Die Richtung stimmt

Die Richtung stimmt

Durch welche Maßnahmen und Anreize Elektromobilität in Österreich eine echte Alternative zu Verbrennungsmotoren werden kann, beleuchtet der Bundesverband für nachhaltige Mobilität gemeinsam mit Raiffeisen-Leasing.

Von Alexander Blach

Anfang Oktober machte sich ein Damenteam des Bundesverbandes für nachhaltige Mobilität auf den Weg nach Marokko, um an der E-Rallye „Rive Maroc“ teilzunehmen. Dabei ging es im E-Auto rund 800 Kilometer quer durchs ganze Land mit dem Ziel, mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu schaffen. Unterstützt wurden die Damen dabei unter anderem von Raiffeisen-Leasing.
„Die zentrale Frage unserer Kunden ist, ob die Reichweite des jeweiligen E-Fahrzeugmodells und die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur ausreichend für das individuelle Mobilitätsverhalten sind. Es ist uns daher ein Anliegen, der breiten Öffentlichkeit zu zeigen, dass E-Fahrzeuge mittlerweile bereits alltagstauglich sind und durch flächendeckende Ladestationen auch weite Strecken zurückgelegt werden können“, erklärt Alexander Schmidecker, CEO von Raiffeisen-Leasing.

Die Veranstalter der Rive Maroc haben in Zusammenarbeit mit Kommunen, Hotels und lokal ansässigen Unternehmen eine umfassende Infrastruktur für Lademöglichkeiten geschaffen. Diese bleibt auch nach der Rallye bestehen. (c) Bundesverband für nachhaltige Mobilität

Deshalb wurde auch die knapp 4.000 Kilometer lange Anreise nach Marrakesch von den „Electric Ladies“ bereits mit ihrem Tesla Model X zurückgelegt. „Wir wollten zeigen, dass es ohne Probleme möglich ist, halb Europa vollelektrisch zu durchqueren“, erzählt Doris Holler-Bruckner, Präsidentin des Bundesverbandes für nachhaltige Mobilität. Nur ein einziges Mal – beim Übersetzen mit der Fähre von Spanien nach Marokko – habe man aus Mangel an Alternativen auf fossile Energien zurückgreifen müssen. Zu loben sei vor allem die im internationalen Vergleich bereits gut ausgebaute heimische
Ladeinfrastruktur. Die Kundenfreundlichkeit vieler Ladestationen lasse aber noch zu wünschen übrig: „Man kann fast nirgends mit Bankomat- oder Kreditkarte zahlen und es gibt meistens keine Überdachung. Obwohl das Stromtanken so einfach wie an einer ‚normalen’ Tankstelle sein müsste“, schildert Holler-Bruckner ihre Erfahrungen. Weiters fehle oft eine ausreichende Beschilderung von öffentlichen Ladestationen sowie einer Abrechnung basierend auf Kilowattstunden.
Darüber hinaus betont Holler-Bruckner aber auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der Elektromobilität für den Wirtschaftsstandort Österreich. „Wir haben eine Reihe von heimischen Unternehmen, die in der Entwicklung von Komponenten- und Subkomponenten für Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur international äußerst erfolgreich sind und hier langfristig tausende Arbeitsplätze sichern. Die aktuelle Förderpolitik von Elektromobilität geht definitiv in die richtige Richtung, aber es gibt noch enorm viel Potenzial.“ Künftig werde es auch wichtig sein, eine zentrale, bundesweite Zuständigkeit für das Thema nachhaltige Mobilität zu definieren. „Um unter anderem die bürokratischen Hürden für Unternehmen abzubauen“, pflichtet auch Renato Eggner, Geschäftsführer von Raiffeisen-Leasing Fuhrparkmanagement (RLFPM), bei.
Etwa 7 Prozent der rund 11.000 von RLFPM betreuten Pkw und leichten Nutzfahrzeuge sind elektrisch unterwegs. Mit denen werden jährlich über 1 Million Liter Treibstoff und rund 2.650 Tonnen CO2 gespart. „Elektromobilität überzeugt aber nicht nur durch die positive Klimabilanz, sondern auch durch die deutlich niedrigeren Betriebskosten, die im Schnitt um ein Drittel unter jenem eines konventionellen Fahrzeugs liegen“, erklärt Eggner.
Positive Anreize, wie etwa Steuerbegünstigungen, der Ausbau öffentlicher Infrastruktur oder Kaufpreisförderungen werden bei Pkw bereits gut angenommen. Leichte E-Nutzfahrzeuge müssten gezielt gefördert werden, da diese aktuell gegenüber konventionellen Fahrzeugen kaum steuerliche Vorteile haben, aber eine entsprechende Nachfrage bestehe, weiß Eggner.
Als weiteren Impuls für nachhaltige Mobilität könne er sich eine Reduktion der an Bundesförderungen geknüpften Mindesthaltedauer von derzeit vier auf zwei Jahre vorstellen. So würden die E-Fahrzeuge schneller und günstiger in den Gebrauchtwagenmarkt gehen, um letztendlich besser die breite Masse zu erreichen.
Darüber hinaus plant der Bundesverband für nachhaltige Mobilität zur Förderung von E-Fahrzeugen aktuell ein Gütesiegel, mit dem jene heimischen Unternehmen ausgezeichnet werden sollen, die bis zum Jahr 2020 den Anteil von Elektrofahrzeugen in ihren Fuhrparks auf mindestens 30 Prozent anheben.