„Export ist ein Aufbaugeschäft“

„Export ist ein Aufbaugeschäft“

Ecoplus International erhält den Europäischen Unternehmerförderpreis. Seit 2004 werden Niederösterreichs Betriebe bei ihren ersten Schritten ins Ausland unterstützt.

Von Alexander Blach

Niederösterreich weist eine Warenexportquote von 40 Prozent aus. Zählt man Dienstleistungsexporte dazu, werden rund 50 Prozent des niederösterreichischen Bruttoregionalprodukts im Ausland erwirtschaftet. Seit 2013 beträgt der jährliche Export-umsatz über 20 Mrd. Euro und sichert rund 220.000 Arbeitsplätze. Seit jeher unterstützen und fördern Organisationen wie die Wirtschaftskammer oder Ecoplus – die Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich – die Unternehmer bei ihren Außenhandelsaktivitäten.
Mit der EU-Erweiterung 2004 wurde als Ergänzung die Ecoplus International GmbH als Tochter von Ecoplus und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien gegründet, um proaktiv auf niederösterreichische Unternehmen zuzugehen und diese zu motivieren, ihre Chancen im Ausland, vor allem in den EU-Osterweiterungsländern zu nutzen. Als langjähriger Partner des Landes Niederösterreich bot sich Raiffeisen als „Mitinitiator und Ideenbringer“ ein, wie Hermann Kalenda erzählt, der als zweiter Geschäftsführer den 30 Prozent Raiffeisen-Anteil vertritt. Die RLB NÖ-Wien profitiere bei der Kooperation vor allem vom positiven Image- und Mar-
kentransfer. Gemeinsame Veranstaltungen zu Themen wie Internationalisierung, Exportfinanzierung und -absicherung sollen den niederösterreichischen Unternehmen das nötige Wissen vermitteln.
Darüber hinaus wurden die ersten Auslandsbüros damals an Standorten der RBI-Netzwerkbanken in den jeweiligen Ländern eingerichtet. Mittlerweile ist Ecoplus International in sieben Märkten vertreten – Tschechien, Polen, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Türkei und Russland. Zudem werden Iran, Großbritannien, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate in Kooperation mit externen Partnern betreut.
Im Fokus stehen bei Ecoplus International vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU), da diese „bei ihrer Internationalisierung einfach mehr Unterstützungsbedarf haben“, weiß Geschäftsführerin Gabriele Forgues: „Vielen muss auch erst die Scheu vor dem ‚Neuland‘ genommen werden.“ 60 Prozent der niederösterreichischen Exportunternehmen sind mit bis zu neun Mitarbeitern kleinstrukturiert und haben meistens keine eigene Exportabteilung oder etwa die entsprechenden Sprachkenntnisse.

Thomas Wobben, Direktor Legislativtätigkeiten im Europäischen Ausschuss der Regionen, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Gabriele Forgues, Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav und Ecoplus-Geschäftsführer Jochen Danninger (c) NLK/Pfeiffer

Investieren & dranbleiben
Im Zeitraum 2012 bis 2016 nahmen insgesamt 762 niederösterreichische Unternehmen 3.371 Dienstleistungen von Ecoplus International in Anspruch. Daraus haben sich 220 Erfolgsgeschichten entwickelt, so Forgues stolz. Im Jahr 2016 waren es 238 Unternehmen, 658 Dienstleistungen und 54 Erfolge. Als Erfolge definiert Ecoplus International den Abschluss einer Vertriebskooperation bzw. erstmaligen Exportabschluss oder die Gründung einer Niederlassung im Ausland.
Dass nicht alle Unternehmen einen Erfolg verbuchen können, sei laut Forgues selbstverständlich. Immerhin hängt die Erfolgsquote vom Unternehmen, der Branche und klarerweise vom Produkt oder der Dienstleistung ab. „Fruchtsäfte ins Ausland zu verkaufen ist etwas einfacher und geht schneller, als den Auftrag für den Bau einer Industrieanlage zu gewinnen“, veranschaulicht die Geschäftsführerin.
Die Unternehmen werden aber auch nach einem erfolgreichen Auslandsgeschäft weiter betreut – dann geht es um den Ausbau der Exporttätigkeit und der Marktpräsenz. „Es dauert einfach seine Zeit, bis man auf ausländischen Märkten nachhaltig Fuß fassen kann. Export ist ein Aufbaugeschäft“, betont Forgues. Man müsse am Markt Interesse wecken, die richtigen Partner finden, Zeit und Ressourcen investieren und letztendlich auch dranbleiben und die Geschäfte weiterentwickeln.
Ecoplus International übernimmt kostenlos für die interessierten niederösterreichischen Unternehmen die Markt- und Branchenrecherche, sucht potenzielle Vertriebspartner oder hilft bei der Personalsuche vor Ort. Plant man den Export in ein anderes Land als die Ecoplus-Fokusmärkte, bemühe man sich die richtigen Ansprechpartner und Kontakte bei anderen Organisationen zu finden, fügt Hermann Kalenda hinzu, da Ecoplus International nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als Ergänzung gesehen werden muss.
Neben den KMU rücken die sogenannten „Born Globals“ als Zielgruppe immer stärker in den Fokus. Darunter sind meist Start-ups mit innovativen Produkten oder Dienstleistungen zu verstehen. „Relativ neu am Markt, oft Jungunternehmer, die aber schon von Anfang an international denken“, erklärt Gabriele Forgues. Diese sind jedoch oft von beschränkten Ressourcen – finanzieller und personeller Natur – und wenig erprobten Geschäftsmodellen gezeichnet. Dieser Umstand erfordere auch von Ecoplus International neue Zugänge bei der Beratung und Unterstützung.

Motivation & Ansporn
Das Engagement von Ecoplus International wurde nun mit dem Europäischen Unternehmerförderpreis in der Kategorie „Förderung der Internationalisierung der Wirtschaftstätigkeit“ ausgezeichnet. Seit 11 Jahren wird auf Initiative der Europäischen Kommission der EEPA (European Enterprise Promotion Award) vergeben. Ziel des Preises ist es, „herausragende Leistungen und Initiativen zur Förderung von Unternehmen und Unternehmertum zu ermitteln und zu würdigen, vorbildliche Konzepte und Praktiken zur Förderung des Unternehmertums aufzuzeigen“. Der EEPA wird in fünf Kategorien vergeben. Die Auswahl der Finalisten erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren auf nationaler und internationaler Ebene, pro EU-Mitgliedsstaat konnten nur zwei Projekte eingereicht werden.
„Für uns ist es die Anerkennung einer jahrelangen nachhaltigen Arbeit, aber vor allem auch ein Kompliment an die niederösterreichischen Exporteure. Gleichzeitig sehen wir den Award aber auch als Aufforderung, unsere Aktivitäten im Dienst der niederösterreichischen Exportwirtschaft weiter auszubauen“, so Forgues. „Es ist Motivation und Ansporn weiterzumachen“, ist auch Hermann Kalenda überzeugt.