Fotografie als Auslöser für Interaktion

Fotografie als Auslöser für Interaktion

Der Raiffeisen Fotoklub Wien bezieht sein erstes fixes Studio und will damit neue Mitglieder gewinnen.

Von Elisabeth Hell

Blitzköpfe, Papieraufhängungen, unterschiedliche Bodenbeläge – das 40 Quadratmeter große Studio in der Nußdorfer Lände hat alles zu bieten, was Fotografenherzen höher schlagen lässt. Zur Einweihungsparty wurde ein Model gebucht und die Klubmitglieder konnten ihre ersten Shootings gestalten. Ulf Wallmann ist die Begeisterung über das erste fixe Studio, das die RSC Raiffeisen Service Center zur Verfügung stellt, ins Gesicht geschrieben: „Die Location ist optimal.“ Raiffeisen-Mitarbeiter aus der Muthgasse brauchen wahrlich nur ums Eck biegen und können ebenerdig ohne Zutrittsbeschränkung ins Studio gelangen, was vor allem für Wochenendkurse und Abendshootings perfekt ist.

Der Raiffeisen Fotoklub Wien wurde im Frühjahr 2017 von Ulf Wallmann gegründet. Bis 2016 gehörte er bereits dem Fotoklub in der Raiffeisen Bank International an, der sich damals allerdings aufgelöst hat: „Es hängt halt oft sehr stark an einer Person, wenn die aufhört, dann löst sich meist auch der Klub auf.“ Nach einem Jahr Pause hat Wallmann die Initiative ergriffen und den Klub auf neue Beine gestellt: „Ich bin schon lange Hobbyfotograf und mag diesen sozialen Austausch.“ Gemeinsam mit ein paar Gleichgesinnten ist daraus der Fotoklub entstanden, der sich im Unterschied zum Vorgängerklub weit geöffnet hat. „Jeder, der zu einem Raiff­eisenunternehmen in Wien gehört, ist herzlich willkommen. Wir überlegen, ob wir nicht auch die Uniqa einladen mitzuwirken“, erklärt der „Klubchef“.

Der Fotoklub

Bei der Studio­eröffnung: Andreas Decker (R-IT), Horst Pozdena (R-IT), Theresa Zwickl (R-IT), Patrick Valdellon (R-IT), Max Doemer (RBI), Stefan Ißmer (RBI), Christian Demetrescu (R-Software), Martin v. Malottke (Valida) und kniend: Sebastian Reinhard (RBI) und Ulf Wallmann. (c) Fotoklub

Derzeit werden 85 Mitglieder gezählt, Studio-, Landschafts- und Analogfotografen, die aus der RBI, den Verbundunternehmen, R-IT und Raiffeisen Software kommen. Unterrepräsentiert sind derzeit noch die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, von denen sich jeweils ein Fotograf dem Team angeschlossen hat. „Es wäre super, wenn wir uns hier stärker zusammentun könnten“, wirbt Wallmann für neue Mitglieder. Und auch wenn er Raiffeisen Fotoklub Wien heißt, sind Kollegen aus dem Umland und den Bundesländern ebenso willkommen.

„Mitbringen muss man das Interesse an Fotografie“, erklärt Wallmann die einzige Bedingung. Es können sich also auch Anfänger melden, denen bei regelmäßigen Studioworkshops und Fotowalks das Handwerk beigebracht wird. Professionelle Studioblitze werden von Mitgliedern zur Verfügung gestellt, auch eine Kamera steht prinzipiell zur Verfügung, allerdings ist ein eigener Fotoapparat von Vorteil. Für die Nutzung des Studios werden für zwei Stunden 10 Euro und ab vier Stunden 20 Euro an Betriebsnutzungskosten verrechnet. Der Beitritt zum sozialen Fotonetzwerk bei Raiff­eisen kostet nichts und man hat auch keinerlei Verpflichtungen. Der Austausch ist völlig zwanglos. Neben Workshops und Fotospaziergängen nutzt man die Kommunikationsplattform MS Teams zum alltäglichen Austausch und quartalsweise trifft sich die Gruppe auch zum Dialog in einem Wirtshaus – „dabei wird dann schon auch mal über die Arbeit geredet“.

Veranstaltet werden auch regelmäßig Foto-Challenges. Vergangenen Sommer wurden etwa die besten Fotos zu den Begriffen Emotion, Farbe und Vintage gekürt. Aktuell läuft ein ganzjähriger Fotowettbewerb zum Thema „Chinese Zodiac – Year of Pig“, bei der jede Einsendung zum Thema Tierkreis, Horoskop und Schwein mitmachen darf.

Auf die Talente des Fotoklubs wurde die Führungsebene der RBI bereits aufmerksam und so wurde der RBI-Nachhaltigkeitsbericht 2018 mit fotografischen Werken des Klubs geschmückt. „Es war nicht Laissez-faire-Fotografie, sondern wir mussten erstmals ein Thema umsetzen, das war eine Challenge und eine interessante Erfahrung“, berichtet Wallmann. Ein Team von zwölf Personen hat sich das Konzept überlegt, das von anderen umgesetzt wurde. Bei der Erklärung des Fotokonzepts im Bericht wird darauf hingewiesen, dass es Amateurfotografen sind, aber wie Wallmann betont: „Amateur kann man bis zur Perfektion sein.“

Für die Zukunft wünscht man sich, das Studio dauerhaft behalten zu können – denn wenn eine wirtschaftliche Nutzung der Räumlichkeiten möglich ist, ist der Klub wieder auf Suche: „Wir wünschen uns ein fixes Plätzchen.“ Die Inspiration zu dem was möglich wäre, liefert ausgerechnet der Mitbewerb, denn der stellt seinem Fotoklub eine Altbauwohnung um einen Euro im Monat als Studio zur Verfügung. Dass der Fotoklub alle Raiffeisenorganisationen anspricht, ist dabei vielleicht nicht von Vorteil, aber wie Wallmann betont: „Mir geht es ja genau darum, dass man Kollegen zusammenbringt. Wir haben so wenige Anknüpfungspunkte, sogar zwischen unseren eigenen Verbundunternehmen, und die Landesbank ist noch einmal einen Schritt weiter weg, da können die sozialen Netzwerke helfen.“ Für eine Unterstützung durch den Betriebsrat sei der Fotoklub zu „fokussiert und liebhaberisch“, deshalb wird auf die Beihilfe der einzelnen Unternehmen gesetzt. Die RSC zeigt sich mit der Bereitstellung der Studioräumlichkeiten spendabel, als Gegenleistung hat Wallmann versprochen, die Managementfotos zu schießen. Woher seine Begeisterung für die Fotografie kommt, erzählt der Mitarbeiter des RBI-Effizienzmanagements mit einem Augenzwinkern: „Ich hab es mit Zeichnen probiert, aber das war nicht so meins.“ Seit 2014 widmet er sich intensiv der Studiofotografie und dem Thema Familien- und Kinderfotografie: „Mich fasziniert die Interaktion mit den Menschen.“ Und das sowohl vor als auch hinter der Kamera. Der Raiffeisen Fotoklub Wien freut sich deshalb über jedes neue Mitglied.

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