Beherzte Vorbilder

Beherzte Vorbilder

Bereits zum 22. Mal verleiht die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich gemeinsam mit der Exekutive den Raiffeisen Sicherheitspreis.

Von Alexander Blach

Sicherheit ist ein hohes Gut. Alleine in Oberösterreich sorgen rund 3.700 Exekutivbeamte für Recht und Ordnung. Die Aufklärungsquote mit 58,8 Prozent ist so hoch wie nie und die angezeigten Fälle werden weniger. 2017 verzeichnete man einen Rückgang um 2,8 Prozent. Für 2018 erwartet der oberösterreichische Landespolizeidirektor, Andreas Pilsl, erneut ein Minus. Diese positive Entwicklung wäre aber ohne die Mithilfe und Unterstützung der Zivilbevölkerung nicht möglich gewesen. „Zivilcourage ist wichtig, weil die Polizei nicht überall sein kann. Wesentlich ist, dass die Polizei erfährt, wann sie wo einschreiten muss. Dafür ist es notwendig, hinzusehen und nicht wegzusehen“, betont Karoline Edtstadler, Staatssekretärin im Bundesministerium für Inneres.

Mit der Verleihung des Sicherheitspreises werden jene Personen vor den Vorhang geholt, die durch ihr engagiertes und mutiges Handeln dazu beigetragen haben, Verbrechen zu verhindern oder Straftaten rasch aufzuklären. Insgesamt 18 Preisträger wurden heuer aus 57 eingereichten Fällen ausgewählt.

„Der Raiffeisen Sicherheitspreis soll die Zusammenarbeit von Bevölkerung und Exekutive fördern und dadurch einen Beitrag zu noch mehr Sicherheit leisten“, erklärt Heinrich Schaller, Generaldirektor der RLB OÖ. Das Thema Sicherheit habe für Raiffeisen einen besonders hohen Stellenwert: „Sicherheit ist eines der wichtigsten Grundbedürfnisse sowie eine Grundvoraussetzung für eine hohe Lebensqualität. Wir verstehen uns aber nicht nur in Bezug auf finanzielle Angelegenheiten als sichere Bank, sondern wollen darüber hinaus generell einen Beitrag zur öffentlichen Sicherheit leisten“, so der Generaldirektor.

(c) RLB OÖ/Strobl

Mutige Zivilpersonen
Der Aufmerksamkeit von Anna Mörtenböck, RLB-Mitarbeiterin in der Bankstelle Landstraße, ist es zu verdanken, dass ein Betrug an einem 89-Jährigen verhindert werden konnte. Dieser wurde dazu aufgefordert, 26.000 Euro von seinem Sparbuch zu beheben, nachdem ihm zwei Männer einen Lotteriegewinn in Höhe von 400.000 Euro versprochen hatten. Mörtenböck schöpfte Verdacht und verhinderte die Auszahlung. Festgenommen wurden die Männer am darauffolgenden Tag, als sie das Opfer zur Geldübergabe zu Hause aufsuchten. Im Auto der Betrüger wurde neben Unterlagen des Opfers eine umfangreiche Liste mit betagten Personen vorgefunden.

Als Carina und Maximilian Ehrengruber, Markus Russold und Tanja Spenlingwimmer einen Dieb in einem unversperrten Auto auf frischer Tat ertappten, umzingelten sie das Fahrzeug, um den Mann bis zum Eintreffen der Polizei an der Flucht zu hindern.

Die Festnahme eines besonders dreisten Diebes in Leonding ist dem mutigen Schüler Najibullah Amiri zu verdanken: Der Dieb hat sich in eine Schule eingeschlichen und dort Bargeld aus den Rucksäcken der Schüler entwendet. Gemeinsam mit einigen anderen Schülern verfolgte der 15-Jährige Amiri den Mann und forderte ihn auf, das Geld zurückzugeben. Obwohl der Täter den Schüler Richtung Straße stieß und ihm ins Gesicht schlug, ließ er sich nicht abwehren. Gemeinsam mit einer Lehrerin und Schulkollegen gelang es Amiri schließlich den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

Als Elvis Kadriu sah, wie eine betrunkene Mutter in Braunau ihre zweijährige, spärlich bekleidete Tochter misshandelte, informierte er umgehend die Polizei und ging dazwischen, als die Mutter abermals gewalttätig wurde – so konnte er das Kleinkind vor weiteren Übergriffen beschützen.

Dank eines geschickten Ablenkungsmanövers ist gelungen, zwei Einbrecher zu fassen, die – wie sich später herausstellte – in das Lagerhaus Rohrbach eingedrungen waren. Die Täter waren mit ihrem Fahrzeug voller Diebesgut von der Straße abgekommen und hängen geblieben. Feuerwehrmann Thomas Neudorfer sollte den Transporter aus dem Straßengraben herausziehen, schöpfte aber Verdacht und zögerte die Bergung bis zum Eintreffen seiner Kameraden hinaus. Diesen gelang es dann, einen Mann bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Der andere konnte vorerst flüchten, wurde aber später ebenso gefasst.

Als der Koch Marko Hölzl am Vormittag die Küche seines Lokals putzen wollte, fand er aufgebrochene Spielautomaten und ein großes Chaos vor. Kurz darauf wurde er von einem Einbrecher attackiert. Dem Hobbyboxer Hölzl gelang es, den Angreifer mit einem Barhocker abzuwehren und bis zum Eintreffen der Polizei in der Küche einzusperren.

Den Zeugen Peter Mayer, Michaela Riedl und Ingrid Proll ist es zu verdanken, dass zwei Personen angezeigt werden konnten, die am Vöcklabrucker Stadtplatz versuchen, zwei offensichtlich verwahrloste Hundewelpen zu verkaufen. Peter Mayer verfolgte die Männer sogar, verlor dann aber die Spur. Dank der Aufmerksamkeit und der Hinweise von Michaela Riedl und Ingrid Proll konnten die Verdächtigen aber rasch festgenommen werden. Die beiden waren der Polizei als Bettler auf Wochenmärkten im Bezirk bereits bekannt.

„Die ausgewählten Fälle zeigen, dass die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Zivilbevölkerung sehr gut funktioniert. Die Beamten wären sonst oftmals auf verlorenem Posten“, bekräftigt Staatssekretärin Edtstadler. Es brauche noch mehr positive Vorbilder wie die Preisträger, sagt Jakob Auer, Aufsichtsratsvorsitzender der RLB OÖ, und bedankte sich für das Engagement: „Sie waren aufmerksam, Sie haben gehandelt und nicht weggesehen. Darauf können Sie stolz sein.“

Landespolizeidirektor Pilsl mahnte aber auch zur Vorsicht: „Bei mehreren Fällen ist deutlich mehr riskiert worden, als notwendig wäre. Wir sind zufrieden, wenn die Menschen aufmerksam sind, die Nummer der Polizei in Griffweite haben, weil schon der ein oder andere kleine Hinweis für uns sehr wichtig sein könnte.“

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