„Die Erwartungen sind extrem hoch“

„Die Erwartungen sind extrem hoch“

Die Stimmung unter den Jungunternehmern ist aufgrund der brummenden Konjunktur so gut wie schon lange nicht mehr. 2018 soll ein „Umsetzungsjahr“ werden.

Von Christian Lovrinovic

Das gute konjunkturelle Umfeld für dringend notwendige Reformen nutzen – das ist der Wunsch der Jungen Wirtschaft (JW) an die neue Bundesregierung. „Die Erwartungen sind extrem hoch, eine so gute Ausgangslage hatten wir de facto noch nie“, betonte die JW-Vorsitzende Amelie Groß bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage unter 906 Jungunternehmern. „Die Junge Wirtschaft fordert, dass 2018 ein Jahr der Umsetzung werden soll.“ Die Stimmung unter den Jungunternehmern ist sehr gut, zeigt die Umfrage des Market-Instituts. 64 Prozent der Befragten rechnen im ersten Halbjahr 2018 mit einer weiterhin ansteigenden Konjunktur, während ein Viertel eine Stagnation auf dem hohen Niveau erwartet. „Man spürt, dass der Aufschwung auch wirklich bei den jungen Unternehmen ankommt. Diese gute Konjunktur muss nun auch dazu genutzt werden, um die Unternehmer zu entlasten. Es kann einfach nicht mehr länger gewartet werden“, so Groß in Richtung Politik. Rückenwind bekommt die gute Stimmung auch von den anhaltend guten Aussichten. Das Wifo erwartet für 2018 mit einem BIP-Zuwachs von 3 Prozent ein ebenso starkes Wirtschaftswachstum wie im Vorjahr. Damit ist der Anstieg so hoch wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Und das spüren auch die Jungunternehmer. Rund ein Fünftel der Befragten beobachtet ein starkes Ansteigen des Kaufvolumens ihrer Kunden. Dazu kommt, dass die Sorge bezüglich der Kostensituation weiter leicht abnimmt. So glauben 21 Prozent an eine Verbesserung der Kostensituation, ein Plus von 4 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Befragung im Mai 2017. 48 Prozent erwarten konstante Kosten. „Die verschiedenen Maßnahmen zur Entlastung der Jungunternehmer haben sich noch nicht in der Erwartung der jungen Selbständigen niedergeschlagen. Aus meiner Perspektive braucht es dringend weitere Entlastung“, so Groß.

Amelie Gross (c) Anna Rauchenberger

Bessere Ertragslage
Positiv sind die befragten Jungunternehmer in Bezug auf die Ertragsaussichten gestimmt. 38 Prozent gehen von einer besseren Ertragslage aus, weitere 42 Prozent rechnen mit stabilen Erträgen. Nur 17 Prozent, ein Rückgang um 6 Prozentpunkte, gehen von einer Verschlechterung aus. Die optimistische Stimmung wirkt sich auch auf die Investitionsfreudigkeit aus. So haben 38 Prozent der Befragten vor, ihre Investitionstätigkeiten auszubauen – ein Trend, der seit dem Tiefpunkt im Mai 2015, als nur 16 Prozent der Jungunternehmer mehr investieren wollten, anhält. Auch am Arbeitsmarkt dürfte die positive Entwicklung weiter zur Entspannung beitragen, denn 41 Prozent der Befragten planen, neues Personal einzustellen. Groß bedauert in diesem Zusammenhang, dass die neue Bundesregierung den Beschäftigungsbonus einstellt: „Ich persönlich finde das sehr schade. Es war eine wichtige Maßnahme, um die jungen Selbständigen zu entlasten und neue Jobs zu schaffen. Allen denjenigen, die planen, neue Mitarbeiter einzustellen, rate ich bis zum 31. Jänner einen Antrag zu stellen.“ Sollte es allerdings insgesamt zu einer „absolut dringenden Lohnnebenkostensenkung“ kommen, wäre das Aus nachvollziehbar.
Handlungsbedarf sieht die Junge Wirtschaft auch bei den Finanzierungsmöglichkeiten. Nur 13 Prozent der Befragten geben an, von den Banken bei ihren Investitionsvorhaben ausreichend Unterstützung zu erhalten, während 45 Prozent eher keine oder keine ausreichende Unterstützung in diesem Bereich sehen. „Die Banken sind mittlerweile einer so strengen Regulierung unterworfen, sodass deren Spielraum bei der Kreditvergabe eingeschränkt ist. Ein Unternehmen zu gründen ist aber immer ein Risiko“, so Groß. Sie fordert daher die Einführung eines steuerlich absetzbaren Beteiligungsfreibetrages zur Mobilisierung von privatem Kapital. „Das ist ein sehr attraktives Instrument, um privates Kapital, das derzeit vielleicht auf Sparbüchern liegt, zu aktivieren“, so Groß.

Hohe Zustimmung
Neben den Konjunkturerwartungen wurde in der Ende November/Anfang Dezember durchgeführten Umfrage auch die Erwartung an die sich damals abzeichnende neue Bundesregierung abgefragt. Demnach glauben 58 Prozent der Jungunternehmer, dass sich der Ausgang der Nationalratswahlen positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung in ihrer Branche auswirken wird. „Den beiden Parteien wird durchaus wirtschaftliche Kompetenz zugetraut“, kommentierte Groß die hohe Zustimmung. Großen Handlungsbedarf sehen die Jungunternehmer vor allem bei der Steuer- und Abgabenquote, die auf 40 Prozent gesenkt werden soll. „Wichtig ist, dass die Senkung bei den Unternehmen spürbar ankommt“, sagt die JW-Vorsitzende. Als weitere Top-Priorität wird der Bürokratieabbau samt Verwaltungsreform angesehen. Nun gehe  es darum, alle im Regierungsprogramm enthaltenen Maßnahmen konkret und detailliert auszuformulieren und für die Umsetzung einen Zeitplan zu erstellen. „Die Bundesregierung hat nun die Chance, die Tür zu einem erfolgreichen Zukunftsstandort weit aufzumachen und den Stillstand der letzten Jahre zu beenden“, resümierte Groß.