Leipnik-Lundenburger expandiert weiter

Leipnik-Lundenburger expandiert weiter

Die Beteiligungsholding hat 2017/18 ihr Ergebnis auf mehr als 75 Mio. Euro gesteigert und setzt ihren Wachstums- und Innovationskurs weiter fort.

Von Edith Unger

Nach tiefgreifenden strukturellen Maßnahmen bei sich selbst und bei ihren Töchtern befindet sich die Leipnik Lundenburger Invest Beteiligungs AG (LLI) weiterhin auf Erfolgskurs. Als strategische Holding der GoodMills Group für den Bereich Mehl & Mühle und der Café+Co-Gruppe für den Bereich Vending (Heißgetränke und Verpflegung aus Automaten) ist die LLI im Geschäftsjahr 2017/18 erneut gewachsen und hat einen etwas höheren Gewinn erzielt. Im Bereich Mehl und Mühle wurden Umsatz, Betriebsergebnis und vermahlte Mengen trotz unterdurchschnittlicher Erntemenge gesteigert. Der Vending-Bereich hat deutlich zugelegt.
Mit einem Umsatz von 1,061 Mrd. Euro wurde ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 75,36 Mio. Euro auf Konzernebene erwirtschaftet. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Umsatzsteigerung von 6,8 Prozent sowie einer Ergebnissteigerung von 1,1 Prozent.
„Es ist uns gelungen, als Lebens- und Genussmittel-Holding in den Kernbereichen Mehl & Mühle und Vending unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Auf dieser Grundlage bin ich überzeugt, dass wir den bisherigen Erfolgskurs auch im laufenden Geschäftsjahr weiter verbessern können“, zeigt sich LLI-Generaldirektor Josef Pröll für die weitere Entwicklung der Beteiligungsholding, deren Haupteigentümer die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und die Raiffeisenbank International (RBI) sind, zuversichtlich.
Die GoodMills Group erzielte 2017/18 trotz schwieriger Rahmenbedingungen Umsatzerlöse in der Höhe von 828,77 Mio. Euro. Dies entspricht einem Plus von 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte damit eine Steigerung des operativen Ergebnisses von 1,3 Prozent auf 22,54 Mio. Euro erzielt werden, obwohl Erntemengen und Qualitäten vor allem aufgrund der Trockenheit der vergangenen Sommer unter dem langjährigen Durchschnitt lagen. Die Vermahlungsmenge konnte jedoch in allen Ländern gehalten oder gesteigert werden und lag insgesamt bei 2,92 Millionen Tonnen.
„Die GoodMills Group setzt damit den eingeschlagenen Erfolgskurs auch mit dem neuen Management unter der Führung von Leo Gollegger nahtlos fort und wird auch künftig den Fokus auf Innovation, Technisierung und Markenstärkung setzen“, unterstreicht Pröll.
Im Segment Vending konnte ein Umsatz von 232,53 Mio. Euro und damit eine Steigerung von 12,5 Prozent erwirtschaftet werden. Das Wachstum war vor allem durch das weiterhin überproportionale und über Plan liegende Wachstum bei Kaltgetränken und Snacks sowie den begonnenen Ausbau des Gastrobereichs möglich. Das operative Ergebnis konnte um 4,5 Prozent auf 22,39 Mio. Euro gesteigert werden.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden zudem 15 Mio. Euro in die neue Zentrale in Wien-Inzersdorf investiert und die Lagerkapazität und Werkstätten für das technische Service in Linz und Prag erweitert. Weiters investierte Cafè+Co knapp 20 Mio. Euro in neue Geräte und die Weiterentwicklung des Serviceangebotes. Mit dem eingeschlagenen Wachstumskurs will die Cafè+Co-Gruppe ihre Position als führender Kaffeedienstleister in Zentral- und Osteuropa weiter ausbauen.

