International und regional erfolgreich

International und regional erfolgreich

Vorstandsvorsitzender Johann Strobl spricht in der Steiermark und Kärnten über den Wachstumskurs der RBI, Digitalisierung und Zusammenarbeit.

Von Ulrich Ahamer

Bei seinem Besuch der Raiffeisen Landesbank Kärnten betonte Johann Strobl nachhaltig die positive Entwicklung der Raiffeisen Bank International. Im kommenden Jahr wird die RBI „sehr wahrscheinlich“ eine Dividende auszahlen. „Nach Jahren der Kommunikation über Reglements für Banken ist es endlich an der Zeit, über das eigentliche Geschäft zu reden“, betonte Strobl. „Es ist die richtige Zeit dazu – in allen Märkten – nicht nur in jenen, in denen wir aktiv sind, gibt es ein gutes Wirtschaftswachstum. Nirgends ist eine Überhitzung feststellbar.“ Auch den Banken würde es besser gehen, das gelte auch für den eigenen Aktienkurs.

Johann Strobl

Mit Blick auf die Herausforderung der Digitalisierung meinte Strobl, dass diese kein Selbstzweck sein dürfe, Raiffeisen sei hier im Vergleich zu Mitbewerbern sehr gut aufgestellt. Die oberste Prämisse bei jeder Änderung dabei: „Der Kunde muss einen klaren Mehrwert davon haben.“ Für Geschäftskunden verfüge die RBI über ein sehr gutes Know-how über die jeweiligen Exportstaaten.
„In Kärnten nutzen mehr als 96.000 Raiffeisenkunden regelmäßig Elba, das ist ein Marktanteil von 41 Prozent“, sagte Peter Gauper, Vorstandssprecher der RLB Kärnten. Aufgrund der dauerhaften Veränderung des Kundenverhaltens durch die Digitalisierung setzt Raiffeisen in Zukunft auf das neue Onlinebanking-Portal „Mein Elba“. Im Vordergrund stehen dabei unter anderem Individualisierung und Analysewerkzeuge. Kunden bestimmen, in welcher Tiefe die Daten angezeigt werden.
„Mit dem Dienstleistungsverhalten werden die Kunden auch über die Standorte abstimmen. Wir überprüfen laufend die Rentabilität der Bankstellen. Standardprozesse werden tendenziell automatisiert, gleichzeitig bleibt das persönliche Beratungsgespräch aber unerlässlich“, so Gauper.

Peter Gauper (c) RLB Kärnten

Vereinheitlichung
Kritisch äußerte sich Strobl zur Bankenabgabe: „Im Vorjahr kostete uns das 85 Millionen Euro, heuer werden es 56 Millionen sein. Rechnet man alle vergleichbaren Abgaben in den Ländern zusammen, in denen wir aktiv sind, sind das im Jahr 2017 rund 210 Millionen Euro.“
Eine weitere Verschärfung der Vorschriften für Banken sei kaum mehr vorstellbar. „Im internationalen Vergleich ist Österreich deutlich strenger. Ich plädiere für eine europaweite Vereinheitlichung. Gleiche Anforderungen wären wünschenswert. Für Banken ist das eine Bürde geworden. „Ich habe einen Laufmeter nur für Bankenregulierung im Bücherregal stehen.“ Der Kärntner RLB-Vorstandssprecher Gauper forderte in dem Zusammenhang eine Nachdenkpause für Basel IV und sprach sich gegen weitere Verschärfungen bei KMU- und Immobilienfinanzierungen aus.
Adressiert an die Regierungsverhandler sagte Strobl: „Die Bürokratie muss abgebaut werden, bei neuen Gesetzen müssen Zweck und Umsetzung präzise zu erkennen sein. Außerdem soll bei jedem neuen Gesetz geprüft werden, ob nicht alte Bestimmungen gestrichen werden können.“

Glas drei viertel voll
Wie beim Besuch in Klagenfurt stand auch in Graz in der RLB-Zentrale in Raaba die Frage nach einer RBI-Dividende ganz oben auf der Agenda. Auch hier blieb Strobl unverbindlich, so wollen es die Vorschriften. In Graz betonte der RBI-CEO ebenfalls die sehr gute Wirtschaftslage, steigende Beschäftigung und den prosperierenden Konsum: „Auch in den kommenden Jahren wird das so weitergehen, in einigen unserer östlichen Nachbarstaaten haben wir fast Vollbeschäftigung.“
Generaldirektor Martin Schaller hörte diese Worte gerne, schließlich ist die Raiffeisen-Landesbank Steiermark mit rund 10 Prozent einer der größten Aktionäre der RBI: „Auch wir freuen uns über die Zahlen des dritten Quartals, wir sehen dem Jahresende und der zu erwartenden Dividende hoffnungsfroh entgegen.“

Martin Schaller (c) RLB Steiermark (2)

Gefragt, ob das Glas derzeit halb voll oder halb leer ist, antwortete Schaller: „Es ist zu drei viertel voll und die Stimmung ist die halbe Konjunktur. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Seit Jahresbeginn konnten 22.500 Neukunden gewonnen werden. Das Finanzierungsvolumen konnte um 500 Mio. Euro auf insgesamt 14 Mrd. Euro gesteigert werden. „Jeden Tag ermöglicht die steirische Raiffeisen Bankengruppe zehn Millionen Euro an frischen Krediten“, so Schaller.
Wie sein Kärntner Kollege sieht sich auch Schaller in Fragen der Digitalisierung bestens aufgestellt. Mit 300.000 Online-Kunden sei man Marktführer, dabei holt die als wenig technikaffin beschriebene Altersgruppe 60+ mit den höchsten Zuwachsraten deutlich auf. Bereits umgesetzt ist die App „Zoin“, mit der bis zu 400 Euro auf Knopfdruck überwiesen werden können. Ab Dezember wird das Service „Sofortüberweisung“ eingeführt. Bis zu 15.000 Euro landen dann innerhalb von zehn Sekunden am anderen Konto. Für mehr Flexibilität bei den Konsumenten sorgt auch der automatische Kontowechsel. Statt viel Papier reichen dann ein paar Mausklicks, um das Konto samt Dauer- und Einziehungsaufträgen mit einem Giebelkreuz zu versehen.