Edelfeder mit grünem Herz

Edelfeder mit grünem Herz

Peter Rosegger gilt als steirischer Waldbauern-Literat. Zum 100. Todestag rücken Ausstellungen und Bücher das Bild zurecht.

Von Ulrich Ahamer

Er war eine sehr spannende, teils widersprüchliche Persönlichkeit. Ein begeisterter Schriftsteller und Dichter sowie akribisch recherchierender Journalist, der sich teilweise bewusst selbst inszenierte“, sagt Karl-Heinz Wirnsberger vom Universalmuseum Joanneum. Das Bild, das man lange von Peter Rosegger hatte, war verkitscht und zu oft auf das des „Waldbauernbuben“ eingeengt, das weiß man heute. Je nachdem, wer ihn gerade vereinnahmen wollte, der hatte bei Rosegger ein relativ leichtes Spiel. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit lässt sich ein Zitat des notorischen Vielschreibers finden, das die eine oder andere Position belegt.

Rosegger an seinem Arbeitstisch (c) F.J. Böhm

Peter Rosegger war steirischer Heimatdichter, Literat, Journalist, querdenkender Zeitgeist und dabei sehr vielschichtig. „Er war sehr interessiert an sozialen Themen, ja, er hat verdeckt recherchiert. Er ging in Irrenhäuser, Wärmestuben und Gefängnisse und berichtete dann darüber. Er interessierte sich sehr für Technik und setzte sich aber gleichzeitig vehement für Naturschutz und das einfache Leben ein. Er war zeitlebens ein gläubiger Katholik, zeigte sich aber anderen Religionen, insbesondere der evangelischen Kirche und der Ökumene gegenüber, aufgeschlossen“, so Gerald Schöpfer, der soeben eine Rosegger-Biografie im Vitalis-Verlag veröffentlicht hat. Der frühere Institutsleiter für Wirtschaftsgeschichte an der Uni Graz weiß darin vom konservativen Frauenbild Roseggers zu berichten. So sind von ihm etwa folgende Zeilen überliefert: „Bei Männern spricht man vom Kopf, bei Frauen vom Hut.“ Oder: „Ist die Frau schön allein, so wird sie einmal hässlich, aber ein gutes, treues Weib ist waschfest.“
Rosegger war die Bildung nicht in die Wiege gelegt worden. Regulären Schulbesuch gab es keinen, unterrichtet wurde er mit vielen Unterbrechungen von Michael Patterer – einem Schulmeister, der wegen seiner Sympathiebekundungen für die Märzrevolution von der Schule verjagt worden war. Zeit seines Lebens war Rosegger schwach und kränklich, ungeeignet für die Arbeit als Bauer. Es gab Anläufe Schneider und Pfarrer zu werden, sie schlugen fehl. Die Lehrzeit als Schneider führte ihn jedoch in Dutzende Höfe, so lernte er die unmittelbare Umgebung, die Bräuche und die Leute sehr gut kennen.

Haus- und Hofverkauf
Währenddessen begann Rosegger zu schreiben. Mit 21 wurde Albert Svoboda, Redakteur der Grazer Tagespost, auf ihn aufmerksam und machte ihn mit dem Brauindustriellen Peter von Reininghaus bekannt. Um seine Bildung nachzuholen, verschafften ihm seine Gönner einen Freiplatz in der „Akademie für Handel und Industrie“. 1868 konnten seine Eltern dann den verschuldeten Hof nicht mehr halten. Das Geburtshaus Roseggers wurde verkauft, die Eltern mussten in ein kleines Ausgedinge ziehen. Das Motiv der hoch verschuldeten Bauern, taucht auch in einem seiner berühmtesten Werke, Jakob der Letzte, wieder auf. Rosegger schildert die Verelendung der Bauern, zeigt die Folgen des Eisenbahnbaues auf, mit dem billige Getreidelieferungen aus Ungarn rasch ins Land kommen konnten. Er schildert die Ausweglosigkeit der Kleinstbetriebe und den Modernisierungsdruck. Er kritisiert auch das Heiratsverbot für Mittellose und warnt die Landbevölkerung, ihr Elend nicht gegen die Proletarisierung in der Stadt zu tauschen.

