Mehr Kitz auf die heimischen Teller

Mehr Kitz auf die heimischen Teller

Die LK OÖ und der OÖ Landesziegenzuchtverband wollen die ganzjährige Kitzvermarktung ankurbeln.

Traditionell steht in vielen Haushalten und Restaurants bald wieder das traditionelle Osterkitz auf dem Menüplan. „Jetzt zur Kitzsaison werden in den Milchziegenbetrieben die meisten Kitze geboren und können von den Landwirten gut vermarktet werden. Das restliche Jahr über besteht aber kaum Nachfrage nach dem Fleisch. Da die Ziegenmilchproduktion in den letzten Jahren stark gewachsen ist und dadurch immer mehr Kitze anfallen, ist die Kitzvermarktung für die Landwirte eine große Herausforderung“, erläutert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

So ist der Ziegenbestand zwischen 2008 und 2018 im ziegenstärksten Bundesland Oberösterreich um gut 80 Prozent auf 30.000 Ziegen gestiegen. Österreichweit gibt es knapp 92.000 Ziegen auf 9.660 Betrieben. Besonders für die rund 15.000 in Oberösterreich jährlich anfallenden Bockkitze gibt es kaum einen Markt. Durch das saisonale Aufkommen kommt es zu einem Überangebot und einem starken Preisdruck. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich und der Oberösterreichische Landesziegenzuchtverband haben sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Ziegenbauern bei der Vermarktung mit konkreten Maßnahmen zu unterstützen. Ein wichtiger Schritt dabei sei, das Kitzfleisch in der Bevölkerung bekannter zu machen.

Ziegenfleisch bereichere mit seinem wunderbaren, leichten Wildgeschmack die Lebensmittelvielfalt, ist Reisecker überzeugt. Die genügsamen Wiederkäuer sind bestens geeignet, das rohfaserreiche Futter von Grünlandflächen zu verwerten und spielen deshalb vor allem bei der Bewirtschaftung des Berggrünlandes eine besondere Rolle. Die Fütterung und die bewegungsreiche Tierhaltung im Freien habe einen positiven Einfluss auf die Fettzusammensetzung und den gesamten Nährstoffgehalt im Fleisch. Das Fleisch wird durch das von den Ziegen verzehrte artgerechte Raufutter besonders zart und ist mit wenig Fett durchzogen. Der Eiweißgehalt von etwa 20 Gramm pro 100 Gramm Ziegenfleisch ist im Vergleich zu anderen Lebensmitteln hoch. Das Eiweiß kann aufgrund vieler B-Vitamine leicht in körpereigenes Eiweiß umgewandelt werden.

Kitz

(c) ZZVOÖ

Optimale Alternative

„Für Konsumenten, bei denen beim Fleischkonsum die Qualität im Vordergrund steht, ist Kitzfleisch eine optimale Alternative und ein Geheimtipp. Die Vielseitigkeit bei der Zubereitung, der außerordentlich gute Geschmack und das Bewusstsein, durch den Kauf von Kitzfleisch ein natürlich und ,umweltschonend‘ gewachsenes Stück Fleisch zu kaufen, garantiert dem Verbraucher Zufriedenheit und Genuss“, betont Reisecker.

„Die meisten Leute haben ja noch nie Kitzfleisch gekostet“, bringt Josef Stöckl, Obmann des Ziegenzuchtverbandes OÖ, das Problem auf den Punkt. „Wir wollen die Leute dazu animieren, das Fleisch zu probieren mit dem Ziel, dass die Nachfrage auch unterm Jahr zunimmt.“ Dabei sind auch die Landwirte selbst gefragt. Da sich der Absatz über den Lebensmittel­einzelhandel schwierig gestaltet, ermutigt der Landesverband die Ziegenhalter dazu, Kitzfleisch nach Möglichkeit direkt Ab-Hof zu vermarkten. „Nutzt den direkten Weg zu den Konsumenten“, lautet Stöckls Aufruf an alle Ziegenhalter.

Die Betriebe sollten von den zahlreichen Verkaufsmöglichkeiten Gebrauch machen, um die Konsumenten auf die besondere Wertigkeit von Kitzfleisch aufmerksam zu machen. Vom Bauernmarkt bis hin zu Verkostungen gebe es viele Werbeideen, bei denen jeder einzelne Betrieb als Botschafter des Kitzfleisches zur wachsenden Nachfrage beitragen kann. „Die Landesverbände stellen den Ziegenhaltern auch Werbe- und Rezeptbroschüren zur Bewerbung von Kitzfleisch zur Verfügung“, sagt Stöckl.

Um die Kitzfleischvermarktung in Zukunft zu verbessern, hat der OÖ Landesziegenzuchtverband bereits einige Maßnahmen gesetzt. So veröffentlicht der Verband in Kooperation mit dem Foodblog „Koch mit Herz“ regelmäßig neue schmackhafte und kreative Rezeptideen rund ums Kitzfleisch. Um noch mehr Lust auf Kitz zu machen, ist zudem eine neue Auflage der „Goas-News“ in Planung. Dieses Projekt bietet eine Landkarte mit einem Verzeichnis aller Kitzfleisch-Direktvermarkter, die den Kunden den Zugang zu besten Kitzfleischprodukten erleichtern soll.

„Wir arbeiten laufend daran, die Abnahme männlicher Kitze für unsere Landwirte sichern zu können. Garantierte und vor allem zufriedenstellende Erzeugerpreise sind dabei natürlich oberste Priorität“, erläutert Stöckl die geplanten Ziele der Kitzvermarktung. Darüber hinaus soll die Eigenvermarktung durch die Landwirte ausgebaut und die Klassifizierung der Schlachtkörper schrittweise angepasst werden. red

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