Bausparen bleibt weiterhin beliebt

Bausparen bleibt weiterhin beliebt

Das Arbeitsforum Österreichischer Bausparkassen ist über das stabile Geschäftsjahr 2018 zufrieden. Bei der Finanzierungsleistung hatte die Raiffeisen Bausparkasse im hart umkämpften Markt die Nase vorn.

Von Christian Lovrinovic

Knapp 4,4 Millionen Österreicher vertrauen auf das Bausparen und setzen damit trotz gesunkener Sparneigung auf bewährte Stabilität und Sicherheit. Allerdings hinterlässt das anhaltende Niedrigzinsniveau auch Spuren im Bausparsystem: 2018 wurden in Österreich 606.712 Neuverträge abgeschlossen, im Jahr davor waren es noch 698.571, geht aus den Zahlen des Arbeitsforums Österreichischer Bausparkassen hervor. „Bereits seit einigen Jahren beobachten wir den Trend unserer Kunden, sich auf die prämienbegünstigten Ansparverträge pro Person zu konzentrieren – diese aber deutlich besser zu besparen“, erklärt Manfred Url, Generaldirektor der Raiffeisen Bausparkasse, die Hintergründe. So wurden früher durchaus auch nicht-prämienbegünstigte Bausparverträge abgeschlossen. Zudem lassen viele Kunden laut Thomas Köck, derzeit AÖB-Vorsitzender und Vorstandsvorsitzender der „s Bausparkasse“, ihre Gelder nach Ablauf der Vertragslaufzeit länger liegen und würden nicht mehr automatisch nach der sechsjährigen Förderfrist „loslaufen und einen neuen Vertrag abschließen“.

Dennoch blieben die Bauspareinlagen aller Bausparkassen im Vorjahr mit einem Rückgang von rund 0,2 Mrd. Euro auf 20,3 Mrd. Euro relativ stabil. Bei den Ausleihungen gab es dagegen ein leichtes Plus von 18,8 Mrd. Euro 2017 auf knapp 19 Mrd. Euro. Damit wurde das hohe Niveau vergangener Jahre aufrechterhalten, auch wenn die Finanzierungsleistung im Vorjahr mit 2,73 Mrd. Euro um fast 11 Prozent auf Jahresbasis zurückging. Dies lasse sich mit der Konzentration auf den privaten Wohnbau erklären, so das AÖB.

„Das Thema Sparen ist in dieser Zinssituation kein besonders spektakuläres. In Zeiten vieler Unsicherheiten ist aber ein fades Ansparprodukt zu haben durchaus ein strategischer Vorteil“, streicht Köck hervor. Die Bausparprämie von 108 Euro im Jahr sei zwar nicht überragend. Allerdings: „Heute müsste man bei einer renommierten Bank ungefähr 12.000 Euro anlegen, um einigermaßen diese Zinsen zu bekommen. Beim Bausparen bekomme ich dasselbe Geld um 100 Euro im Monat“, so Köck weiter. Es sei daher kein Wunder, dass die Kundenakzeptanz beim Bausparen hoch sei. „Bausparen ist weiterhin das beliebteste Ansparprodukt der Österreicher“, sagt  Köck unter Verweis auf eine aktuelle Gfk-Umfrage. Noch beliebter sind demzufolge derzeit lediglich die Veranlagung in eine Eigentumswohnung bzw. in ein Haus und der Kauf eines Grundstückes.

Präsentierten die Zahlen der Bausparkassen: Manfred Url, Thomas Köck und Susanne Riess (c) AÖB

Höhere Kreditgrenze

Die Grundidee des Bausparens, dass sich viele Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenschließen und in einen Topf einzahlen, aus dem einzelne Sparer ein Darlehen erhalten, sei aktuell wie eh und je, betont das AÖB. Die jüngste Erhöhung der Höchstgrenze für Bauspardarlehen von 180.000 auf 220.000 Euro pro Bausparkunde bzw. 440.000 Euro für ein Paar wird begrüßt. Dadurch könne besser auf die Steigerung der Immobilien- und Marktpreise eingegangen werden. Von dieser Erhöhung erwarten sich die Bausparkassen spürbare Effekte in den Bilanzzahlen und zusätzliche Erfolge in der Finanzierungsleistung. Mit Anfang März wurde auch der Sanierungsscheck neu aufgelegt, allerdings erfolgt die Abwicklung nun digital direkt über den Bund und nicht mehr über die Bausparkassen. „Als Bausparkassen sehen wir uns jedoch weiterhin in der Verpflichtung, unsere Kunden zu informieren und stehen ihnen mit unserem Service und Know-how weiterhin zur Verfügung“, betonen die Bausparkassen.

