Gestärkte Funktionäre

Gestärkte Funktionäre

Der Raiffeisenverband Salzburg macht die Funktionäre der Salzburger Raiffeisenbanken fit für neue Herausforderungen.

Von Edith Unger

Andreas Derndorfer

Auf Basis der vom Österreichischen Raiffeisenverband (ÖRV) beschlossenen Bildungsrichtlinien für Funktionärinnen und Funktionäre von Raiffeisenbanken hat der Raiffeisenverband Salzburg (RVS) erstmals zu einem landesweiten Funktionärskongress nach St. Johann im Pongau eingeladen. Die insgesamt 170 Teilnehmer konnten dabei für sie interessante und relevante Vorträge aus acht Themenkreisen auswählen, um zum einen die erforderlichen Bildungsstandards zu erfüllen, und zum anderen die zahlreichen neuen Regularien und Vorgaben durch den Gesetzgeber und die Aufsicht kennenzulernen, um für künftige Herausforderungen gerüstet zu sein.
„Wir müssen unsere Funktionäre stärken, damit sie auf Augenhöhe mit ihrer Geschäftsleitung stehen“, gab RVS-Obmann Sebastian Schönbuchner das Ziel der Veranstaltung vor. Der Raiffeisenverband Salzburg setze gezielt Maßnahmen, um die Regionalbanken in Fragen der Regulatorik zu unterstützen. Nicht zuletzt aufgrund dieser neuen regulatorischen Vorgaben stellten Fusionen von Raiffeisenbanken derzeit in Salzburg eine große Herausforderung dar, berichtete Schönbuchner, warnte jedoch gleichzeitig vor „übereilten Entscheidungen“, zumal eine solche Entscheidung dann schwer rückgängig gemacht werden könne. Auch, aber nicht nur in diesem Zusammenhang sei es wichtig, dass Funktionäre bereits im Vorfeld in Entscheidungsprozesse ihrer Bank eingebunden würden. „Die Raiffeisen Organisation sollte weiter flächendeckend vor Ort präsent sein, um die Region zu unterstützen“, betonte der Obmann.

Gernot Reiter

Einlagensicherung neu
Die neue Einlagensicherung ab 2019 war Thema beim Vortrag von Gernot Reiter, dem Leiter des Sektorbüros im RVS. Seit 2015 besteht in Form des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes eine neue rechtliche Grundlage für die gesetzliche Einlagensicherung. Diese bringt umfangreiche Neuerungen mit sich, die nicht nur inhaltliche Veränderungen im Zusammenhang mit der Absicherung von Kundeneinlagen bedeuten, sondern auch strukturelle Anpassungen erfordern. Die sektorale Gliederung wird ab 1. Jänner 2019 durch eine einheitliche Einlagensicherung abgelöst. Hat eine Bankengruppe mindestens 15 Prozent der gedeckten Einlagen in Österreich, was auf die Raiffeisen Bankengruppe zutrifft, kann ein institutsbezogenes Sicherungssystem (IPS) als eigene Einlagensicherung anerkannt werden. Voraussetzung dafür ist ein Haftungsverbund, der Institute absichert und die Liquidität und Solvenz sicherstellt. „Für Salzburg bedeutet das eine neue Form des bestehenden Garantiefonds bzw. die Gründung eines Landes-IPS in der RBG Salzburg“, erläuterte Reiter. Eine Entscheidung dafür sei in den nächsten Wochen erforderlich.

Martin Dank (c) RVS/Waltraud Dorn (3)

Solide Leistungsfähigkeit
Als Ergänzung dazu stellte Andreas Derndorfer, Mitglied der RVS-Geschäftsleitung zuständig unter anderem für Risikomanagement und Finanz- und Rechnungswesen, die Leistungsfähigkeit der Raiffeisenbankengruppe Salzburg und des österreichischen Raiffeisensektors dar. „Die relevanten Kennzahlen zeigen eindeutig, dass auch ohne Dividendenerträge aus der Beteiligung an der Raiffeisen Bank International (RBI) die gesamte RBG Salzburg als auch der Raiffeisenverband Salzburg wirtschaftlich sehr gesund sei“, versicherte Derndorfer den Funktionären.
Damit die Raiffeisenbanken auch in Zukunft im Wertpapiergeschäft erfolgreich sein können, berichtete Roman Gracher, Leiter des Vertriebsservice und Produktmanagement im RVS, über die neuen EU-Richtlinien zu MIFID II, die zur Stärkung des Anlegerschutzes und zur Verbesserung der Transparenz der Finanzmärkte in Österreich beitragen sollen. Der RVS-Abteilungsleiter Personalmanagement, Markus Winkelmeier, informierte die Funktionäre über die Leitlinien der Europäischen Bankenaufsicht für eine solide Vergütungspolitik für Kreditinstitute und Hubert Schwarzl-Karl, Abteilungsleiter Rechnungswesen und Controlling, ging in seinem Vortrag auf das aufsichtsrechtliche Umfeld von Banken und die wichtigen Eigenmittelregeln ein. Über die wesentlichen Risikoarten und risikorelevanten Aspekte referierte der Leiter des Risikomanagements im RVS, Arnold Gruber. Stefan Wallinger, Leiter Recht/Geldwäscheprävention/Compliance, ging auf aktuelle Veränderungen in seinen Bereichen ein und RVS-Treasury-Leiter Herbert Radauer diskutierte mit den Funktionären mögliche Zins- und Liquiditätssteuerungs-mechanismen im aktuellen Marktumfeld.

Digitale Weichen
Auf großes Interesse stieß auch der Vortrag von Martin Dank, Leiter Vertriebsbetreuung, der die Digitale Regionalbank (DRB), das größte Digitalisierungsprojekt von Raiffeisen, vorstellte. „Raiffeisen ist dabei, die Zukunft zu gestalten“, sagte Dank. Mit der DRB stelle Raiffeisen dafür die Weichen. „Egal, ob es sich dabei um den digitalen Verkauf von Produkten, den Vertrieb über das Internet und das Smartphone oder neue Ansätze für eine kundenzentrierte Beratung handelt: Für unsere Kunden versprechen wir uns jede Menge Vorteile“, betonte Dank.