Ein smarter Stadtteil wächst

Ein smarter Stadtteil wächst

Der Entwurf von Nussmüller Architekten ZT wurde als Sieger des Wettbewerbs für die Gestaltung des Nordteils der Grazer Smart City gekürt. Raiffeisen ist Partner.

Von Ulrich Ahamer

Graz ist eine der am schnellsten wachsenden Städte in Österreich. Die dringend benötigten Baulandreserven sind äußerst rar und kostspielig. Wenn ein neuer Stadtteil entstehen soll, ist gute, zukunftsfähige Planung gefragt. Gleich hinter dem Bahnhof, am Areal des ehemaligen Waagner-Biro-Industrieviertels, beginnend mit der Helmut-List-Halle, entsteht die „Smart City Graz Mitte.“ In spätestens vier Jahren sollen hier rund 500 Wohnungen, 10.000 Quadratmeter Gewerbeflächen, ein Schulcampus sowie großzügige Parkanlagen entstehen – insgesamt werden 350 Millionen Euro investiert.
Nikolaus Lallitsch, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien Steiermark, sprach vor Bekanntgabe des ersten Platzes von einem „beispielgebenden Projekt für ganz Österreich. Es entsteht eine Stadt der kurzen Wege mit Vorrang für den öffentlichen Verkehr und Fahrräder. Der effiziente Einsatz von Energie und Ressourcen ist ein zentrales Anliegen.“ Für die Stadtteilentwicklung erhielt das Projekt von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) die höchstmögliche Auszeichnung in Platin verliehen.
16 Architektenteams machten beim Wettbewerb zur Gestaltung des Nordteils der Smart City mit. Das Grazer Büro Nussmüller Architekten TZ ging einstimmig als Sieger hervor. Die Planer sorgten in der Vergangenheit beispielsweise wegen dem prononcierten Einsatz des Baustoffes Holz für Aufsehen. Vor drei Jahren erhielt das Architektenteam bereits den städtebaulichen Preis für die Teile Mitte und Nord der Helmut-List-Halle, jetzt eben für die konkrete Umsetzung für die Gestaltung des Nordteils der Smart City. „Wir beschäftigen uns seit drei Jahren mit dem Projekt. Naturraum und Stadt wachsen hier zusammen. Ein neuer Park entsteht und mit der Straßenbahn ist man bestens angebunden“, so die Architekten bei der Entgegennahme des Preises. Überreicht haben die Auszeichnung Juryvorsitzender Andreas Lichtblau von der Technischen Universität Graz, Kai-Uwe Hoffer von der Stadtbaudirektion, Dieter Johs, Geschäftsführer des Projektentwicklers Wegraz, und Nikolaus Lallitsch.

(c) Nussmüller Architekten ZT

Zukunftstauglich
Herzstück der Smart City ist derzeit der bereits im vergangenen Herbst eröffnete 60 Meter hohe „Sciencetower“. Vollgepackt mit High-Tech, einer Photovoltaik-Fassade und einem Urban Gardening Bereich beherbergt der Standort etwa das Joanneum Research, die TU Graz, die Grazer Außenstelle der ESA wie auch die Green Tech Cluster und die Rocket Holding.
Architekt Werner Nussmüller streicht den besonders breiten Mix der Nutzungen in der künftigen Smart City hervor. „Hier wird gewohnt, gearbeitet, gefeiert und geforscht. Der Anteil an Wohnungen beträgt maximal 60 Prozent. Die künftigen Bewohner sollen hier jede notwendige Infrastruktur vorfinden.“ Darüber sorgen die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Park and Ride, Ladestationen für E-Autos oder zwei Radabstellplätze pro Wohnung für eine Mobilitätslösung, die dem Anspruch einer smarten und nachhaltigen Stadt entsprechen kann. Für angenehme Temperaturen in den künftigen Wohnungen sollen laut Nussmüller Fernwärme, Wärmepumpen oder Photovoltaik sorgen. „Die Smart City Graz hat alle Voraussetzungen, um eine der zukunftstauglichsten ihrer Art in Europa zu werden.“
Im Baufeld Nord entsteht ein neuer, funktional durchmischter Stadtteil. Über Gewerbe- und Nebenflächen erwachsen Starter-Wohnungen, eine neue Bleibe für Studenten und Familien. Der sehr große, quadratische Innenhof, mit darunterliegender Tiefgarage, ist abfallend, wie ein Amphitheater angelegt und mit einem hohen Durchlass zum angrenzenden, öffentlichen Harnoncourt-Platz mit 4.000 Quadratmetern verbunden.
Für Martin Schaller, Generaldirektor der RLB Steiermark, ist die Smart City Graz Mitte ein Paradebeispiel für die Zukunft des Wohnens: „Die Art und Weise, wie wir bauen und wohnen, bestimmt wesentlich das Leben der nächsten Generationen. Die Smart City Graz Mitte ist schon heute gelebte Nachhaltigkeit und zeigt einen Weg, wie wir Verantwortung für kommende Generationen übernehmen.“
Raiffeisen Steiermark ist in der privaten Wohnbaufinanzierung Marktführer im Bundesland. 2017 wurden 8.300 neue Wohnkredite vergeben, insgesamt stehen derzeit gut 80.000 mit einem Volumen von 5,4 Mrd. Euro in den Büchern. Der durchschnittlich aufgenommene Kredit wuchs von 62.000 Euro im Jahr 2010 auf aktuell 98.000 Euro an.