„Das Ergebnis bestätigt unsere Strategie“

„Das Ergebnis bestätigt unsere Strategie“

19.500 Neuverträge mit einem Volumen von 850 Millionen Euro – die Raiffeisen-Leasing hat sich 2018 gut entwickelt.
CEO Alexander Schmidecker erklärt, wie das gelungen ist.

Von Elisabeth Hell

Der österreichische Leasingmarkt ist im Vorjahr um 11,1 Prozent im Neugeschäftsvolumen gewachsen. Wie ist es im Vergleich dazu der Raiffeisen-Leasing ergangen?
Alexander Schmidecker: Wir konnten den Markttrend deutlich outperformen und sind im Jahresvergleich über 20 Prozent gewachsen. Besonders erfreulich: Das Autogeschäft – Finanzierungsleasing als auch das Fuhrparkmanagement – wird immer mehr die Domäne der Raiffeisen-Leasing. Aber auch im Immobiliengeschäft waren wir sehr erfolgreich. Raiffeisen ist in diesem Geschäftsfeld marktdominierend. Das letztjährige Ergebnis bestätigt uns in unserer Strategie, uns weiterhin als Universalleasinggesellschaft zu positionieren. Wir bieten vom privaten Kfz-Leasing über Flottenmanagement sowie Mobilienleasing bis hin zu großem Immobilien-Leasing für Firmenkunden und die öffentliche Hand alles an.

Wie hat man diese Outperformance geschafft?
Schmidecker: Der Sektor als unser wichtigster Vertriebskanal hat uns hier wirklich sehr geholfen und wird auch immer stärker. Vor allem im vierten Quartal 2018, aber auch im ersten Quartal 2019 hatten wir eine wirklich gute Performance durch den Vertriebskanal Raiffeisenbanken. Trotz des rückläufigen Markttrends – die Kfz-Zulassungen sind im ersten Quartal um 10 Prozent zurückgegangen – konnten wir in diesem Jahr bereits einen 10-prozentigen Zuwachs verzeichnen. Der Sektor birgt ungeahnte Kapazitäten und Potenziale in sich, die wir nun gemeinsam heben.

Wie hat man den Sektor stärker mobilisieren können?
Schmidecker: Wir haben neue Incentivierungsprogramme initiiert und unser Betreuungskonzept disziplinierter aufgesetzt. Man merkt aber auch, dass durch Fusionen die Banken nicht nur größer werden, sondern auch die Organisation und der Vertrieb fokussierter laufen. Viele Raiffeisenbanken haben eine Auto-Affinität, die unserem Geschäftsfeld entspricht.

Ein Spezialgebiet ist das Leasing von Elektroautos. Wie war hier die Entwicklung?
Schmidecker: Sehr gut. Mittlerweile ist die Elektromobilität bei Unternehmen für gewisse Einsatzgebiete, aber auch bei Privaten angekommen mit der Tendenz zur weiteren Steigerung. 2018 haben wir knapp 1.000 Hybrid- und Elektroautos finanziert, das sind in etwa 5 Prozent des gesamten Kfz-Neugeschäfts. Im ersten Quartal 2019 haben wir allein 300 Tesla finanziert. Wenn die Lieferfristen von Elektroautos kürzer und die Modellpalette breiter wird, dann bin ich mir sicher, dass Elektromobilität nicht mehr wegzudenken ist und immer stärker wird.

Ist es der Antrieb der Zukunft?
Schmidecker: Es ist ein Teil der Zukunft. Wir glauben, dass wir in den nächsten fünfzehn Jahren immer noch mit herkömmlichen Antriebsformen – die durch technologische Weiterentwicklungen auch zunehmend umweltfreundlicher werden – arbeiten werden.

Alexander Schmidecker

(c) RZ/Roland Rudolph

Das Fuhrparkmanagement hat 2018 ein Plus von 24 Prozent erzielt. Worauf führen Sie dieses Wachstum zurück?
Schmidecker: Wir haben unsere sehr hohen Qualitätsstandards eingehalten. Im Vergleich dazu hatten manche Marktbegleiter in den letzten zwei, drei Jahren teilweise mit diesem Thema zu kämpfen. Die Qualität bleibt bei uns stark im Fokus. Wir haben jetzt deutlich mehr Autos im Bestand und wollen diese auf gewohnt hohem Niveau abwickeln. Dass Qualitätsverlust massive Folgen haben kann, haben wir am Markt gesehen. Einer unserer Vorteile ist sicher auch, dass wir überall dort sind, wo auch eine Raiffeisenbank ist und unsere Herstellerunabhängigkeit. Durch die eine oder andere Enttäuschung durch Hersteller wollen viele ihren Fuhrpark neu mischen und das ist bei Captive-Fuhrparkmanagement-Unternehmen, die die ‚Sortenreinheit‘ der Kundenfuhrparks zum Ziel haben, schwierig. Vor diesem Hintergrund haben wir viele Neukunden akquiriert.

