Es geht wieder bergauf

Es geht wieder bergauf

Österreichs Tourismus zeigt sich gut gerüstet für die Wintersaison 2018/19. Heimische Seilbahnen investieren in Nachhaltigkeit, Energieeinsparung und Familienfreundlichkeit.

Von Alexander Blach

Der Winter naht – und damit auch die Pisten-Touristen – ganz zur Freude der Seilbahnen und der Österreich Werbung (ÖW). Mit 14,1 Mrd. Euro Umsatz konnten im letzten Winter Höchstwerte erzielt werden. Rekordergebnisse gab es auch bei den Ankünften mit 19,8 Mio. sowie bei den Nächtigungen mit 71,9 Mio. – ein Plus von 5,3 beziehungsweise 4,8 Prozent. Genauso kann die österreichische Seilbahnwirtschaft auf ein erfolgreiches Vorjahr zurückblicken: 54,6 Mio. Ersteintritte (+4,6 Prozent), ein Kassenumsatz von über 1,4 Mrd. Euro (+4,8 Prozent) und knapp 600 Millionen Beförderungen (+1,6 Prozent). „Der Winter in Österreich ist seit Jahrzehnten eine wahre Erfolgsgeschichte“, bekräftigt ÖW-Geschäftsführerin Petra Stolba.
Für die bevorstehende Wintersaison zeigen sich Experten der weltweiten ÖW-Vertretungen vorsichtig optimistisch. Die wirtschaftliche Situation und damit das Konsumverhalten sei in den meisten Herkunftsmärkten gut – die allgemeine Reiselust nach Österreich entsprechend hoch, fasst Stolba zusammen.
Ein weiterer Indikator für den Verlauf der Saison ist die Feiertagslage. Maria Empfängnis, der 8. Dezember, sei üblicherweise „der erste Sprung in Richtung Winterurlaub“. Dieser fällt heuer aber auf einen Samstag, wodurch sich das Wochenende nicht verlängern lässt. Dafür sei die Feiertagslage rund um Weihnachten und Silvester optimal. Ostern 2019 ist allerdings erst Mitte April. „Das trübt unsere Aussichten etwas“, sagt Stolba, da eine lang anhaltende Saison doch eine betriebswirtschaftliche Herausforderung bedeute.
Ob man an das Vorjahresergebnis anschließen könne, wird aber mehr von externen Faktoren wie der Schneelage abhängen. Trotzdem verleihen zahlreiche neue Flug- und Bahnverbindungen der guten Buchungslage noch mehr Rückenwind. Mit dem kreativen Winterangebot auf und abseits der Piste, dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und der international geschätzten Gastfreundschaft ist man überzeugt, auch diese Saison viele Gäste für Österreich zu begeistern, heißt es seitens der Österreich Werbung. „Allerdings steht für uns längst nicht mehr die quantitative Steigerung der Gäste, sondern vielmehr ein kontinuierliches Wachstum in Richtung Qualität und Wertschöpfung im Vordergrund“, betont Stolba.

(c) Österreich Werbung/Achim Meurer

Mehr Potenzial
Zentral- und Osteuropa (CEE) spielt nach wie vor eine sehr wichtige Rolle für den heimischen Wintertourismus. In den meisten CEE-Märkten ist Österreich mit deutlichem Abstand Marktführer im Wintersport. Laut aktuellen Länderstudien zu Polen und Tschechien, durchgeführt von der ÖW gemeinsam mit dem Institut für Tourismus und Bäderforschung, ist das Österreich-Potenzial an Winterurlaubern noch nicht ausgeschöpft. Ausschlaggebend für den Österreich-Urlaub sind Schneesicherheit, das gute Preis-Leistungsverhältnis, moderne Skiinfrastruktur und die Größe des Skigebiets. Eine eigens für den Raum konzipierte Imagekampagne soll die Entscheidung für einen Winterurlaub in Österreich erleichtern.
Insgesamt wirbt die Österreich Werbung in 18 Märkten mit einem Budget von 45 Mio. Euro, die Hälfte davon gehe heuer in das Winter-Marketing. Neben dem alpinen Skifahren werden aber auch andere Winteraktivitäten Thema sein. „Unsere Gäste werden immer flexibler, was die Winteraktivitäten betrifft. Im Marketing heißt das, auch auf Nischenthemen zu setzen und kommunikativ geschickt mit dem Zugpferd Skifahren zu verbinden“, erläutert Stolba. So gibt es heuer eine Kampagne gemeinsam mit den vier Langlauf-Destinationen Seefeld, Schladming-Dachstein, Achensee und Saalfelden Leogang.
Weiters wird neben dem Wintersport das 200-Jahre-Jubiläum von „Stille Nacht“ beworben. „Das werden wir gemeinsam mit Salzburg, Tirol und Oberösterreich in die Welt hinaustragen. Ziel der Kampagne ist es, spezifische Orte den Gästen näherzubringen und die Verbindung des Liedes mit Österreich zu kommunizieren und herzustellen. Gerade in bewegten Zeiten ist das eine sehr schöne Botschaft von Österreich“, ist Stolba überzeugt.

