Besser als im dürren Vorjahr

Ernte: Besser als im dürren Vorjahr

2019 bringt ein deutliches Ernte-Plus, bleibt im Fünf­jahresvergleich jedoch unterdurch­schnittlich. Die Land­wirt­schafts­kammer reagiert mit einer Ackerbau- und Grünlandstrategie.

Von Herrman B. Hackl

Das Erntejahr 2019 wird von zwei wesentlichen Faktoren geprägt: Einerseits zeigt sich, dass die Getreidefläche insgesamt leicht zurückgegangen ist, wenn auch nach Art und Sorte unterschiedlich, andererseits spürt man deutlich den starken Einfluss des Wetters auf die Erntemengen. Diese wird voraussichtlich rund 2,95 Millionen Tonnen ausmachen, was gegenüber dem Dürrejahr 2018 zwar ein Plus von 13 Prozent bedeutet, aber 2,4 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt liegt. Besonders auffällig war die Reduktion der Weizenfläche um fast 11.000 Hektar. Aber auch Sommergerste hat, speziell im mehrjährigen Vergleich, stark an Bedeutung verloren. Stattdessen wurde Wintergerste angebaut, die vergleichbar flächenmäßig zulegen konnte. Besonders Hartweizen und Sommergerste haben mit mehr als 23 Prozent stark an Fläche eingebüßt. Ein Plus erlebt hingegen, neben Roggen, vor allem der Körnermais. Dass die Rapsfläche um 11 Prozent gesunken ist, resultiert überwiegend aus dem Verbot effizient wirksamer Pflanzenschutzmittel. Dadurch werden Produktionsbedingungen schwieriger und der Schädlingsdruck wächst. Die Körnererbse zeigt diese Entwicklung noch deutlicher und ist bereits unter eine Fläche von 5.000 Hektar gefallen: Landwirte gehen ohne geeignete Werkzeuge in der Kulturführung dieses hohe Risiko nicht mehr ein.

Wetterextreme belasten Ernte

Rund 80 Prozent des Ernteertrags sind vom Wetter abhängig, welches sich erneut als extrem erwies: Die Frühjahrswitterung war in den Monaten Februar, März und April von Niederschlagsarmut gekennzeichnet, die Wintergetreideflächen waren Ende April bereits in einem kritischen Zustand. Vielerorts kam es zu massiver Reduktion von Halmen und zu deutlichen irreversiblen Wachstumseinbrüchen, speziell beim Winterweizen.

Der feuchte und kühle Mai war für die Entwicklung der Getreidebestände, das Wachstum der Halme, Blätter und der Ausbildung der Ähren demnach sehr gut. Die Niederschläge sind für einen Großteil der Flächen gerade noch rechtzeitig gekommen – die Getreidebestände konnten sich erholen. Die anhaltende Trockenheit im Juni mit extremen Hitzetagen kann das Ernteergebnis aber noch wesentlich beeinflussen, da die Kornfüllung unter anhaltender Trockenheit leidet.

Frühjahrssaaten, wie Mais, Sojabohne oder Zuckerrübe, wurden durch den kühleren Mai hingegen negativ beeinflusst. Durch den verzögerten Aufgang kam es auch zu Schäden durch die Saatenfliege, Fritfliege oder den Drahtwurm. Das bewirkte regional schlechte Feldaufgänge, sodass insbesondere Mais, Soja aber auch Ölkürbis ein zweites Mal angebaut werden mussten.

Derbrüssler und Erdfloh verursachten bei der Zuckerrübe vor allem in Niederösterreich und im Burgenland Schäden. Nachgebaute Bestände, erkennbar an unterschiedlichen Entwicklungsfortschritten, werden bei der Ernte noch zu Herausforderungen führen.

Bäuerliche Leitlinie

„Das vergangene Dürrejahr 2018 mit enormem Schädlingsaufkommen und die Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) waren ausschlaggebend dafür, dass die Landwirtschaftskammer (LK) Österreich eine ‚Strategie für nachhaltige Grünland- und Ackerbaubewirtschaftung 2030’ initiiert hat“, erklärt LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. Diese verfolgt drei große Ziele: Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig sicherzustellen, dem Klimawandel zu begegnen und sich optimal auf die kommende GAP-Periode nach 2020 vorzubereiten.

