Mehr Kapazitäten für Spezialitäten

Mehr Kapazitäten für Spezialitäten

Agrana eröffnet den Werkszubau der Maisstärkefabrik in Aschach und setzt damit ihre Wachstumsstrategie im Stärkesegment fort.

Von Elisabeth Hell

82 Mio. Euro hat die Agrana in den vergangenen zwei Jahren in die Fabrikserweiterung in Oberösterreich investiert. Einerseits wurde im Stammwerk beim Nassmaisbereich an vielen Stellen geschraubt und andererseits entstand ein neues Verzuckerungs- und Sprühtrocknungsgebäude auf einer Baufläche von vier Hektar. Die Verarbeitungskapazität erhöht sich dadurch von 1.100 auf 1.500 Tonnen pro Tag oder um knapp ein Drittel auf 540.000 Tonnen Mais pro Jahr. „Die Kapazität in Aschach entspricht damit etwa einem Drittel der Körnermaisproduktion in ganz Österreich“, berichtet Agrana-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart. Zusammen mit dem Agrana-Standort in Pischelsdorf sind es sogar zwei Drittel der gesamten Körnermaisproduktion.
Die Stärke ist ein wichtiges und profitables Segment der Agrana geworden, liefert etwa ein Drittel des Umsatzes und sogar mehr als ein Drittel des Konzernergebnisses. Insgesamt gibt es fünf Produktionsstandorte, mit Aschach, Gmünd und Pischelsdorf drei in Österreich. Agrana ist im Bereich Stärke zum Marktführer in Zentral- und Südosteuropa gewachsen und baut die Standorte kontinuierlich aus. Seit 1990 hat sich die Verarbeitungsmenge mehr als verzehnfacht. „Wir finden Marktmöglichkeiten vor, das liegt an der Vielfalt der Verwendung von Stärke“, begründet Marihart.

Den Zubau eröffneten Eferdings Bezirkshauptmann Christoph Schweitzer, Erwin Hameseder, Thomas Stelzer, Bürgermeister Friedrich Knierzinger und Johann Marihart. (c) Agrana/Schedl

Von der Nahrungsmittelindustrie, Pharma-, Papier-, Textil- und Kosmetikindustrie bis hin zur Bauchemie – Mais eignet sich für eine Vielzahl von Produkten. Die Verzuckerungsprodukte aus Aschach gehen ausschließlich in den Nahrungsmittelbereich. „Der Standort ist auf Spezialitäten ausgerichtet, weil wir damit am Weltmarkt besser reüssieren können“ erklärt Marihart. Die vier größten Maisstärkeproduzenten der Welt decken etwa 75 Prozent der gesamten Maisstärkeproduktion ab. Die Erweiterung in Aschach gebe neue Möglichkeiten, um mit Spezialitäten zu wachsen, und leiste damit einen wichtigen Wertschöpfungsbeitrag im Konzern und letztlich auch in der Landwirtschaft. Die Massenproduktion von „ganz normaler Stärke“ sei nicht das Ziel.
Da die Einsatzmöglichkeiten von Mais so vielfältig sind, wurde bei der Vergrößerung der Anlage auf größtmögliche Flexibilität geachtet. Der Standort in Aschach zeichnet sich zusätzlich durch seine Nähe zu Lieferanten, Abnehmern, der Donau und dem Getreidespeicher der Raiffeisen Lagerhaus-Organisationen aus. Die Anzahl der Mitarbeiter steigt mit dem Zubau um 25 auf 280 Personen. Eine Wertschöpfungsanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass ein Arbeitsplatz in Aschach drei bis vier weitere Arbeitsplätze in vor- und nachgelagerten Bereichen zur Folge hat und ein umgesetzter Euro weitere zwei Euro an Wertschöpfung bringt.
„In Summe haben wir seit dem EU-Beitritt in Aschach 200 Mio. Euro investiert“, berichtet Marihart und will den Investitionskurs auch in Zukunft fortsetzen: In den nächsten zweieinhalb Jahren werden in Österreich weitere 200 Mio. Euro in das Stärkesegment investiert. Die Weizenstärkeproduktion in Pischelsdorf soll dabei mehr als verdoppelt werden.

„Innovation ist Routine“
Zur feierlichen Eröffnung des Zubaus kamen auch zahlreiche Ehrengäste. Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und Agrana-Aufsichtsratspräsident, freut sich über die Investition in die Zukunft: „Die Agrana beweist einmal mehr, dass sie zeitgerecht die richtigen Strategien entwickeln und diese auch rasch umsetzen kann.“ Agrana habe sehr erfolgreich „Innovation zur Routine“ gemacht. Und auch Landeshauptmann Thomas Stelzer würdigt die Erweiterung als „wahrlich starkes Zeichen für ein starkes Unternehmen“.