Chancen geben

Chancen geben

Vom Wiederaufbau des Stephansdoms über Entwicklungszusammenarbeit in Westafrika bis zum neuen Studierendenwohnheim in Wien-Leopoldstadt – die ÖJAB stellt sich seit jeher in den Dienst der Menschen.

Von Alexander Blach

1946, der Zweite Weltkrieg ist vorbei, der Wiederaufbau hat begonnen. Für die Rekonstruktion des Wiener Stephansdoms beschäftigte die Firma Buchwieser zahlreiche junge Arbeiter aus den Bundesländern. Gemeinsam mit Einsatzleiter Bruno Buchwieser schufen sie in einer Bombenruine in der Wiener Himmelpfortgasse eine Unterkunft für sich und gründeten die Österreichische Jungarbeiterbewegung (ÖJAB).
Mehr Quartiere folgten in Wien und anderen Städten, um „jungen Arbeitern, Schülern, Studenten und Lehrlingen aus dem ländlichen Raum an ihrem Ausbildungsplatz in der Stadt ein zweites, leistbares Zuhause zu ermöglichen“, wie die ÖJAB ihr Engagement beschreibt.
In den 23 Wohnheimen der ÖJAB für junge Menschen wohnen heute vor allem Studierende. Mit einem moderaten Heimpreis-Niveau will der gemeinnützige Verein jungen Menschen Chancen auf Bildung geben. Besonderen Wert legt die ÖJAB im Wohnheim auf „eine herzliche, offene und mitmenschliche Atmosphäre, Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfsbereitschaft“. Hauptamtliche Heimleiter, die selbst im Haus wohnen, sollen dieses Miteinander, gemeinsame Aktivitäten und eine familiäre Geborgenheit fördern.

Die ÖJAB bietet 4.600 Wohnplätze in 23 Studierenden- und Jugendwohnheimen – das Bild zeigt das neue ÖJAB-Haus NÖ1 in Wien –, zwei Generationen-Wohngemeinschaften, einem Interkulturellen Wohnheim und drei Pflegewohnhäusern. Weiters werden jährlich 2.000 überwiegend sozial benachteiligte Jugendliche und Erwachsene auf ihrem Bildungsweg unterstützt. Insgesamt ist die ÖJAB in Österreich an 40 Standorten tätig, sie beschäftigt über 600 Mitarbeiter, davon über 500 im Pflege- und Bildungsbereich. (c) ÖJAB

Als 1959 Gründer und Präsident Bruno Buchwieser von einem Geistlichen aus Burkina Faso über die Armut in diesem Land informiert wurde, organisierte er mit der ÖJAB eine Berufsausbildung für junge Menschen aus Burkina Faso in Österreich. „Dort, wo Menschen Hilfe benötigen, anpacken und helfen – ohne große Formalismen“, fasst Wolfgang Mohl, Referent für Öffentlichkeitsarbeit in der ÖJAB, die Grundidee Buchwiesers zusammen. Seit 1961 leistet die ÖJAB nun ohne Unterbrechung Entwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso und gründete dort 1970 eine technisch-gewerbliche Fachschule.
Bildungsarbeit für benachteiligte junge Menschen baute die ÖJAB dann auch in Österreich auf. „Heute geben wir jährlich rund 2.000 jungen Menschen im Berufspädagogischen Institut der ÖJAB und in Produktionsschulen eine Berufsorientierung und -ausbildung. Stets mit dem Ziel, Chancen zu geben, damit Menschen mit Benachteiligungen in ein geregeltes Berufsleben finden“, so Mohl. Seit den 1950er-Jahren nimmt die ÖJAB auch Asylwerber und Flüchtlinge in ihren Wohnheimen auf. Sie erhalten Unterstützung durch Beratung und Bildung, auch durch das Berufspädagogische Institut der ÖJAB.
Neben „Studierende und Jugend“, „Bildung und Integration“ und der Entwicklungszusammenarbeit tat sich ab Anfang der 1980er-Jahre ein vierter Tätigkeitsbereich für die ÖJAB auf. Nachdem frühere Heimbewohner im Alter wieder in ein ÖJAB-Haus zurückkehren wollten, fasste man den Entschluss auch Pflegewohnhäuser anzubieten, welche für alle Senioren offenstehen, unabhängig von den persönlichen finanziellen Mitteln. Mittlerweile betreibt die ÖJAB drei Wohn- und Pflegeheime in Güssing, Salzburg und in Wien sowie eine Hauskrankenpflege in der Bundeshauptstadt. „Freiheit und Eigenverantwortung der Bewohner werden gewahrt, die persönliche Lebensgeschichte einbezogen und ‚aktivierende Pflege‘ praktiziert“, betont Mohl. Die Seniorenwohnheime werden „intergenerativ“ geführt, mit Besuchen von Schüler-Gruppen, mit Lernprojekten, Praktika und Aktivitäten mit Jüngeren.
„Die ÖJAB bietet allen ihr anvertrauten Menschen das Zuhause und die Zugehörigkeit, welche für Wachsen, Lernen und Reifen notwendig sind. Das erklärte Ziel ist, dass Menschen lernen, ihr Leben unabhängig von der Lebenssituation und vom Alter selbständig zu meistern. Benachteiligte Menschen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen werden begleitet und gefördert“, unterstreicht auch ÖJAB-Geschäftsführerin Monika Schüssler.

Wichtiger Partner

Die ÖJAB ist gemeinnützig, nicht gewinnorientiert, parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Finanziert wird das Engagement der ÖJAB zu einem großen Teil mit den Benützungsentgelten für die Heimplätze. Ein kleiner Teil kommt aus öffentlichen Subventionen. Die Angebote im Bildungs- und Integrationsbereich werden durch die jeweiligen Auftraggeber finanziert. Für die Entwicklungszusammenarbeit und die Unterstützung von Flüchtlingen werden Spenden gesammelt. Unterstützung gibt es auch seitens der Wirtschaft in Form von Sponsorings und Kooperationen. So pflegt die ÖJAB seit Jahrzehnten eine verlässliche Bankpartnerschaft mit Raiffeisen. Ob als Kreditgeber bei großen Sanierungen, wie zum Beispiel des ÖJAB-Hauses Liesing, oder bei der Abwicklung der Transaktionen in der täglichen Arbeit.
„Wir haben immer wieder gespürt, dass die Raiffeisenbanken das Menschliche sehr stark in den Vordergrund stellen. Darum haben wir uns in der Zusammenarbeit mit Raiffeisen jahrzehntelang immer sehr wohl gefühlt. Gemeinsame Projekte fielen uns leicht“, resümiert Monika Schüssler. So wird Raiffeisen auch beim Betrieb des generalsanierten Studierendenwohnheims ÖJAB-Haus Niederösterreich 1 in der Wiener Leopoldstadt wieder Partner sein. Ab März 2019 wird das nun achtstöckige Haus 256 Heimplätze – teilweise mit eigenen Terrassen – bieten. Seit der Eröffnung des Heims vor 40 Jahren steht das Miteinander im Mittelpunkt, zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen wie Fitnessraum, Co-Working-Space, Studierraum oder ein Proberaum mit Bühne sollen das Kennenlernen nachhaltig fördern.
„Ebenso wünschen wir uns Raiffeisen als Partner für die kommende Erneuerung unseres Pflegewohnhauses ÖJAB-Haus Neumargareten – das größte Projekt in der bisherigen ÖJAB-Geschichte“, betont Schüssler.

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