Mehr Investitionen
„Der Gast steht bei uns absolut im Fokus. Kriterien wie Qualität, Nachhaltigkeit und Innovation sind das Maß der Dinge, an denen sich die Angebote orientieren“, verspricht Erik Wolf, Geschäftsführer des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich. Dank jährlich durchgeführten Befragungen von rund 30.000 Gästen habe man ein sehr gutes Bild von den Bedürfnissen der Touristen. Die Größe des Skigebiets ist demnach der wichtigste Entscheidungsgrund (55 Prozent), gefolgt vom Pistenangebot (46 Prozent) und den Schnee- und Pistenverhältnissen (40 Prozent). „Klar ist, dass diese Fülle an Angeboten nicht zum Nulltarif sein kann. Der Preis spielt natürlich eine Rolle, allerdings nicht so eine große, wie oft gedacht“, sagt Wolf, denn der Preis des Skipasses (7 Prozent) rangiert unverändert am unteren Ende der Entscheidungsfaktoren.
Um den Ergebnissen Rechnung tragen zu können, wird in der kommenden Saison wieder kräftig investiert, insgesamt 600 Mio. Euro beziehungsweise fast die Hälfte des Umsatzes, bestätigt Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen. Neben Ausgaben für die Sicherheit, den Komfort und die Qualität der Anlagen (261 Mio. Euro) und die Beschneiung (114 Mio. Euro) werden weitere 225 Mio. Euro dazu verwendet, das Gesamterlebnis Wintersport noch attraktiver zu machen und die Angebote auszuweiten. „Diese Summe stellt den Spitzenwert seit der Saison 2007 dar und wird dazu beitragen, die Vielfalt und zeitgemäße Interpretation des Skifahrens in Österreich noch intensiver zu erleben“, so Hörl.
Neben neuen Seilbahnprojekten und der weiteren Digitalisierung des Skierlebnisses sorgen die Unternehmen auch dafür, vermehrt Familien und Kinder anzusprechen. „Dies geschieht mit einer Vielzahl an Maßnahmen und reicht von Jugendtarifen mit bis zu 50 Prozent Preisnachlass über Kinder-Tagestickets für 10 Euro und günstige Tarife für Schulskikurse bis hin zu besonders attraktiven Konditionen in Kombination mit öffentlich geförderten Freizeitprogrammen“, fasst Wolf zusammen.
Hinsichtlich Nachhaltigkeit und schonendem Umgang mit Ressourcen setze die Seilbahnwirtschaft seit Jahren eine Vielzahl an Maßnahmen. Das Thema Mobilität spielt dabei eine enorme Rolle. So umfasst das Angebot im kommenden Winter zum Beispiel kostenlose Anbindungen mit den ÖBB, weitere Kooperationen mit Lokalbahnen, neue E-Tankstellen, Shuttletransfers für Mitarbeiter sowie ausgebaute Busliniennetze. „Besonders letztere Maßnahme zur Reduzierung des Individualverkehrs wäre vielerorts ohne Ausgleichszahlungen der Seilbahnbetriebe gar nicht möglich“, betont der Fachverbands-Geschäftsführer.
Ebenso umfangreich sind die Ausgaben im Bereich Energie und Umweltschutz. Dabei zählen die Modernisierung – und die damit verbundene deutliche Energieeinsparung – von Beschneiungssystemen, Zertifizierungen im Umweltbereich, die Pistenkultivierung, umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen sowie der starke Ausbau im Bereich der erneuerbaren Energien, etwa durch die Verwendung von Biostrom. Zudem sorge die Branche immer wieder für Weltneuheiten und Premieren. So startet etwa in Hinterstoder der Testbetrieb des Innovationsprojekts „Wasserstoffantrieb für Skidoos“, am Pitztaler Gletscher erzeugt Österreichs höchstes Photovoltaikkraftwerk ein Drittel des gesamten Energiebedarfs des Unternehmens und in Gastein werden dank der Solaranlage am Dach des neuen Parkdecks rund 90 Prozent der benötigten Wärme für die neue Talstation aus Sonnenenergie gewonnen.