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(c) Natascha Unkart

Interview

„Wir wollen weiter wachsen“

Worauf konkret ist die erfolgreiche Entwicklung der LLI zurückzuführen?
Josef Pröll: „Entscheidende Faktoren waren vor allem die strategische Investitionsoffensive im Segment Mehl & Mühle sowie der im Segment Vending eingeschlagene Wachstumspfad. Wir haben uns über die Jahre hinweg Schritt für Schritt von sachfremden Beteiligungen und betriebsfremdem Vermögen getrennt und konzentrieren uns heute erfolgreich auf unser Kerngeschäft im Agrar- und Lebensmittelbereich.

Worauf zielt die Investitionsoffensive bei Mehl & Mühle ab?
Pröll: Neben dem Neubau von Europas modernster Mühle im deutschen Krefeld, wo insgesamt 80 Millionen Euro investiert werden, setzen wir auf Innovationen und werden neue Produktionen in Angriff nehmen – hier zum Beispiel Couscous, Bulgur oder proteinreiche Mehle. Mit diesen Maßnahmen wollen wir die Marktführerschaft der GoodMills Group in Europa weiter kontinuierlich ausbauen. In Polen und Deutschland laufen dazu eigene Effizienzsteigerungsprogramme, die die Basis für nachhaltiges Wachstum legen.

Die 100-Prozent-Übernahme von GoodMills Innovation war demnach der richtige Schritt?
Pröll: Wir sehen schon in den ersten Monaten der Umsetzung, dass die Integration in die GoodMills Gruppe richtig und wichtig ist. Denn damit ist es möglich, alle Innovationen nicht nur auf dem deutschen Markt auszurollen, sondern über die gesamte Gruppe. In der Lebensmittelproduktion zeichnen sich derzeit viele neue Trends ab. Hier wird derzeit schwerpunktmäßig geforscht, um die neuen Markterfordernisse auch erfolgreich mit unseren Produkten bedienen zu können.

Auch im Vending wollen Sie den Wachstumspfad fortsetzen. Welche Pläne haben Sie konkret?
Pröll: Wir streben auch im aktuellen Geschäftsjahr der Cafè+Co-Gruppe ein weiteres Umsatz- und Ergebniswachstum mit umfassenden Investitionen in neue Geräte und Coffee-Services an. Zudem soll die Zentrale in Tschechien ausgebaut werden. Ein wesentlicher Bestandteil der geplanten Investitionen ist auch der Einbau von neuen Zahlungsmodulen wie zum Beispiel bargeldlos bezahlen mit Kreditkarte oder über eine Bezahl-App sowie Telemetrie-Einheiten zur Verbesserung des Kundenservice.

Im Rückblick waren die strukturellen Maßnahmen bei Mehl & Mühle aber deutlich tiefgreifender als im Vending.
Pröll: Auf jeden Fall. In den letzten fünf Jahren ist nicht nur die Restrukturierung gelungen, wir haben aus dem Segment Mehl & Mühle auch eine einheitliche Gruppe geformt, in allen Ländern die Geschäftsführung gewechselt und durch den Abbau von 800 Mitarbeitern die Personalkosten um 10 Millionen Euro gesenkt. Heute weiß jeder internationale Kunde, wenn er GoodMills Mehl kauft, mit wem er es zu tun hat. Hinter GoodMills steht eine Marke, eine Philosophie, ein Selbstverständnis. Jetzt geht es um Wachstum – mit dem Ziel, das EGT nachhaltig auf bis zu 30 Millionen Euro zu steigern.

Wie sehen die Prognosen der LLI für das laufende Geschäftsjahr aus?
Pröll: Die LLI rechnet für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2018/19 mit einer weiterhin stabil positiven Entwicklung bei der Cafè+Co-Gruppe in Umsetzung der von der Geschäftsführung vorgelegten Strategie, während der Ausblick für die GoodMills Group durchaus als angespannt gesehen werden kann. Grund dafür ist die in weiten Teilen Europas sehr unterschiedliche und teilweise sehr schlechte Weizenernte des Jahres 2018.

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