Investieren mit doppelter Dividende

Investieren mit doppelter Dividende

Die Raiffeisen KAG hat den Anteil der nachhaltigen Geldveranlagungen in den letzten fünf Jahren deutlich ausgebaut. Beim Investment Day diskutierten Experten, wie man Anreize für eine grünere Zukunft setzen kann.

Von Christian Lovrinovic

Das Interesse an nachhaltigen Investments hat seit der Finanzkrise deutlich zugenommen. Aus dem anfangs von manchen als Modeerscheinung abgetanen Investmentansatz hat sich ein breites Bewusstsein für eine gezielte Geldanlage, mit der auch etwas Positives für die Umwelt und Gesellschaft bewegt werden kann, entwickelt. Die Raiffeisen KAG hat die Bedeutung der ethischen Geldanlage früh erkannt und in ihren Veranlagungsprozess integriert. „Die Branche ist absolut im Umbruch. Den Asset-Managern wird immer stärker bewusst, dass wir in der Finanzindustrie Verantwortung übernehmen können. Wir müssen mit dem Geld unserer Kunden sehr, sehr sorgsam umgehen – auch für unseren Planeten“, erklärt Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG.

Es sei wichtig, mit den Unternehmen in einen Dialog zu treten und Einfluss zu nehmen, so Aigner weiter. Der Begriff Nachhaltigkeit werde inflationär verwendet. Mittlerweile sei es oft schwer zu beurteilen, was wirklich unter Nachhaltigkeit verstanden wird. „Es ist nicht immer nur Schwarz-Weiß. Man kann das Thema Nachhaltigkeit herrlich zerreden und etwa behaupten, die Standards seien nicht ganz ehrlich. Aber es ist wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Positionen zu beziehen“, betont Aigner. So berechnen die Experten der Raiffeisen KAG den Footprint einer nachhaltigen Produktpalette einer Firma oder auch eines Landes. Das sei oft eine spannende Sache und eine Herausforderung. Ein nachhaltiger Ansatz sei nichts Abgeschlossenes, sondern ein Prozess, der sich immer weiter entwickle. Das führe auch zu einer Veränderung in der eigenen Produktpalette, die breiter geworden ist, berichtet Aigner.

Bei den großen Herausforderungen wie Klimawandel wünscht sich der Raiffeisen-Experte, dass „die EU mehr Flagge zeigt“. „Dass die Erderwärmung da ist, haben wir spätestens heuer gesehen“, erinnert Aigner an den überdurchschnittlich heißen Sommer. Selbst in Österreich, wo Wasserknappheit bisher kaum ein Thema war, waren heuer gewisse Regionen damit konfrontiert. Lösungen soll man sich aber nicht nur von der EU erwarten, „auch wir müssen Verantwortung übernehmen“, so Aigner. Es brauche langfristige Strategien für ein nachhaltiges Wirtschaften. „Ich würde mir schon wünschen, dass die österreichische Politik das in der EU noch proaktiver aufgreift“, so Aigner.

Rainer Schnabl, Johann Strobl, Rainer Nowak (Presse), Günter Ofner, Elisabeth Köstinger, Wolfgang Pinner, Wolfgang Anzengruber, Stefan Schmutz (Gewässerexperte) und Dieter Aigner (c) Raiffeisen KAG/Sabine Klimpt

