Goldene Schallplatten

Goldene Schallplatten

Das Spiel von Angebot und Nachfrage treibt den Wert von Vinyl-Schallplatten in lichte Höhen. Erfahrene Investoren folgen dabei einfachen Regeln.

Von Manfred Horak

Die Geschichte über den Aufstieg und Fall der Vinyl-Schallplatte ist vermutlich weitestgehend bekannt, dass diese analoge Form des Musikhörens seit einigen Jahren – inmitten des digitalen Zeitalters – einen wundersamen Aufstieg erlebt, spricht sich mittlerweile ebenfalls herum. Aber eignet sich Vinyl auch als Wertanlage?

Nun ja: Wenn man „The Next Day“ (2013) von David Bowie in der auf 50 Stück limitierten nummerierten Ausgabe auf Unicef Blue Vinyl besitzt, dann könnte man einen Verkaufspreis so um die 51.000 Euro lukrieren. Zirka doppelt so viel für eine von allen Queen-Bandmitgliedern signierte Ausgabe des Albums „A Night At The Opera“ (1975). Und wer auch immer das sogenannte Weiße Album von The Beatles (1968) mit der Prägung „No. 0000001“ im Dezember 2015 Sir Ringo Starr abkaufte, er oder sie zahlte dafür satte 790.000 US-Dollar. Es ist bis dato der teuerste Erwerb eines kommerziell veröffentlichten Albums. Seltenes und gepflegtes Vinyl erfährt also eine hohe Wertsteigerung und wirft mitunter Renditen ab, von denen Aktionäre oft nur träumen können. Die Betonung liegt dabei auf selten und gepflegt. Letzteres gilt nicht nur für den Zustand der Schallplatte, sondern freilich auch für den Zustand des Covers.

Dabei schaute es eine Zeit lang gar nicht gut aus, dass Vinyl überlebt. Die Musikindustrie hat die Schallplatte nämlich 1981 für tot erklärt. Je älter die 1980er-Jahre wurden, desto schlechter wurden die Vinyl-Pressungen, desto mehr Käufer fand die CD. Schallplatten-Sammler verkamen zur Minderheit und Vinyl war in jenen Jahren günstig wie nie. Diese Zeiten sind längst vorbei, mittlerweile ist Vinyl aus den 1990er-Jahren hochpreisig. Für Alben aus dieser Periode, wie Bob Dylans „Time Out Of Mind“ (1997), Neil Youngs „Mirror Ball“ (1995), „Voodoo Lounge“ (1994) und „Bridges to Babylon“ (1997) von The Rolling Stones muss man rund jeweils 300 Euro hinblättern, dies bei einem ursprünglichen Verkaufspreis von rund 30 Euro. Die 4-LP-Box „Pulse“ (1995) von Pink Floyd kostete in der Erstanschaffung etwas mehr, dafür bekommt man jetzt an die 1.000 Euro.

U2 hat die Rede von Charlie Chaplin aus dem Film „The Great Dictator“ musikalisch untermalt und auf „The Europa EP“ veröffentlicht.

Sony Music Japan, die ihre Vinyl-Pressungen 1989 stoppte, nahm 2017 ihre Schallplatten-Produktion wieder auf. Der Grund? 3,2 Millionen verkaufte Vinyl-Scheiben und eine Umsatzsteigerung von 53 Prozent. „Die junge Generation entdeckt wieder Vinyl. Was sie im Streaming hören und ihnen gefällt, wollen sie auf Vinyl kaufen“, heißt es unisono. Auch in Österreich gibt es seit langer Zeit wieder ein Presswerk. Austrovinyl im steirischen Fehring konnte mithilfe einer EFRE-Förderung der EU starten. Es setzte also eine Art Wiederentdeckung eines tot geglaubten Marktes ein. Damit das so bleibt und der Wert von Vinyl-Scheiben weiterhin steigt, wird einerseits auf gute Pressqualität und schweres Vinyl gesetzt und andererseits auf verschiedene Ausgaben. Die normale Edition kommt auf schwarzem Vinyl daher und parallel dazu gibt es eine streng limitierte Pressung zumeist auf buntem Vinyl. Mit letzterem kann man in relativ kurzer Zeit erstaunliche Gewinne erzielen. So erschien am 10. Mai 2019 eine auf weltweit 3.000 Stück veröffentlichte Traveller-Edition des Albums „Egypt Station“ von Sir Paul McCartney. Der Original Kaufpreis betrug 360 Euro und bereits jetzt, nicht einmal einen Monat später, bekommt man diesen (tatsächlichen) Reisekoffer mit Musik nicht mehr unter 500 Euro.