„Zur Absicherung der österreichischen Produktion braucht es faire Wettbewerbsbedingungen. Daher verlangen wir von jenen Lebensmittelhändlern, die sich für Verbote und Einschränkungen in der bäuerlichen Produktion in Österreich einsetzen, diese auch konsequent in ihren Märkten anzuwenden und keine Produkte aus anderen Ländern mit niedrigeren Produktionsstandards anzubieten“, fordert Johannes Schmuckenschlager, Präsident der LK Niederösterreich. Zudem soll eine Herkunftsbezeichnung bei Ackerkulturen wie Brot- Mahl- und Braugetreide implementiert werden, um beim Kunden Klarheit zu schaffen: „Wir haben mit dem AMA-Gütesiegel ein bewährtes Zeichen, das den Kunden Klarheit über die österreichische Herkunft der Produkte gibt.“

Für LK-Österreich Präsident Moosbrugger trägt vor allem auch Grünland einen wesentlichen Teil zur Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln bei. Die dort wachsenden Eiweißfutterpflanzen seien ein hochqualitatives Futtermittel und somit essentieller Baustein der heimischen Eiweißstrategie. „Auch der Anbau von Sojabohnen hat gezeigt, was alles möglich ist, wenn sich Forschung, Züchtung und Beratung um eine Kultur bemühen.“

Forschung und Züchtung sind es auch, die für Moosbrugger zwei wesentliche Faktoren im Kampf gegen den Klimawandel darstellen: „Unsere Züchter leisten mit standortangepassten Sorten viel und können gemeinsam mit der Forschung Antworten geben.“ Hierzu erwarte er von der EU klare Entscheidungen, will sie nicht im Bereich neuer Züchtungsmethoden ins Hintertreffen geraten.

In Bezug auf den Klimawandel sieht zudem Niki Berlakovich, Präsident der LK Burgenland, gesunden Boden als wirksames
Gegenmittel. Mit bisherigen Umweltprogrammen habe man für Humusaufbau, Boden­fruchtbarkeit und Bodenqualität bereits viel erreicht. „Mit derartigen Maßnahmen arbeiten wir auch gegen die Klimaerwärmung, um der Tatsache entgegenzuwirken, dass sich durch wärmere Temperaturen der Abbau der organischen Substanz im Boden beschleunigt.“ Daher setze man in der Strategie für Grünland und Ackerbau auch künftig einen Schwerpunkt für klimafitte Bodenbewirtschaftung.

„Fauler Kompromiss“

Will man Antworten auf den Klimawandel,  darf man neue Züchtungsmethoden nicht im Voraus verteufeln, mahnt Moosbrugger. Gerade dann nicht, wenn aktuell auf EU-Ebene ein Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) verhandelt wird, das „ein fauler Kompromiss“ sei –  „wo agrarische Güter einfach gegen Industriegüter abgetauscht werden“ und hunderttausende Tonnen von Fleisch, Zucker oder Ethanol von Südamerika nach Europa transportiert werden müssten. „Europas Betriebe erzeugen erstklassige Qualität unter höchsten Produktionsstandards. Würden die importierten Waren aus den Mercosur-Staaten auch nur einen Funken Kostenwahrheit in sich tragen, also beispielsweise umweltschädigende Produktion im Preis berücksichtigt werden, dann wäre die österreichische Landwirtschaft deutlich wettbewerbsfähiger“, betont Moosbrugger.

„Gerade zum jetzigen Zeitpunkt, wo weltweit für Klimaschutz demonstriert wird, werden in den Mercosur-Ländern Regenwälder abgeholzt und über tausende Kilometer Lebensmittel transportiert, die nicht nach ökologischen Höchststandards produziert werden. Dies konterkariert sämtlichen Klimaschutzbemühungen. Dessen muss sich die EU-Agrarpolitik bewusst sein“, sind sich die drei LK-Präsidenten einig. Seitens der Landwirtschaftskammer werde man jedenfalls im Sinne der heimischen Landwirte weiterhin die Strategie verfolgen, dem Konsumenten den Griff zum Regionalprodukt noch mehr zu erleichtern.

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