„Die Performance stimmt“

„Die Performance stimmt“

Valida setzt auf Wachstum in der Abfertigung Neu und erwartet sich von der neuen Bundesregierung Impulse für die Pensionskassen. CEO Martin Sardelic hat hohe Erwartungen an 2018 und schärft den Blick auf den Kunden weiter.

Interview: Christian Lovrinovic

Vor fünfzehn Jahren wurde die Abfertigung Neu eingeführt. Wie lautet Ihre Zwischenbilanz?
Martin Sardelic: Das System der Betrieblichen Vorsorgekassen hat sich sehr erfolgreich etabliert und bewährt. Insgesamt brachte es sowohl den Arbeitgebern als auch den Arbeitnehmern mehr Sicherheit und Flexibilität. Im Vergleich zur Vorgängerregelung haben die Betriebe mehr Planungssicherheit hinsichtlich ihrer Verpflichtungen. Und die Mitarbeiter sind aufgrund des eingezahlten Sondervermögens flexibler in ihrem Berufsleben.

(c) RZ/Natascha Unkart

Die neue Bundesregierung bekennt sich zum Ausbau der betrieblichen und privaten Vorsorge. Was sind Ihre Erwartungen?
Sardelic: Grundsätzlich hoffe ich, dass sich die neue Regierung unserer Errungenschaften im Sozialstaat bewusst ist. Um diese abzusichern, sollten die Ergänzungen des staatlichen Systems ausgebaut werden. In den letzten Jahren ist es uns in Österreich nicht einmal gelungen, Konsens über die Problemlage zu finden – ich sage noch nicht einmal über die Lösung. Das ist ernüchternd und schade. Österreich hinkt im Ausbau der Säule der betrieblichen Pensionsvorsorge international hinterher. Ich hoffe, dass die neue Regierung mit konkreten Maßnahmen neue Impulse setzen kann.

Worauf führen Sie dieses Hinterherhinken zurück?
Sardelic: Eine wirklich vernünftige Antwort auf diese Frage habe ich noch nicht gefunden. In Österreich ist man offenbar der Meinung, dass man das staatliche System schwächt, sobald man es in irgendeiner Form anspricht. Dieser Meinung bin ich nicht. Man kann die Qualitäten des Systems – ohne es zu gefährden – mit einem smarten Zusammenspiel der staatlichen, betrieblichen und privaten Säule absichern. Damit wird das Risiko diversifiziert. Sowohl Umlagesysteme als auch kapitalgedeckte Systeme sind nicht risikofrei – eine Diversifizierung kommt allen zugute.

Vor welchen Herausforderungen steht die Vorsorgesysteme?
Sardelic: Man muss die langfristige Entwicklung im Auge behalten, insbesondere das Thema Demografie. Wie schaffen wir es, ein etabliertes System so zu gestalten, um es auch für Generationen nach uns zu erhalten? Diesem Thema muss sich die Politik stellen, auch wenn es unbequem ist. Man muss weit vorausschauend agieren und unter Umständen macht man sich für die nächste Wahl nicht unbedingt beliebt.

Wie entwickelt sich die Vorsorgekasse?
Sardelic: Wir haben mit der Vorsorge- und Pensionskasse beide Säulen im Konzern. Sie helfen mit, die Altersvorsorge insgesamt zukunftsträchtig zu gestalten. Bei der Abfertigung Neu haben wir seit Jahren erfreuliche Wachstumsraten über dem Markt, im Vorjahr gab es ein Plus von rund 10 Prozent. Unser Marktanteil legte um 0,5 Prozent auf 31 Prozent zu, ein konstanter Trend seit einigen Jahren. Wir haben rund 2,3 Millionen Kunden in der Vorsorgekasse und arbeiten daran, diese Zahl weiter zu steigern. Rückenwind spüren wir derzeit auch aufgrund der besseren Beschäftigungssituation im Land.

Wie sieht es mit der Performance aus?
Sardelic: Mit einer Performance von 3 Prozent bis zum Jahresende 2017 zählen wir zu den Top-Vorsorgekassen im Land. Wir bieten dem Kunden eine Kapitalgarantie und eine sichere und konservative Veranlagung. Eine vernünftige Rendite im derzeitigen Veranlagungsumfeld zu erwirtschaften, ist eine Herausforderung. Seit der Einrichtung der Vorsorgekassen liegen wir bei der Performance über dem Branchenschnitt. Damit erfüllen wir genau das, was sich der Kunde erwartet: Eine sichere und ertragreiche Veranlagung seines Geldes.

Für rund ein Viertel der österreichischen Arbeitnehmer wird mittels Firmenpensionen vorgesorgt. Wie ist die Entwicklung bei den Pensionskassen?
Sardelic: Der Markt der Pensionskassen ist weitgehend verteilt. Schön wäre es, wenn wir in Österreich das international übliche sogenannte „EET-Modell“ durchgängig umsetzen würden. Der Grundgedanke dabei ist, die Einzahlungs- sowie die Veranlagungsphase steuerfrei zu gestalten und die Besteuerung in die Auszahlungsphase zu verschieben. Derzeit haben wir in Österreich ein Mischsystem: Während die Arbeitgeberbeiträge frei von Einkommenssteuer und Sozialversicherungspflicht sind, können die Arbeitnehmer ihre Beiträge nicht steuerfrei einzahlen. Die Gleichstellung beider Beitragsleistungen wäre ein wichtiger Hebel, um den Einzelnen zu motivieren, auch selbst vorzusorgen.