Auch die gute alte Vinyl-Single hat mittlerweile seinen Preis. Freilich, nicht alles, was sich dreht und eine Single ist, hat seinen (hohen) Preis, wenn man aber beispielsweise die erste Single der Band Nirvana besitzt, „Love Buzz / Big Cheese“ (1988), dann kann man 2.160 Euro aufwärts verlangen. Im Vergleich zu The Beatles ist dieser Preis allerdings ein Schnäppchen, denn für die einseitig abspielbare Ausgabe der Debüt-Single der Fab Four, „Love Me Do“ (1962), zahlt man rund 95.000 Euro.

Österreichische Raritäten

Musik aus Österreich kann in dieser Preiskategorie nicht ganz mithalten, aber natürlich gibt es hierzulande ebenfalls wertvolle Pretiosen, sei es die rare Erstpressung von Georg Danzers Album „Weiße Pferde“ (1984) auf weißem Vinyl und handbemaltem Labeletikett, sei es der legendäre „Wiener Blutrausch“-Sampler von 1979. Beide bekommt man nicht mehr unter 1.000 Euro. In vielfacher Hinsicht lohnenswert sind auch aktuelle Vinyl-Veröffentlichungen aus Österreich, wie etwa jene von Blues-Musiker Hans Theessink, der sein „70 Birthday Bash“ (2019) als audiophiles Erlebnis offeriert. Das Wiener Schallter-Label wiederum lässt stets mit limitierten Editionen aufhorchen, zuletzt mit der 300 Exemplare limitierten Coloured Vinyl Musik Box „Werksquer 1968-2018“ von Attersee, das sicherlich bald eine gesuchte – und dementsprechend hochpreisige – Rarität sein wird.

Der höchste Feiertag für Vinyl-Liebhaber ist seit 2007 der Record Store Day weltweit in über 3.000 teilnehmenden unabhängigen Plattenläden. Eine Fülle an Veröffentlichungen, quasi querbeet durch alle Stil- und Himmelsrichtungen sowie in allen Abspielgeschwindigkeiten, Größen und Farben, Hauptsache analog. So wurde heuer unter anderem „The Europa EP“ aufgelegt, mit der berühmten Rede von Charlie Chaplin aus dem Film „The Great Dictator“, musikalisch untermalt von U2. Eine hohe Preissteigerung wird auch „The Wit and Wisdom of Donald Trump“ erlangen. Es ist das wohl leiseste Album seit langem, da es fast ohne Audio-Töne auskommt. Das Vinyl mit Kult-Charakter ist orangefarben und die Stückzahl auf 500 limitiert.

Exklusive Abo-Dienste

Zudem bieten übers Jahr einige Vinyl-Abo-Dienste limitierte Schallplatten-Neuheiten bzw. hochwertige Reissues an. Der populärste Anbieter ist Vinyl Me, Please aus den USA, der kürzlich erstmals seit 35 Jahren das Van Morrison Meisterwerk „Veedon Fleece“ (1974) in grünem Vinyl und Kunstdruck wiederveröffentlichte. Ohne Abo erhält man ein Album wie dieses auf Plattformen wie Discogs zeitnah nur noch ab dem doppelten Preis aufwärts. Der vermutlich teuerste Abo-Dienst ist in England beheimatet. Die Electric Recording Company von Pete Hutchison legt gesuchte Klassik- und Jazz-Originale in einer einmaligen Auflage von maximal 300 Stück neu auf. Während „einfache“ Schallplatten für 300 Pfund erhältlich sind, kostet „Mozart à Paris“ rund 3.150 Euro. Seine zumeist wohlhabende Kundschaft kauft jede Veröffentlichung, wie Hutchison im Interview erzählte: „Manche kaufen die Platten als Investition, andere zum Hören. Asien und Amerika sind große Märkte – der Markt wächst.“

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