„Erfolg ist kein Zufall“

„Erfolg ist kein Zufall“

Trotz konjunktureller Eintrübung ist Österreich meilenweit von einer Rezession entfernt, betont IV-Chefökonom Christian Helmenstein und hebt besonders die Innovationskraft der Steiermark als beispielgebend hervor.

Von Edith Unger

Unter dem Motto „Innovationen für Generationen“ lud Generaldirektor Martin Schaller zum 30. Konjunkturgespräch der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und mehr als 500 Gäste aus der steirischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sind in die Zentrale nach Raaba-Grambach gekommen, um eine wirtschaftliche Analyse vom Chefökonomen der Industriellenvereinigung (IV), Christian Helmenstein, zu erhalten und mehr über die Zukunft des Arbeitens von der deutschen Innovations-Expertin Isabell Welpe zu erfahren.

Schaller hob die Steiermark als „Europameister in der Innovation“ hervor, immerhin sei das Bundesland mit einer Forschungs- und Entwicklungsquote von 5,13 Prozent führend. Doch es brauche weitere Impulse, denn „Konjunktur passiert nicht, sondern wird gemacht“. So fördere Raiffeisen den Wirtschaftsstandort Steiermark mit einem Finanzierungsvolumen von insgesamt 15 Milliarden Euro, „täglich kommen im Schnitt zwölf Millionen Euro an frischen Finanzierungen hinzu“, sagte Schaller.

RLB Steiermark-GD Martin Schaller

Wenngleich sich der Konjunkturhimmel derzeit etwas eintrübe, gebe es noch genügend Gründe für Optimismus: „Ich behaupte immer noch, dass die Stimmung die halbe Konjunktur ausmacht und das Glas immer noch mehr als halb voll ist“, so der Generaldirektor. Das spiegle sich auch bei den Unternehmensfinanzierungen wider. „Im Vorjahr lag unser Kreditwachstum bei 15 Prozent, das war Ausdruck der Hochkonjunktur.“

Doch nicht nur Finanzpower sei heute gefragt, sondern auch die Kombination aus digitalen Services und individuellen Beratungslösungen: „Unsere Antwort darauf ist die digitale Regionalbank“, sagte Schaller und betonte erneut: „Wir setzen auf Regio­nalität und sind mit unseren Finanzierungen der Blutkreislauf der steirischen Wirtschaft.“ Als Regionalbank unterstütze man die steirische Wirtschaft – neben genannten Finanzierungen auch bei Exporten, Förderungen, Gründungen sowie bei der Betriebsnachfolge.

Stabiles Wachstum

Auch Helmenstein sieht den Wirtschaftsmotor weiterhin intakt und schätzt die Daten weit besser ein als die Stimmung: „Für die Eurozone und Österreich ist eine Rückkehr zur konjunkturellen Normalität zu erwarten.“ Der Ökonom rechnet mit einem stabilen Wachstum von rund 1,5 bis 1,75 Prozent für die heimische Wirtschaft, womit dieses vor jenem Deutschlands liegt. Helmenstein: „Österreich hat es nach wie vor weitgehend selbst in der Hand hat, den Wohlstand positiv zu gestalten.“

Österreichs Wirtschaftswachstum sei „moderat, aber robust“. Es gebe also keinen Grund für Konjunkturpessimismus und „wir dürfen die Stimmung nicht in den Keller reden“, betonte der Experte. Denn Österreich sei „meilenweit von einer Rezession entfernt“ und sollte sich nicht „vom Rezessionsgerede in Deutschland anstecken lassen“.

Die deutsche Wirtschaft werde heuer um weniger als ein Prozent zulegen, das sei aber auch auf gravierende Sondereffekte zurückzuführen, wie den neuen Abgastestzyklus WLTP, der den Herstellern zugesetzt habe, Streiks im dritten und vierten Quartal sowie das Niedrigwasser am Rhein, das sich negativ auf einzelne Industriezweige ausgewirkt habe. „Alleine aus diesen Sondereffekten sind dort im zweiten Halbjahr 2018 drei Prozentpunkte Wachstum verloren gegangen“, so Helmenstein.

Österreich habe gute Chancen, 2019 um bis zu 1 Prozent stärker als Deutschland zu wachsen. „Erfolg ist kein Zufall“, so Helmenstein, der vor allem die starke Verflechtung Österreichs mit Osteuropa und den geringeren Fachkräftemangel als in Deutschland als positiv hervorhob.

Christian Helmenstein (c) Photoworkers/Riedler (2)

Mehr Kreativität

Isabell Welpe, Professorin für Strategie und Organisation an der Technischen Uni München, stellte in ihrem Vortrag über „Arbeitswelten der Zukunft“ die These auf, dass Menschen nach wie vor hierarchische Strukturen bevorzugen. In Zeiten der wachsenden digitalen Möglichkeiten sei dies aber nicht das effizienteste Organisationsprinzip. „Flache Hierarchien, mehr Eigenverantwortung der Beschäftigten und Kooperation sowie der gezielte Einsatz von digitalen Lösungen fördern kreatives und sinnstiftendes Arbeiten“, so Welpe. Die durchschnittliche Lebenszeit von Unternehmen sinke von 30 Jahren 1984 auf fünf Jahre 2018. „Jene Unternehmen werden in Zukunft erfolgreich sein, die sich am besten an die sich ändernden Marktverhältnisse anpassen, die „Poleposition beim Kunden haben, Netzwerke aufbauen und kreativ sind“, so Welpe.

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