„Bieten höchste Qualität an Dienstleistung“

„Bieten höchste Qualität an Dienstleistung“

Der Österreichische Raiffeisenverband unterstützt den Raiffeisensektor mit einem breiten Spektrum an Serviceleistungen und sieht sich als Impulsgeber und Plattform in Sachen Genossenschaft. Welche Schwerpunkte im Jahr 2019 gesetzt werden, erläutert Generalsekretär Andreas Pangl im Interview.

Von Edith Unger

(c) RZ/Natascha Unkart

Das Jubiläumsjahr 2018 ist erfolgreich zu Ende gegangen. Welche Schwerpunkte wird der Österreichische Raiffeisenverband im Jahr 2019 setzen?
Andreas Pangl: 2018 war tatsächlich ein tolles Jahr für die Idee der Genossenschaft und wir werden den Schwung natürlich ins neue Jahr mitnehmen. Darüber hinaus bietet der ÖRV dem Raiffeisensektor eine breite Palette an Dienstleistungen. Das reicht von der Revision über die Interessenvertretung und Beratung bis zum Raiffeisen Campus und der Raiffeisenzeitung. In all diesen Bereichen ergeben sich viele neue Projekte, die darauf ausgerichtet sind, dem Sektor höchste Qualität an Dienstleistung anbieten zu können.

Beginnen wir mit der Digitalisierung. Die ist derzeit in aller Munde. Wo findet sie im ÖRV schon statt?
Pangl: Das wohl spannendste Projekt hat in der Revision begonnen. Dabei geht es um die Nutzung von Künstlicher Intelligenz bei der Bilanzprüfung. Durch automatisierte Datenanalysen können Abschlussprüfungen eine Prüfungssicherheit erreichen, die mit einer stichprobenbasierten Prüfung nicht möglich wären. Am Raiffeisen Campus ist der sogenannte „paperless classroom“ längst Realität. Jetzt haben wir eine Studie zur Zukunft des Online-Lernens beauftragt, die uns Auskunft geben wird, welche IT-Techniken künftig in der Bildung eingesetzt werden müssen. Daneben werden wir gemeinsam mit den Personalverantwortlichen des Sektors eine Kooperation mit LinkedIn, dem webbasierten Berufs-Netzwerk, eingehen. Dieses Projekt dient der Stärkung von Raiffeisen als attraktive Arbeitgeber-Marke. Und natürlich steht die Raiffeisenzeitung als ePaper auf allen mobilen Plattformen zur Verfügung. Dem Trend zu mehr Regionalität entsprechend hat die Raiffeisenzeitung übrigens mit „RZ Regional“ ein neues Format entwickelt, das 2019 in einer eigenen Roadshow in den Bundesländern präsentiert wird.

Der Raiffeisen Campus hat sich am neuen Standort neben der WU erfolgreich etabliert. Wie geht es dort weiter?
Pangl: Der neue Standort ist von unseren Kunden wirklich begeistert aufgenommen worden. Gleichzeitig wird am Campus aber auch ständig an der Qualität des Bildungsprogramms gearbeitet. So haben wir mit dem MBA-Lehrgang die akademische Anbindung geschafft und den neuen Standort mit einer erfolgreichen ISO-Zertifizierung gekrönt. Nun geht es an die konsequente Umsetzung dieser ISO-Standards bei den fachlichen und pädagogischen Kompetenzen der Trainer sowie bei der Entwicklung neuer Bildungsangebote.

Eine zentrale Aufgabe des ÖRV ist die Interessenvertretung im Banken- und im Agrarbereich. Ist diese Aufgabe unter der neuen österreichischen Regierung einfacher geworden?
Pangl: Die neue Regierung hat deutlich mehr Verständnis für die Wirtschaft und ist bereit, die strukturellen Defizite zu beheben. Das hilft der Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe und sichert Arbeitsplätze und Wohlstand in Österreich. 2019 werden die Steuerreform, die Schaffung von Fairness in der Lebensmittelkette und der Abbau von bürokratischen Hürden unsere zentrale Themen sein. In Brüssel könnte es künftig schwieriger werden. Aus heutiger Sicht ist nämlich nicht garantiert, dass es nach der EU-Wahl schnell wieder eine arbeitsfähige EU-Kommission gibt. Das wäre aber gerade im Hinblick auf die Verhandlungen zum neuen EU-Budget und zur Gemeinsamen Agrarpolitik von großer Bedeutung. Bei den Banken wird unsere erfolgreiche Initiative „Regional.Stark“ fortgesetzt, denn es gilt, die im Vorjahr erzielten Erleichterungen für Regionalbanken in die Praxis umzusetzen.