Hohe Zuwächse
Seit fünf Jahren beschäftigt sich die Raiffeisen KAG intensiv mit dem Thema und entwickelt dabei einen umfassenden Ansatz für eine ethische Geldanlage. „Wir haben mit dem Thema Nachhaltigkeit den Nerv der Kunden getroffen – und zwar quer über alle Schichten“, zieht Rainer Schnabl, Vorsitzender der Raiffeisen-KAG-Geschäftsführung, eine positive Zwischenbilanz. Seit 2014 hat sich das Volumen nachhaltiger Investments, die von der Raiffeisen KAG verwaltet werden, auf rund 3,2 Mrd. Euro mehr als verdreifacht und ist damit auf rund 10 Prozent des Gesamtbestandes angewachsen. Bis zum Jahr 2030 soll dieser Anteil auf 25 Prozent weiter steigen, lautet das selbstgesteckte Ziel. Besonders erfreut ist Schnabl über den noch höheren Zuwachs in den Publikumsfonds, wo sich das verwaltete Volumen im selben Zeitraum auf 1,18 Mrd. Euro mehr als verfünffachte. „Wir haben mit unserem nachhaltig gemanagten Produktangebot viele Investoren gewinnen können – auch institutionelle. Nachhaltigkeit wird bei Mandatsausschreibungen inwzischen nahezu regelmäßig abgefragt, während es vor wenigen Jahren so gut wie kein Thema war“, erklärt Schnabl. Wolfgang Pinner, Leiter Nachhaltige Investments bei Raiffeisen KAG, streicht hervor: „Wir wollen eine Alternative anbieten, die verantwortungsvoll, zukunftsgerichtet und bei der die Wertentwicklung zumindest gleichwertig ist.“ Dafür muss man sich die Dinge im Detail anschauen. Nachhaltiges Investieren stehe auch als „ein Sinnbild für aktives Management“. Der Dialog mit den Unternehmen und das Nutzen der Stimmrechte seien wesentliche Teile dieser Strategie. Allein im Vorjahr setzte man sich mit rund 400 Unternehmen aktiv auseinander und übte auf gut 130 Hauptversammlungen Stimmrechte aus. Dass im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit von „Verzicht“ oder „Einschränkung“ gesprochen wird, läuft Pinner zufolge an der Thematik vollkommen vorbei. Einerseits korreliere Nachhaltigkeit durchaus mit einer guten Performance wie Untersuchungen belegen. Andererseits werden oft neue Technologien unterstützt, die Wachstumschancen bieten. Insgesamt geht es um das Lukrieren „einer doppelten Dividende“ in Form eines guten finanziellen Ertrags mit Zusatznutzen auf Sozial- und Umweltebene.

„Green Investment ist richtiger Weg“
Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, strich beim Investment Day der Raiffeisen KAG hervor, dass „das Thema Green Investment hervorzuheben genau der richtige Weg in die Zukunft ist“. Im Finanzministerium werde die Möglichkeit, Green Bonds zu begeben, geprüft. Einige Staaten haben bereits solche Bonds emittiert. Es gehe darum, Investmentströme umzuleiten, damit sie dem Klima- und Umweltschutzgedanken zuträglicher werden. Global betrachtet sei der Klimawandel derzeit die größte Herausforderung. „Wir können beweisen, dass der Umbau des Wirtschaftssystems auch mit wirtschaftlichem Erfolg einhergehen kann“, erklärte Köstinger. Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber betonte, dass man beim Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich „auf dem richtigen Weg ist, die Frage ist nur, ob das Tempo passt“.

Günter Ofner, Generaldirektor des Flughafens Wien, forderte weniger Widersprüchlichkeit im politischen Handeln. Im Dschungel der Regulierung würden die Vorgaben oft nicht konsequent umgesetzt. „Es gibt noch viele Bereiche, in denen die Konsistenz politischer Zielsetzung und tatsächliche Anreizsituation für den, der wirtschaftlich handelt, noch nicht deckungsgleich sind“, so Ofner. Gerade jenen, die wirtschaftlich und ökologisch voranschreiten wollen, werde es nicht immer leicht gemacht.

Johann Strobl, CEO der Raiffeisen Bank International, betonte die besondere Bedeutung der Nachhaltigkeit in der RBI-Bankengruppe. Jährlich stelle man sich einem Stakeholder Council als Impulsgeber für weitere Verbesserungen. Zudem platzierte die RBI heuer erstmals einen Green Bond in Höhe von 500 Mio. Euro.

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