Seit Jahresbeginn gibt es eine Zusammenarbeit mit Raiffeisen-Impuls Leasing aus Oberösterreich für grenzüberschreitendes Fuhrparkmanagement. Wie kam es zu der Kooperation? Und gibt es Ambitionen noch intensiver zu kooperieren?
Schmidecker: Unsere Kunden fragten immer wieder, ob wir Fuhrparkmanagement auch in Deutschland anbieten. Diese Kooperation ist also die logische Bedienung von Kundenbedürfnissen innerhalb der Raiffeisenbankengruppe. Wir selbst können das nicht, aber unsere „Schwester“ ist in Deutschland sehr gut aufgestellt. Wir arbeiten seit Jahren auf sehr freundschaftlicher Basis zusammen, auch in der Digitalen Regionalbank haben wir einen Schulterschluss mit der Impuls-Leasing gemacht. Das funktioniert extrem gut und wir lernen viel voneinander.

Wie schreitet die Digitalisierung bei der Raiffeisen-Leasing insgesamt voran?
Schmidecker: Gut. Wir haben über den Onlineleasingrechner im Vorjahr etwa 500 Verträge abgeschlossen und heuer bis April bereits 400. Es wird also immer mehr. Seit April sind wir mit dem Onlineleasingrechner auch in MeinElba vertreten. Ab Juli 2019 kann dann der Vertrag zur Gänze online abgeschlossen werden. Hier sehen wir großes Potenzial, weil wir plötzlich in jeder Hosen- bzw. Handtasche der Raiffeisenkunden drinnen sind. Parallel dazu haben wir Ende 2018 MeinLeasing geöffnet, eine Plattform für  Bankbetreuer, auf der er unter anderem die Leasing-Verträge seiner Kunden sieht. Wir nutzen dieses Portal auch für die Kommunikation mit den Beratern. MeinLeasing wird sehr gut angenommen.

Trotzdem haben Sie den digitalen Vertrieb am Anfang noch nicht als großen Wachstumstreiber genannt.
Schmidecker: Der kleine Schneeball kann schnell zur Lawine werden. Aber der Onlinevertrieb wird den analogen Vertrieb sicher nicht gänzlich ersetzen, vor allem bei Geschäfts- und Firmenkunden, die komplexere Aufgabenstellungen haben, besteht weiterhin die Notwendigkeit der persönlichen Beratung. Hier unterscheidet sich Raiffeisen auch von anderen.

Das Immobilienleasinggeschäft trug 17,2 Prozent zum Neugeschäft bei.
Schmidecker: Wir konnten bei unseren Kunden insbesondere mit Projekten aus dem Bereich energieeffizientes Bauen und Sanieren – etwa bei Schulen und Kindergärten – punkten. Wir konnten im Vorjahr auch Ausschreibungen zu PPP-Projekten von Schulen für uns entscheiden. Im Immobilienleasing gab es gerade auch bei IFRS-bilanzierenden Unternehmen eine gewisse Renaissance zu Leasing, weil man dort den Restwert mit einer Leasingstruktur bilanzverkürzend ansetzen kann. Da merken wir zunehmend stärkeres Interesse. Dadurch konnten wir unseren Marktanteil in diesem Marktsegment auf 33 Prozent steigern. Stichwort Immobilien: Die Raiffeisen WohnBau hat derzeit 25 Wohnbauprojekte in Bearbeitung, mit ihren rund 200 verkauften Wohneinheiten hat sie 2018 einen erheblichen Beitrag zum Ergebnis geleistet.

Im Jahr 2017 hat die Raiffeisen-Leasing 20 Mio. Euro vor Steuern erwirtschaftet. Wie ist das Ergebnis 2018?
Schmidecker: Die Raiffeisen-Leasing-Gruppe hat ein Ergebnis von 18,2 Millionen nach Steuern und einen Konzernergebnisbeitrag für die RBI von knapp 20 Millionen erwirtschaftet.

Warum spiegelt sich das Plus vom Neuvolumen nicht im Ergebnis?
Schmidecker: Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, auch vor dem Hintergrund eines sehr dynamischen Konkurrenz- und Marktumfeldes. Vor allem das Kfz-Leasing-Geschäft ist ein Cent-Business, in dem wir uns mit positiven Ergebnisbeiträgen behaupten; das ist im Retailbereich keine Selbstverständlichkeit. Zudem sind wir bei den Investitionen in die Digitalisierung in Vorleistung gegangen.

Die Konjunktur flaut ab. Wie wird sich das auf das Leasinggeschäft auswirken?
Schmidecker: Das Geschäftsaufkommen bis April 2019 zeigt uns noch keine Delle in der Konjunktur. Wir sind zurzeit etwa 10 Prozent über dem Vorjahr. Da wir Optimisten sind, glauben wir, dass es keinen Abschwung geben wird und sich das Geschäft so weiterentwickelt. Es läuft derzeit extrem gut und alle Pipelines sind gut gefüllt.

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