„Die Künstlerin muss das letzte Wort haben“

„Die Künstlerin muss das letzte Wort haben“

Mit ihrem zweiten Album „Evolution II“ und der Teilnahme für Österreich beim Eurovision Song Contest markiert PAENDA Meilensteine ihrer jungen Karriere. Das Album punktet mit eigenen Liedern und selbst generierten Sounds, all das angesiedelt im Breitengrad Avantgarde und Elektronik-Pop mit Mainstream-Charakter.

Von Manfred Horak

Wie bist du zur Elektronik gekommen? Warum hast du nicht zur akustischen Gitarre gegriffen?
PAENDA: (lacht) Hab ich zuerst! Ich habe mit 14 mit Gitarre angefangen und dann mit 18 Klavier gelernt. Warum Elektronik? Der Hintergedanke war, dass ich produzieren lernen wollte. Da ist es naheliegend, dass man elektronische Musik macht. Es sind aber nach wie vor sehr viele akustische Elemente drinnen. Plus, ich bin ein Kind der 90er und mit elektronischer Musik aufgewachsen. Ich habe eine Komplettvorstellung von einem Song, wenn ich ihn schreib – also wie der Beat sein soll und wie das Drumherum klingen soll – und am Klavier kannst du all das relativ schwer alleine umsetzen.

Du bist auch die Produzentin deines Albums. Lässt du jemanden mitreden?
PAENDA: Beim ersten Album habe ich einen Co-Produzenten gehabt, und für dieses Album hatte ich mir das auch so gedacht. Ich bin aber sehr glücklich darüber, eine so tolle Managerin zu haben, die mir den Rücken gestärkt hat und gesagt hat: „Du kannst das alleine, ich glaub an dich. Setz das so um, wie du das willst.“ Wenn jemand Zweiter mitarbeitet, hat man zwar mehr Ideen und ist nicht so schnell betriebsblind, aber man muss halt auch Kompromisse eingehen. Im Grunde gesehen bin ich die Künstlerin und muss das letzte Wort haben. Das kann man einer Künstlerin nicht nehmen.

PAENDA (c) Christina Horn

(c) Christina Horn

Das sagen nicht alle …
PAENDA: Ich weiß. Ich habe es leider auch schon anders erlebt und genau das hat mich zu dieser Conclusio gebracht.

Wann hast du gewusst, dass du das Talent zum Singen hast?
PAENDA: Ich bin mir heute noch nicht sicher, ob ich das Talent zum Singen habe. Das ist immer so eine Streitfrage mit unterschiedlichen Meinungen. Ich finde Stimmen soundso ganz schwierig, die kann man nicht bewerten. Dem einen gefällt das, und dem anderen eben nicht. Die Kontrolle der Stimme zu erlangen, ist Übungssache. Es ist ein Muskel, wie jeder andere im Körper, und wenn man den trainiert und je mehr man singt, desto mehr hat man das unter Kontrolle. Ich habe schon immer viel gesungen.

Du bist aus der Steiermark.
PAENDA: Genau, aus Deutschlandsberg, das ist ganz, ganz unten, dort, wo es grün ist, und wo man niemanden mehr versteht. (lacht) Musik und Tanz war immer sehr gegenwärtig, das war auch immer mein Mittel und mein Weg, um Emotionen rauszulassen. Ich bin fernab von Drogen, aber Musik war immer meine Droge. Sobald ich anfange Musik zu machen, bin ich voll in meiner Welt.

Du bist freischaffende Künstlerin, dazu die klassische Frage: Kannst du von der Kunst leben?
PAENDA: Nein, ich bin eigentlich Gesangslehrerin. Was grundsätzlich das Leben von der Kunst angeht, ist es schwierig, gerade in der Anfangsphase. Ich habe mich damit sehr gut akklimatisiert, weil mein Brotjob als Gesangslehrerin das ist, was ich am liebsten mache, nämlich Musik. Wenn ich den ganzen Tag singen darf, bin ich der glücklichste Mensch. Am wichtigsten dabei ist mir, dass ich den Schülern die Freude an Musik und am kreativen Schaffen mitgebe, was in unserer Gesellschaft ja leider aberzogen wurde. Wenn du nicht quasi ein Ausnahmetalent hast, was sofort erkannt wird, wenn du ein Kind bist, dann wird dir gesagt, dass Singen nichts für dich ist. Einmal im Jahr schreiben wir für unser Weihnachtskonzert eigene Songs, und die ersten Reaktionen der meisten sind oft erschreckend. Viele sagen, „ich kann das nicht“, dabei haben sie es noch nie vorher probiert. Am Ende kommen oft tolle Songs raus, wo ich mir denke: Wow! Das zeigt mir persönlich immer wieder aufs Neue, was in den Kindern alles steckt, aber es wird ihnen einfach aberzogen.

Erhoffst du dir aufgrund deiner Songcontest-Teilnahme als Profimusikerin leben zu können? Du scheinst ja sehr stressresistent zu sein.
PAENDA: Oh ja, aber das war ich schon immer. Das Universum gibt einem erst dann Sachen, wenn man dafür bereit ist. Ich finde es lustig, was jetzt passiert, weil ich mir noch vor einem Jahr gedacht habe, der ESC wäre der richtige Platz für mich, um gewisse Dinge in die Welt hinauszutragen und dort zu präsentieren.

Die Message lautet „Liebe“?
PAENDA: Liebe, ja, und Respekt füreinander und auf jeden Fall muss etwas gegen den Sexismus getan werden. Vor allem ich als Produzentin spreche da aus Erfahrung – und es hat natürlich auch damit zu tun, was wir unseren Kindern mitgeben. Kleinen Mädchen, denen man erklärt, dass Technik nur für Burschen ist, oder Buben, denen man erklärt, Puppen sind nur was für Mädchen. Es findet zwar ein Umdenken statt, aber es ist immer noch zu drastisch. Und es ist immer noch so, dass Mädchen rosarot tragen sollten und Buben blau.

Deswegen die blauen Haare?
PAENDA: (lacht) Nein, ich mag es einfach bunt.

Bist du Optimistin, dass sich die Gesellschaft zum Positiven entwickelt, dass Frauen mehr das Sagen haben?
PAENDA: Es sollte immer ein respektvolles Miteinander herrschen, egal, welchem Geschlecht man angehört. Auf einer Plattform wie dem ESC erreicht man mit einem Schlag sehr viele Menschen, da wird auch zugehört. Ich werde dort angesagt als eine Frau, die alles selbst macht und selbst produziert. Das ist im Endeffekt das, was ich mir gewünscht habe. Gerade in einer Industrie, wo es eigentlich so gehandhabt wird, dass die Frauen eher die Aushängeschilder sind und als Puppen behandelt werden, und die „richtige“ Arbeit dahinter machen die Männer. Um das geht es mir: ein Beispiel dafür zu sein, dass es auch anders geht.

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