Der Kluppeneggerhof am Alpl (c) Unbekannt

Rosegger auf ländliche Beschaulichkeit zu reduzieren, ist auch wegen seines Lebenslaufes abwegig, weil er nur seine Jugendjahre im ärmlichen Krieglach lebte. Später kaufte er ein Landhaus, diese „Waldheimat“ war nur mehr Rückzugsgebiet für den Städter. Wenn man sich die klirrend kalten Winter in einem kleinen Bauernhaus mit sieben Kindern vorstellt, verliert sich schnell jede idyllische Verklärung. Neue Annäherungsversuche an Rosegger hat es bereits zu seinem 150. Geburtstag gegeben, bei der Landesausstellung 1993. „Wir haben auch Zwiespältiges an ihm entdeckt, etwa, dass er in seiner Weltanschauung zwischen links und rechts herumpendelte. Andererseits entwickelte er schon damals Gedanken, die noch sehr aktuell sind“, so Gert Steinbäcker, der damals mit seinen Kumpels von STS und Christian Kolonovits Gedichte von Rosegger vertont und eingespielt hatte.

Zwangsvereinnahmung
Immer wieder wird Roseggers Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten kritisch hervorgehoben. Der Historiker Stefan Karner schreibt dazu: „Rosegger hatte mit beiden vor-nationalsozialistischen Richtungen keinen direkten Kontakt, und trotzdem hatte gerade Peter Rosegger die spätere NS-Kulturpolitik wesentlich beeinflusst. […] Sie hat das Bodenständige und damit den Rosegger einfach übernommen und zu einem der Ihren gemacht.“ Dabei hatte Rosegger schon 1889 seine Befürchtung geäußert, „…dass der Antisemitismus sich zu einem großen Schreckens- und Vergewaltigungsssystem auswachsen wird, das von langer Dauer sein und viele unserer idealen Güter zerstören wird“. Trotzdem hatten die Nazis andere Teile seines Werks für ihre Propaganda genützt. Vielleicht weil Rosegger während des Ersten Weltkriegs unter dem Titel „Steirischer Waffensegen“ noch nationalistische Prosa verfasst hatte.

Auf dem Weg zum Alpl (c) F.J. Böhm

Nationalpark-Pionier
Der Großglockner hatte es ihm kurz zuvor angetan. In der von ihm verlegten Zeitung „Heimgarten“ stellte er die rhetorische Frage: „Wem gehört der Großglockner?“ Dieser sei von einem biederen Kärntner an einen reichen Norddeutschen verkauft worden. Er warnt vor dem neuen Eigentümer, dieser wolle eine „Steinbockzucht anlegen und das Gebiet, soweit für den Zweck nötig, vor der Touristenwelt absperren lassen.“ Mit der von ihm gestellten Forderung, dass Touristenvereine das Glocknergebiet aufkaufen sollen, nimmt Rosegger den Vertragsnaturschutz vorweg. Er heizt die Diskussion um Naturschutzparks an, sie sollten als Naturgemeingut allen gehören, der Nation und von dieser auch verwaltet werden.
„Peter Rosegger – Waldheimat und Weltwandel“ im Museum für Geschichte bis 6. Jänner 2019. „Wem gehört der Großglockner?“ im Rosegger-Museum Krieglach bis 31. Oktober 2018. „Peter Rosegger – Sein Leben in Wort und Bild“ von Gerald Schöpfer im Vitalis Verlag. „Jakob der Letzte“ – Felix Mitterers dramatisierte Fassung von Peter Roseggers Roman im Veranstaltungszentrum Krieglach, Premiere am 7. Juli 2018. „Opus Styriae“, Musik mit Texten von Peter Rosegger, am 16. Juni 2018 im Congress Graz.