Ob man auch einen Vorstoß für eine Anhebung der Höchstgrenze in Bezug auf das prämienbegünstigte Bausparen machen werde, müsse man noch diskutieren, erklärt Generaldirektor Manfred Url. Derzeit wird maximal ein Betrag von 100 Euro pro Monat über sechs Jahre gefördert. Die Idee des Bausparens sei, ausreichend Eigenmittel vor allem für den Kauf von Wohneigentum anzusparen. Das gehe sich vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Immobilienpreise aber schon lange nicht mehr aus. Eine höher geförderte Bauspareinlage wäre auch für den Kunden attraktiv, weil sich über die Bausparprämie auch die Gesamtrendite verbessern würde.

„Bei der Finanzierungsleistung war die Raiffeisen Bausparkasse im Vorjahr Marktführer“, so Url weiter. Man sei gut unterwegs. 2017 habe man ein besonders starkes Ausreißer-Jahr hinsichtlich der Finanzierung gehabt, 2018 war es dann durchaus ordentlich. Die Geschäftszahlen für das vorige Geschäftsjahr wird die Raiffeisen Bausparkasse im April vorlegen.

Zeitfenster für Zinswende verpasst

Auf den Immobilienmarkt sei die Entwicklung insgesamt gut, es werde viel gebaut, allerdings werde auch die Konkurrenz im Finanzierungsgeschäft härter. „Mittlerweile sind alle Banken in dem Geschäft, der Markt ist hart umkämpft. Alle sind überliquid“, skizziert Url die Situation. Zudem heize die Europäische Zentralbank (EZB) mit den neuen angekündigten geldpolitischen Maßnahmen längerfristiger Refinanzierungsmaßnahmen („TLTRO-III“) die Überliquidität weiter an. Damit sei die erhoffte und im Vorjahr scheinbar mögliche Zinswende nun wieder in weite Ferne gerückt. „Die EZB hat das Zeitfenster für eine Zinsanhebung versäumt. Steigende Zinsen hätten für uns eine diametrale Veränderung der Welt bedeutet. 50 bis 100 Basispunkte wären schon enorm hilfreich gewesen“, so Url. Nun scheinen Zinserhöhungen angesichts der eingetrübten Konjunktur für einige Jahre vom Tisch zu sein. Das Potenzialwachstum sei niedriger geworden. „Wenn es den Wohnbau nicht gäbe, wo würden überhaupt Investitionen stattfinden? Und der kann auch nicht ewig so weiter gehen“, analysiert Url, der mittlerweile auch „japanische Verhältnisse“ mit einer langen wirtschaftlichen Stagnation und extrem lockerer Geldpolitik für ein durchaus realistisches Szenario hält. „Wir Bausparkassen haben in den letzten fünf Jahren bewiesen, dass wir bei niedrigster Zinssituation auch leben können, was durchaus überraschend ist. Wir sind relativ kostengünstig, am Finanzierungsmarkt müssen wir uns dem Wettbewerb stellen und gleich gut sein wie die anderen. Bei der Refinanzierung sind wir sukzessive bei den Kosten runtergekommen. Viel weiter können wir da nicht mehr runtergehen“, resümiert Url. Punktuelle Erleichterungen erhofft sich der Generaldirektor allerdings noch von der Politik: „Wir haben nicht die Illusion, dass uns der Finanzminister mehr Geld gibt.“ Allerdings könnten einige regulatorische Lockerungen den Bausparkassen das Leben erleichtern. Die gesetzliche Grundlage dafür stamme aus dem Jahr 1993 und habe sich seither kaum verändert. „Jede Änderung, jeder Beistrich muss von der Finanzmarktaufsicht bewilligt werden. Eine Deregulierungsinitiative würde uns gut anstehen“, mahnt Url.

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