Auch in der Beratung sind die Experten des ÖRV wichtige Partner für den Sektor. Hier stehen Sie in Konkurrenz zu externen Beratern.
Pangl: Diese Konkurrenz brauchen wir nicht zu fürchten, denn unsere Experten verbinden hohe Fachkompetenz mit langjähriger Sektorkenntnis. Dabei ist mir eine klare Trennung von Prüfung und Beratung ein großes Anliegen. Das macht die Beratung glaubwürdiger und die Prüfung unabhängiger. Die Gründung der Raiffeisen Advisory Services und die Einrichtung einer eigenen Abteilung für Bewertungs- und Bilanzierungsfragen im ÖRV waren ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Im Zusammenspiel mit unserer bewährten Rechts- und Steuerberatung unterstützen sie die Raiffeisen-Unternehmen von der Analyse über die Entwicklung geeigneter Strategien bis hin zur Implementierung. Natürlich sind viele Beratungsaufträge von der Regulierung getrieben. Konkrete Projekte zu nennen, würde aber der Vertraulichkeitsverpflichtung als Berater widersprechen.

Im Jahr 2014 hat Generalanwalt Walter Rothensteiner den Funktionärinnen-Beirat im ÖRV geschaffen. Wann hat diese Initiative ihr Ziel erreicht?
Pangl: Die stärkere Vertretung von Frauen in den Organen unserer Genossenschaften ist ein langfristiges Projekt, das alle angeht. Der Beirat ist Netzwerk und Wegbereiter, die Entscheidungen fallen aber vor Ort in den Genossenschaften selbst. Da ist mancherorts noch ein Umdenkprozess notwendig. Die Funktionärinnen sind aber sehr engagiert, sodass das Ziel von 25 Prozent Frauenanteil in den Organen der Raiffeisenbanken im Jahr 2025 erreichbar scheint. Derzeit halten wir bei durchschnittlich 14 Prozent, mit einer Ausgangsposition von 8 Prozent im Jahr 2014.

Kehren wir nochmals zum Thema Genossenschaft zurück. Wie wird es nach dem Jubiläumsjahr mit der Initiative „Bewusst: Raiffeisen“ weitergehen?
Pangl: Natürlich werden wir den Schwung des Jubiläumsjahres nutzen – vorerst mit einer Projektgruppe rund um die Vorteile aus der Mitgliedschaft. Der ÖRV sieht sich dabei wieder als Impulsgeber und Plattform.
Daneben haben wir die Vorbereitungen für eine Jugend-Initiative gestartet. So viel sei schon verraten: Der Raiffeisentag 2020 in Salzburg wird der Jugend gewidmet sein.

Was wünschen Sie sich persönlich im neuen Jahr?
Pangl: Raiffeisen ist ein wichtiger wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Faktor in diesem Land. Darauf dürfen wir stolz sein. Wir sollten daher wieder mehr das gemeinsam Erreichte – und das gemeinsam Erreichbare – in den Vordergrund stellen.

 

ÖRV-Leistungsbilanz 2018

Jubiläumsjahr: Raiffeisentag in Grafenegg/NÖ, TV-Dokumentation, Servicepakete für regionale Genossenschaften, Public Lecture an der WU

Interessenvertretung: Etablierung des Proportionalitätsprinzips in der Banken-Regulierung, Kampf gegen unlautere Handelspraktiken bei Lebensmitteln, gemeinsamer Auftritt von 11 Raiff-
eisen-Unternehmen bei der Job-Messe „Career Calling“

Revision: Inspektion durch die Abschlussprüfer-Aufsichtsbehörde (APAB) erfolgreich absolviert, insgesamt 5.900 Prüfungstage durch die 44 Mitarbeiter der ÖRV-Prüfungsabteilung

Beratung: Unterstützung bei Fit&Proper Anforderungen an Funktionäre und der Datenschutz-Grundverordnung, Evaluierung und Controlling von IT-Projekten, Unternehmensbewertung und Bilanzierungsberatung

Raiffeisenzeitung: Ausbau der Onlinepräsenz (ePaper auf allen mobilen Geräten verfügbar), Entwicklung von „RZ Regional“ als mutierte Variante für ein Genossenschaftsgebiet

Raiffeisen Campus: Neuer Standort am Gelände der WU Wien bezogen, Abschluss des ersten Raiffeisen-MBA „Banking & Management“-Lehrgangs

Funktionärinnen-Beirat: Ausbau der Frauenquote in den Organen der Raiffeisen­banken von 8 auf 14 Prozent, regionale Vernetzungstreffen, Film zum Thema Vielfalt

Wertschöpfungsbericht: Ökonomischer Fußabdruck der RBG: 5,9 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung, 55.800 Beschäftigte, 2,3 Mrd. Euro Steuer- und Abgabenleistung

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