Gute Stimmung bei Jungunternehmern

Gute Stimmung bei Jungunternehmern

Die neue Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, Christiane Holzinger, fordert steuerliche Entlastungen.

Von Christian Lovrinovic

Österreichs Jungunternehmer starten mit einer guten Stimmung ins Jahr 2019, zeigt die Konjunkturbarometer-Umfrage der Jungen Wirtschaft (JW). „Sie sind absolut auf Wachstumskurs, sie wollen investieren und Mitarbeiter einstellen“, hebt die neue JW-Bundesvorsitzende Christiane Holzinger hervor. Knapp die Hälfte der 1.350 Befragten glauben an eine positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung, lediglich 13 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. 34 Prozent – plus 4 Prozent im Vergleich zur letzten Befragung vom Juni 2018 – gaben an, mehr investieren zu wollen. Das ist der zweitbeste Wert in der achtjährigen Erhebung des Konjunkturbarometers. Weitere 46 Prozent wollen ihre Investitionen stabil halten, während 17 Prozent der Befragten auf die Bremse steigen und ihre Investitionen senken wollen.

Die Geschäftslage ist bei knapp über der Hälfte der Jungunternehmer gleichbleibend. Bei 16 Prozent (plus 3 Prozent) kaufen Kunden deutlich mehr ein, während 33 Prozent leicht steigende Kaufvolumina erzielen. Die Einschätzung der Kosten hat sich seit dem Halbjahr 2018 nicht verändert. Dennoch wollen 41 Prozent der Jungunternehmer ihre Preise vor dem Hintergrund steigender Inflationserwartungen erhöhen. 36 Prozent der Befragten rechnen mit einer besseren Erwartungslage. 43 Prozent planen, neue Mitarbeiter in den nächsten sechs bis zwölf Monaten einzustellen.

Deutlich an Terrain gut gemacht bei den jungen Selbstständigen haben die Banken gemacht. 48 Prozent fühlen sich von den Geldinstituten „ausreichend“ bzw. „eher ausreichend“ unterstützt, ein Plus von 12 Prozentpunkten im Vergleich zum Juni-Wert. Auch die Bundesregierung steht bei den Jungunternehmern etwas höher im Kurs als zuletzt. 42 Prozent (plus 8 Prozentpunkte im Jahresabstand) glauben, dass die Regierung die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern wird, 48 Prozent sehen das anders. Mit Spannung erwartet die Junge Wirtschaft die Details zur Steuerreform. Eine Forderungsliste an Finanzminister Hartwig Löger haben die Jungunternehmer bereits vorbereitet. Eine praktische und relativ einfach umzusetzende Maßnahme wäre die steuerliche Begünstigung eines Arbeitsplatzes im Wohnungsverband. Die starre steuerrechtliche Regelung der Absetzbarkeit des Arbeitszimmers sei nicht mehr zeitgemäß, betont Holzinger und fügt hinzu: „Wir leben und arbeiten heute anders.“ Deshalb fordert sie die steuerliche Absetzbarkeit von Aufwendungen für ein Arbeitszimmer in Höhe von 1.250 Euro jährlich pauschal. „Das würde Gründern, aber auch kleinen Betrieben extrem viel bringen“, ist Holzinger überzeugt. Insgesamt gehe es darum, langfristig die Weichen zu stellen, damit die junge Generation das Interesse an Unternehmertum bekommt.

Den JW-Bundesvorsitz übernahm die Steuer- und Unternehmensberaterin Holzinger von Amelie Groß, die eine zufriedene Bilanz über ihren zweijährigen Vorsitz zog. Speziell die Flexibilisierung der Arbeitszeit im Vorjahr sei für die Gründer und Start-ups von großer Bedeutung gewesen. „Wenn man eine Firma gründet, kann man nicht sagen, wir arbeiten jeden Tag von 9 bis 17 Uhr“, betont Groß. Begrüßenswert sei, dass das Thema Breitband weiterhin ganz oben auf der Agenda bleibe, insbesondere im ländlichen Raum sei es von großer Bedeutung, so die Salzburgerin. „Es waren zwei aufregende Jahre, wo vieles weitergegangen ist. Ich übergebe aber auch sehr gerne an meine Nachfolgerin“, betonte Groß. Die Junge Wirtschaft vertritt rund 120.000 Unternehmer unter 40 Jahren.