Wie entwickeln sich die Valida Pensionskassen?
Sardelic: Mit der Valida Pension und der Valida Industrie Pensionskasse sind wir – noch – mit zwei Anbietern am Markt vertreten. 2018 planen wir sie zusammenzuführen. Insgesamt betreuen wir 254.000 Begünstigte von Firmenpensionen. Unser Marktanteil ist mit rund 30 Prozent stabil. Im Vorjahr erzielten wir in unserer allgemein ausgewogenen Veranlagung 6,07 Prozent, in der allgemein Innovativen Veranlagung 5,08 Prozent und in der allgemein dynamischen Veranlagung 9,12 Prozent.

Welche Themen spielen bei der Veranlagung eine Rolle?
Sardelic: Insgesamt verwaltet die Gruppe ein Kundenvermögen von 9,5 Mrd. Euro. Die Erwartung ist ganz klar, dass wir mit dem Geld sehr, sehr, sehr gut wirtschaften. Die Ergebnisse zeigen, dass die Performance stimmt. Eine wichtige Rolle spielt die Nachhaltigkeit der Veranlagung. Bei uns können die Kunden in der Abfertigung Neu sicher sein, dass ihr Guthaben ethisch veranlagt wird – dies wird regelmäßig vom unabhängigen Spezialisten „rfu“ überprüft. Das wird von den Kunden positiv zur Kenntnis genommen.

Welchen Stellenwert hat die Valida im Raiffeisensektor?
Sardelic: Sehr viele unserer Kunden kommen aus dem Raiffeisensektor und sind auch gleichzeitig Kooperationspartner, das bringt eine hohe Verantwortung mit sich. Wir wollen die Zusammenarbeit im Sektor intensivieren. Das ist uns mit unserer Mutter Raiffeisen Bank International im Firmenkundengeschäft schon sehr gut gelungen und hat zu deutlichen Steigerungen geführt. Die konstanten Zugewinne von Marktanteilen sind der Ausdruck dessen, dass die Kunden in uns eine sehr leistungsfähige Organisation erkennen. Die Situation im Raiffeisensektor ist derzeit recht spannend. Wir wollen die Chance nutzen, um die sektorweite Zusammenarbeit weiter zu intensivieren. Dabei sind die Landesbanken ein entscheidender Hebel, um die Vernetzung im Vertrieb noch enger zu machen.

Wo sehen Sie noch sektorinternes Wachstumspotenzial?
Sardelic: Unser Fokus beim Wachstum richtet sich auf die Abfertigung Neu. Jedes Unternehmen muss für seine Mitarbeiter entsprechende Vorsorgeverträge mit einer Kasse abschließen. Wenn man sich anschaut, wie viele Firmenkunden der österreichische Raiffeisensektor hat, dann erkennt man relativ rasch unser großes Wachstumspotenzial. Die Entwicklung von Raiffeisen in Österreich ist in einer spannenden Phase. Bei den Raiffeisenbanken wird man sich zunehmend der Bedeutung des Pflichtgeschäftes „Abfertigung Neu“ bewusst und erachtet es als sinnvoll, dieses mit einem vertrauensvollen Partner aus dem Sektor abzuwickeln.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich für 2018 vorgenommen?
Sardelic: Die Kundenorientierung ist mir sehr wichtig, da ist uns schon viel gelungen. Dennoch müssen wir weiter dranbleiben. Kundenzentrierung wird schnell als Schlagwort abgetan. Ich glaube, wenn man es ehrlich lebt, dann brauchen wir uns im Wettbewerb keine Sorgen machen. Unsere Kernfunktion ist es, das uns von Kunden anvertraute Geld sicher in die Zukunft zu bringen. Dahinter stecken aber sehr viele Details.

Wie weit sind Sie bei der Umsetzung dieser Details?
Sardelic: Vor eineinhalb Jahren wurden im Programm „Valida 2020“ die Kerninitiativen definiert – die drei wichtigsten sind die Kundenzentrierung, die Digitalisierung und die Einführung eines neuen Kern-IT-Systems. Wir sind insgesamt auf einem guten Weg. 2017 haben wir mit Kundenbefragungen begonnen, die heuer fortgesetzt werden. Im IT-Bereich haben wir etwa zum Jahreswechsel 2017/18 alle unsere Leistungsberechtigten in ein modernes System migriert. Nun zahlen wir alle Leistungen aus einer Hand aus. Mit solchen Effizienzgewinnen werden wir insgesamt wettbewerbs­fähiger.

Wie wird das Veranlagungsjahr 2018?
Sardelic: Ich bin zuversichtlich, dass wir auch heuer ein gutes Veranlagungsjahr ähnlich wie 2017 haben werden. Wir müssen aber darauf aufpassen, wie die Notenbank das sich abzeichnende Ende der ultralockeren Geldpolitik, dem Quantitative Easing, gestaltet und wie die Märkte darauf reagieren. In den letzten eineinhalb Jahren flossen unsere Veranlagungen stärker in reale Vermögen als zuvor etwa in Immobilien. Von den Aktienmärkten erwarte ich mir heuer wieder einen spürbaren Beitrag – auch wenn die Risiken insgesamt nicht geringer werden.