die Teilnehmerinnen zusätzlich fachliche Inputs.

Spannende Einblicke
„Das Mentoring-Programm hat mir die Möglichkeit geboten, die Welt mit den Augen meiner Mentorin zu sehen und mein Selbstvertrauen für die Zukunft gestärkt“, resümiert Mentee Iris Weissenbrunner. Ähnlich empfand es auch eine andere Teilnehmerin: „Dieses Jahr im Mentoring-Programm hat mir neue Freundschaften gebracht und mir viele Türen geöffnet. Mein Lebensumfeld ist dadurch größer geworden.“ Wirklich Spaß habe das Netzwerken bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen gemacht, sagt Mentee Viktoria Schachinger: „Ich bin sehr dankbar, dass die Raiffeisenbank Region Ried mir und anderen motivierten jungen Frauen die Möglichkeit gibt bei diesem tollen Programm mitmachen zu können.“ Für Mentor Daniel Rossgatterer, Geschäftsführer von Tekaef, war „das Programm perfekt organisiert und eine spannende und sehr positive Erfahrung. Für die Mentees sind die Einblicke in den Berufsalltag der Mentorinnen und Mentoren ein zusätzlicher Gewinn neben ihrer bisherigen Ausbildung“.
Das positive Feedback zeige, dass die Ziele des Programms erreicht wurden, so Dagmar Inzinger-Dorfer zufrieden. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so ein Erfolg sein wird.“ Für den nächsten Durchgang erwartet sie noch mehr Interesse. Bereits jetzt gäbe es erste Anfragen, obwohl das Folgeprogramm nicht vor Frühjahr 2020 umgesetzt werden könne. Für 16 junge Frauen wird wieder Platz sein. Dass Männer kein Mentoring brauchen, glaubt Inzinger-Dorfer nicht, trotzdem soll das Programm vorerst nur für Frauen offenstehen. „Ich selbst weiß aus eigener Erfahrung, dass Frauen sich oft weniger zutrauen. Alleine das Thema Selbstbewusstsein oder die eigene Sichtbarkeit in der Region zu erhöhen fällt Frauen meiner Erfahrung nach einfach schwerer.“ Künftig ein Mentoring-Programm für beide Geschlechter auszurichten, möchte sie dennoch nicht auszuschließen.

Interesse wecken
Laut Inzinger-Dorfer wollen bereits andere Raiffeisenbanken das Programm in ihrer Region umsetzen. Die RBR Ried würde natürlich Materialien und Inputs zur Verfügung stellen. „Je mehr sich darüber trauen, dieses Thema zu besetzen, umso größer wird der Effekt“, freut sich die Initiatorin. Wichtig sei allerding, dass man ein ernsthaftes Interesse an der Förderung junger Frauen hat. „Es soll nicht nur als Marketing-Tool für die Bank verstanden werden.“ Schön wäre auch, wenn die jeweilige Bank eine engagierte Mitarbeiterin mit der Umsetzung des Mentoring-Programms betraut. Das erste Programm habe davon profitiert, dass jemand als Person hinter dem Projekt gestanden ist. „Das macht das Ganze greifbarer“, weiß Inzinger-Dorfer.
Nichtsdestotrotz profitiere die Bank auch von einer Image-aufbesserung, da der Fokus einmal auf andere Inhalte gelegt werde. Ansonsten wird viel in den Bereichen Sport und Kultur gefördert. Warum zur Abwechslung nicht auch eine gezielte Förderung einer Personengruppe? – „Es fördert die Region und erhöht die Attraktivität für den ländliche Raum. Außerdem werden tolle Betriebe aus der Gegend und die Menschen dahinter vor den Vorhang geholt.“

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