(c) Anna Rauchenberger

Interview

„Unternehmertum muss erleichtert werden“

Frau Holzinger, was war Ihre Motivation, den Bundesvorsitz der Jungen Wirtschaft zu übernehmen?
Christiane Holzinger: Für mich hat oberste Priorität, das Image des Unternehmers von heute zu stärken: Wir tragen mit unseren Ideen und unserem Mut dazu bei, dass Innovationen umgesetzt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Ich war bereits in den letzten Jahren im Bundesvorstand der Jungen Wirtschaft aktiv und habe die Möglichkeit, den Bundesvorsitz zu übernehmen, mit Freude genützt.

Wo drückt Jungunternehmer der Schuh besonders?
Holzinger: Am wichtigsten wäre die Senkung der Körperschaftsteuer auf mindestens 19 Prozent. Zusätzlich würde die Einführung eines Beteiligungsfreibetrags von 100.000 Euro privates Kapital mobilisieren und somit, gerade für kleine und mittlere Unternehmen, Investitionen und Wachstum ermöglichen. Auch die Anhebung der seit 1982 nicht indexierten Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter würde Investitionen attraktiver machen. Ein weiterer wichtiger Schritt wäre die Vereinfachung der Lohnverrechnung. All das hätte einen sofortigen positiven Effekt für den Standort Österreich.

Wie zufrieden sind die Gründer mit den Rahmenbedingungen?
Holzinger: Die günstige Konjunktur und verbesserte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen haben die Beschäftigungspotenziale junger und auch kleinerer Unternehmen deutlich gestärkt. Mit der abflachenden Konjunktur werden aber schnell strukturelle Probleme an die Oberfläche kommen, die jetzt – vor allem im Zuge der bevorstehenden Steuerreform – angegangen werden müssen. Unternehmertum muss nachhaltig erleichtert werden, damit wir solche positiven Ergebnisse öfter präsentieren können.

Wie beurteilen Sie die Steuerpläne der Regierung?
Holzinger: Wir empfinden es als sehr positiv, dass die Regierung Arbeitnehmer und Arbeitgeber nachhaltig steuerlich entlasten und die Steuer- und Abgabenquote unter 40 Prozent drücken will. Erfreulich ist auch der Beschluss, dass die Kleinunternehmergrenze angehoben wird und Meldungen entbürokratisiert werden. Dennoch erwarten wir uns eine Senkung der Körperschaftsteuer und effektive Maßnahmen für spürbare Entlastung und starke Investitionsanreize, um die herrschende Dynamik bei Innovation, Wachstum und am Arbeitsmarkt nicht zu verlieren.

Wie kann man junge Menschen ermutigen, ein Unternehmen zu gründen?
Holzinger: Unternehmertum soll positiv besetzt sein und Teil des gesellschaftlichen Spirits werden.  Wir müssen als Interessenvertretung auch langfristig die Weichen stellen, um jungen Leuten und nachfolgenden Generationen Mut zum Unternehmertum zu machen. Hier denke ich vor allem an Unterstützung bei Bildungsentscheidungen, aber auch an die Verankerung von Wirtschafts- und Finanzunterricht als fixen Bestandteil der Allgemeinbildung.

Was sind Ihre persönlichen Ziele in der Funktion als JW-Bundesvorsitzende?
Holzinger: Über allem steht für mich als gemeinsame Klammer eines: Das Image des Unternehmers oder eben der Unternehmerin von heute zu stärken. Junge Selbstständige tragen mit ihren Ideen und ihrem Mut dazu bei, dass Innovationen umgesetzt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Und wir wollen sie tatkräftig dabei unterstützen. Zum einen als laute Interessenvertretung, die den Anliegen ihrer Mitglieder Gehör verschafft, und zum anderen als sichtbares Netzwerk, das ihren Mitgliedern einen hohen Mehrwert bietet.

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