Bank neu denQen

Bank neu denQen

In der Innsbrucker Adamgasse wird sich vieles verändern. Die Raiffeisen-Landesbank Tirol entwickelt ein neues Quartier mit einmaligem Sharing-Konzept.

Von Alexander Blach

Im heurigen Jubiläumsjahr hat sich die Raiffeisen-Organisation intensiv mit ihren Werten und deren Interpretation in der modernen Welt auseinandergesetzt, betont Johannes Ortner, Vorstandsvorsitzender der RLB Tirol: „Raiffeisen ist an diesem Standort seit über 50 Jahren tätig und der Mensch stand immer im Mittelpunkt. Wir glauben auch heute noch an das persönliche Gespräch und die persönliche Beziehung.“ Die Erkenntnis, dass trotz verändertem Bankgeschäft und Kundenverhalten die persönliche Beziehung hochgehalten werden muss, wurde auch bei der Entwicklung des neuen Standortkonzepts zum Ausdruck gebracht. Ebenso soll Raiffeisens Idee des Miteinander-Teilens bei der Neugestaltung der Landesbank im Fokus stehen. „Die wichtigste Währung einer Bank ist nicht das Geld, sondern das Vertrauen, die persönliche Beziehung und der Mensch. In diese Währung wollen wir mit diesem Umbau investieren“, fasst Ortner zusammen.

Ende 2019 übersiedelt die RLB Tirol in ein Ausweichquartier. Eine Bankstelle wird aber vor Ort bleiben.

Da das hohe Alter der Gebäudesubstanz mittlerweile größere Umbaumaßnahmen bedingt, wird die Chance genutzt, etwas ganz Neues zu schaffen. Anstatt einen prunkvollen Bankbau zu errichten, möchte man den eigenen Raum für die breite Öffentlichkeit öffnen. „Wir werden ein Quartier schaffen, das nicht von Bank dominiert ist, sondern das Wohlfühlen und Zwischenmenschliche fördert “, erklärt Ortner. „Deshalb denken wir unseren Standort gänzlich neu und schaffen einen Ort der Begegnung, einen Marktplatz, einen neuen Treffpunkt für Innsbruck.“ Heißen soll der Ort zwischen Bozner Platz und Hauptbahnhof „Das Raiqa – Quartier Innsbruck Mitte“. Schon jetzt queren hier täglich mehr als 10.000 Pendler und Gäste diesen Bereich, den man aktuell unter „Raiffeisen-Passage“ kennt

Zukünftig bieten sich dort eine Reihe von Einkaufs- und Verweilmöglichkeiten. Auch ein neues Hotel wird im Raiqa Platz finden. Dieses teilt sich mit der Bank unter anderem die Lobby und ein Veranstaltungszentrum, das auch von Externen gebucht werden kann. Im neunten Stock soll zudem ein Restaurant mit Bar entstehen, um auch den 360-Grad-Blick auf Innsbruck zu nutzen. Die bestehende Terrasse auf der zweiten Etage wird vitalisiert und zu einem urbanen Garten umgestaltet. Auch die Kunstbrücke soll mit einem eigenen Kunstraum neuauferstehen.

„Es gibt kein vergleichbares Projekt in Europa“, betont Ortner und ergänzt „Wir wollen aus der Bank wieder etwas Alltägliches machen und möglichst viel Fläche mit anderen gemeinsam nutzen und teilen. Es soll ein Ort des Zusammenkommens sein.“ Auch die Bank erhalte komplett neue und offene Räumlichkeiten, die die RLB-Mitarbeiter in einem umfangreichen Beteiligungsprozess mitgestalten können. Für die vollständige Erneuerung des Verwaltungsgebäudes und der integrierten Bankstelle investiert die RLB Tirol insgesamt 62 Mio. Euro. Weitere 54 Mio. Euro gehen in die Quartiersentwicklung, die durch Vermietung langfristig wieder zurückverdient werden sollen.

RLB-Vorstandsvorsitzender Johannes Ortner (c) Raiffeisen

Tor zur Stadt
Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi zeigt sich erfreut über die Neuentwicklung in der Adamgasse. „Das Raiqa empfängt Besucher durch seine Lage wie ein Tor zur inneren Stadt. Gerade auf der wichtigen Achse zwischen Zentrum und Bahnhof im Umfeld des Bozner Platzes ist Offenheit, aber auch Sicherheit wichtig. Dem wird das neue Quartier Innsbruck Mitte Rechnung tragen. Zudem ist es nachhaltig, Flächen gemeinschaftlich zu nutzen und Gebäude rund um die Uhr mit Leben zu füllen“, so Willi. Auch für den Wirtschaftsstandort sei das Raiqa ein kräftiger Impuls: Mehr als 100 zusätzliche Arbeitsplätze werden am Areal durch die neuen Formate, wie das Hotel, entstehen.

Zuspruch findet das Raiqa deshalb auch vom Innsbrucker Tourismusverband. „Dieses Projekt passt 100-prozentig in den Bedarf von Innsbruck. Wir brauchen unbedingt ein Angebot, das im obersten Qualitätsniveau angesiedelt ist“, freut sich auch Karl Gost­ner, Obmann des Tourismusverbands Innsbruck.

Mehr als 2.200 Betten werden in den nächsten Jahren laut der Innsbrucker Hotelstudie zusätzlich benötigt. Zudem ist vor allem der Anteil an internationalen Markenhotels sehr gering. Ein passendes Hotel im Raiqa werde deshalb einen positiven Beitrag zur dynamischen Entwicklung Innsbrucks leisten können, ist Gostner überzeugt.

Angedacht ist ein Hotel der gehobenen Vier-Sterne-Kategorie mit 120 bis 140 Betten, erläutert Johannes Ortner. Wer das Raiqa-Hotel betreiben wird, ist noch offen, aber man befinde sich bereits im Gespräch mit zwei starken internationalen Hotel-Marken. Ende Jänner sollen die Pläne konkreter werden, sagt Ortner.

Für die Entwicklung des neuen Quartiers holt sich Raiffeisen 16 regionale, nationale und internationale Architekturbüros im Rahmen eines Wettbewerbs ins Boot. Eine Jury aus Vertretern der Bank, Stadt, Architektenkammer und Bauexperten prämiert im April 2019 das Siegerbüro. Raiffeisen erwartet sich dabei keinen baulichen Prunk, sondern Offenheit, Freundlichkeit und ein Symbol gelebter Regionalität. „Die Symbiose aus den vielen verschiedenen Anforderungen ist sicher sehr reizvoll für die Architekten“, sagt Ortner. Die Eröffnung des Raiffeisen Quartiers ist für das Jahr 2022 geplant.

Posted in: