Austausch auf Augenhöhe

Austausch auf Augenhöhe

Raiffeisen in Wien und die RRB Mödling starten ein Kooperationsprojekt mit der Polizei.

Von Alexander Blach

Die Polizeiarbeit durchläuft etwa alle 20 Jahre einen Paradigmenwechsel, erklärt Innenminister Wolfgang Sobotka. Stand vor 40 Jahren noch die „reine“ Observierung und Verfolgung von Straftaten im Vordergrund, rückte 20 Jahre später die Kriminalprävention – das Informieren und Aufklären der Bevölkerung – immer mehr in den Mittelpunkt. Heute verfolgt man den Ansatz des sogenannten „Community Policing“, also die Zusammenarbeit von Polizei und Bürgern oder „das Eingehen von Sicherheitspartnerschaften mit der Bevölkerung“, wie es Sobotka nennt. Mit dem Projekt „Gemeinsam sicher“ wird in Österreich versucht durch regelmäßigen Informationsaustausch zwischen Exekutive und ihren Partnern negative Entwicklungen früh zu erkennen oder zu verhindern. Durch die Einführung von „Grätzelpolizisten“ beziehungsweise Sicherheitsbeauftragten, die als Ansprechpartner für alle Menschen in dem jeweiligen Grätzel zur Verfügung stehen, wird nun seit etwa einem Jahr der aktive Dialog und ein Austausch auf Augenhöhe zwischen Polizei und Bevölkerung gefördert. Das erste Jahr habe bereits gezeigt, dass sich das Sicherheitsgefühl der Menschen durch ihre Involvierung stabilisiert und verbessert hat, berichtet Innenminister Sobotka.

Generalmajor Karlheinz Dudek (Landespolizeidirektion Wien), Erwin Hameseder, Wolfgang Sobotka und Georg Kraft-Kinz (c) RLB NÖ-Wien/Rudolph

Einen Beitrag leisten
„Sicherheit ist nicht nur ein Produkt der Exe-kutive oder der Behörden. Alle Bereiche der Gesellschaft sind aufgefordert, hier einen aktiven Beitrag zu leisten“, betont auch Erwin Hameseder, Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien.
So will auch Raiffeisen gesellschaftliche Verantwortung über das Bankgeschäft hinaus übernehmen. „Sicherheit ist ein Thema der Solidarität, wofür auch Raiffeisen in ganz besonderem Sinn steht“, unterstreicht Georg Kraft-Kinz, stellvertretender Generaldirektor der RLB NÖ-Wien.
Sicherheit ist für Banken naturgemäß von hoher Bedeutung. Durch gezielte Maßnahmen, wie Mitarbeiterschulungen oder modernste Sicherheitssysteme, sind in der Vergangenheit bereits Übergriffe im Vorfeld verhindert worden. Aber auch eine hohe Aufklärungsrate dank der guten Zusammenarbeit zwischen Bank und Exekutive habe große präventive Wirkung gezeigt.
Nun hat man sich im Rahmen von „Gemeinsam sicher“ entschlossen, noch enger mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Denn neben der Präventionsarbeit sei auch die aktive Kommunikation zwischen den zuständigen Polizeiinspektionen und den Teamleitern der Bankstellen wichtig. „Die stärkere Vernetzung soll dazu beitragen, das Sicherheitsempfinden unserer Mitarbeiter und Kunden weiter zu erhöhen“, erklärt Hameseder weiter.
Im ersten Schritt beteiligen sich Raiffeisen in Wien und die Raiffeisen Regionalbank Mödling an der Kooperation. Mit verschiedenen Maßnahmen soll die Vernetzung zwischen Bankmitarbeitern, Kunden und Grätzelpolizisten oder Sicherheitsbeauftragten sichergestellt werden. Dazu zählen zum Beispiel lokale Veranstaltungen, aber auch Vorträge zum Thema Sicherheit. Außerdem werden die Bankstellen mit eigenen Aufklebern gekennzeichnet sein. Darüber hinaus wird es Plakate mit den jeweils zuständigen Polizisten in jeder Filiale in Wien und in jeder Bankstelle der RRB Mödling geben. Darüber hinaus werde angedacht, Räumlichkeiten der Bankstellen für Sprechstunden mit den Polizisten zur Verfügung zu stellen.
„Wenn es in Wien und Mödling gut funktioniert, dann ist es das Ziel, in der ersten Hälfte des nächsten Jahres die Zusammenarbeit auf ganz Niederösterreich auszuweiten“, zeigt sich Hameseder zuversichtlich. Vielleicht könne man mit der Aktion auch die Raiffeisenbanken in den übrigen Bundesländern dazu ermuntern, sich an „Gemeinsam sicher“ zu beteiligen.

(RZ 41, 12.10.2017)