Innovationen ziehen

Innovationen ziehen

Ob Mehlwurm, Drohne oder Kapsel für die Kuh – das zweite Acceleration Programm des Agro Innovation Lab feiert seinen Abschluss.

Von Alexander Blach

Die Welt der Landwirtschaft verändert sich. Und wie in jeder Branche gibt es auch im Agrar-Bereich dank des technischen Wandels frische Ideen und Impulse. Auf der einen Seite suchen Start-ups neue Lösungen – sie forschen, verbessern und erfinden. Auf der anderen stehen traditionsreiche Organisationen, wie die Raiff-eisen Ware Austria (RWA) und ihr strategischer Partner, die Baywa, mit Ressourcen, Netzwerk und Know-how. Damit nun beide Seiten voneinander profitieren können, braucht es eine vermittelnde Schnittstelle. Diese wurde vor zwei Jahren als Agro Innovation Lab (AIL) gegründet und ist mittlerweile ein Joint Venture zwischen RWA und Baywa. Hauptaufgabe ist es, durch ein Start-up-Acceleration Programm neue Innovationen für den landwirtschaftlichen Bereich zugänglich zu machen.
Der erste Programm-Durchgang 2016 fand mit 160 Bewerbern aus 49 Ländern bereits großen Zuspruch. 2017 wollte man das Programm dann breiter aufstellen, um den Bewerbern noch mehr bieten zu können. „Wir offerieren verschiedenste Services, unser Netzwerk, unsere Kunden und unsere Expertise. Damit wir am Ende des Tages gemeinsam erfolgreich sind“, betont AIL-Geschäftsführer Reinhard Bauer. Darüber hinaus arbeiten die ausgewählten Start-ups intensiv mit externen und internen Mentoren zusammen, um ihre Produktideen, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Zudem werden pro Programmteilnehmer 35.000 Euro an Sachleistungen und – wenn benötigt – zusätzlich 15.000 Euro als finanzielle Überbrückungshilfe geboten. Im Gegenzug erhalten RWA und Baywa die Möglichkeit, sich an den Start-ups zu beteiligen. So haben es im Vorjahr sechs Unternehmen aus insgesamt 265 Bewerbern aus 61 Ländern in das Programm geschafft.

Das Team des AIL-Acceleration Programms 2017 bestehend aus den teilnehmenden Start-ups, Mentoren der RWA und Baywa sowie AIL-Mitarbeitern beim Demo Day (c) Wolfography

Intensive Zeit
Nach fünf Monaten endete nun der zweite Durchgang mit dem „Demo Day“ in Wien. Vor rund 300 Gästen präsentierten AIL und die sechs Programmteilnehmer – „Agra2b“ aus Deutschland, „FarmHedge“ aus Irland, „BartsParts“ aus den Niederlanden, „Drone Clouds“ aus Südafrika, „Livestock Technologies“ aus Südkorea sowie die chinesisch-österreichische Kooperation „LivinFarms“ – die Ergebnisse der Zusammenarbeit.
„Wir haben die Zeit intensiv genutzt, um mit den Start-ups unter anderem Pilotversuche zu starten, Produkte zur Serienreife zu bringen, Businesspläne zu entwickeln, detaillierte Marktanalysen zu erstellen oder Kooperationsvereinbarungen mit wichtigen strategischen Partnern zu treffen. Besonders stolz bin ich, dass wir in zwei von sechs Fällen bereits am Markt aktiv werden konnten“, so Reinhard Bauer.
FarmHedge, eine Online-Plattform zur Bildung von Ein- und Verkaufsgemeinschaften, wird voraussichtlich noch im Laufe des heurigen Jahres österreichischen Landwirten zur Verfügung stehen. Getestet wurde die Plattform schon von Landwirten im Genossenschaftsgebiet der Lagerhäuser Hollabrunn-Horn und Absdorf-Ziersdorf.
An der Vertriebsplattform für schwer absetzbare Ersatzteile von BartParts haben bereits namhafte Händler Interesse gezeigt und über diese in Österreich und Deutschland bereits Teile verkauft.
Mit Agra2b, das an einem Online-Marktplatz für Landwirte arbeitet, hat das AIL gemeinsam neue großangelegte Tests vorbereitet und relevante Zielgebiete in Deutschland identifiziert. Mit Drone Clouds, die Drohnen- und Satelliten-Daten in der Landwirtschaft einsetzen, wurden unter anderem in Südafrika eine Vertriebskooperation und in Deutschland Dienstleistungs-Kooperationen aufgesetzt.
Livestock Technologies möchte ihre Kapsel für die Kuh, die in Echtzeit und mit 98 Prozent Genauigkeit Informationen über den Gesundheitszustand aus den Pansen des Tieres liefert, auch in Europa auf den Markt bringen. Hier konnten in den fünf Monaten wichtige Schritte gesetzt werden. Im Moment müsse man aber noch weitere Tests durchführen.
Nachdem LivinFarms eine Mehlwurmzucht zur Proteinproduktion für den persönlichen Gebrauch zu Hause entwickelt hat, wurde mit dem AIL nun eine erste Pilotanlage für Landwirte konzipiert.
„Es macht mich stolz zu sehen, welch großartige Arbeit in den vergangenen Monaten im Rahmen des AIL-Acceleration Programms geleistet wurde. Gemeinsam haben wir innovative Ansätze und neues Know-how intensiv weiterverfolgt, um diese in Zukunft für die Landwirtschaft auf der ganzen Welt nachhaltig nutzbar zu machen“, freut sich auch RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf.
Im nächsten Schritt werden Gespräche hinsichtlich möglicher Kooperationspartnerschaften und Finanzierungsmöglichkeiten mit den Start-ups geführt, um auch zukünftig mit den Unternehmen verbunden zu bleiben. „Vordergründig geht es uns um Kooperationen. Wir wollen durch das Platzieren der Produkte oder Dienstleistungen gemeinsam am Markt erfolgreich sein“, erklärt Bauer.

Gemeinsam erfolgreich
Mittlerweile hat man sich auch an zwei Start-ups des ersten Acceleration Programms beteiligt. Nach „Evologic Technologies“ wurde kürzlich mit „Evja“ die zweite Beteiligung für RWA Invest GmbH und BayWa Venture GmbH zu jeweils 2,5 Prozent beschlossen.
Evja hat das computergestützte Informationssystem OPI entwickelt. Hier messen Sensoren im Feld alle relevanten Daten in Bezug auf Bewässerung, Nährstoffversorgung und Pflanzengesundheit und schicken diese an ein internetfähiges Endgerät, zum Beispiel einen PC oder Smartphone. Dort werden die Sensordaten gemeinsam mit Wetterdaten ausgewertet. Im Ergebnis liefert OPI dem Landwirt eine Entscheidungsgrundlage für die notwendige Bewässerung oder Höhe der Düngemittel- und Pflanzenschutzmengen. Auch Pflanzenkrankheiten kann OPI vorhersagen. Im Fall des Falles kann der Landwirt rasch und zielgerichtet Maßnahmen ergreifen.
„Wir freuen uns, dass wir mit Evja an einem Unternehmen beteiligt sind, das als einer der innovativen Akteure im sogenannten Internet der Dinge mit erfolgreicher Entwicklung in Italien gilt und insbesondere im Glashaus-Bereich für Kunden von großem Interesse ist“, so Bauer.
Im März startet die Bewerbungsrunde für das Acceleration Programm 2018.