„Mehr vom Gleichen ist nicht interessant“

„Mehr vom Gleichen ist nicht interessant“

Die Kepler-Fonds KAG managt 15,3 Milliarden Euro an Kundenvolumen. Michaela Keplinger-Mitterlehner, Generaldirektor-Stellvertreterin der RLB OÖ, spricht über die Entwicklung der Fondstochter und Herausforderungen im Vertrieb.

Von Elisabeth Hell

Wie war das Jahr 2018 für die Kepler-Fonds KAG?
Michaela Keplinger-Mitterlehner: 2018 ist sehr gut gelaufen. Worauf wir besonders stolz sind, dass wir mit einem Publikumsfonds-Nettoabsatz von über 400 Millionen Euro die klare Nummer eins im Retailgeschäft waren – im Vergleich zu den österreichischen Kapitalanlagegesellschaften. Wir freuen uns auch, dass wir bei den Scope Awards wieder als bester Fondsanbieter in Österreich hervorgegangen sind und neben vielen weiteren Auszeichnungen nun auch beim Fondskompass von Capital auf Platz eins in Deutschland gelistet wurden. Deutschland ist gerade im institutionellen Geschäft ein wichtiger Markt für uns und solche Auszeichnungen haben eine entsprechende Publikumswirksamkeit.

Waren Buffett musste im letzten Quartal einen Milliardenverlust einstecken. Sind die Fondsmanager bei Kepler besser mit den Marktentwicklungen klargekommen als der Starinvestor?
Keplinger-Mitterlehner: Bei den Performancezahlen haben wir uns im Vorjahr sehr gut geschlagen – im Marktvergleich –, sonst hätten wir auch nicht diese Auszeichnungen und Preise von dritter Stelle erreicht. Wenngleich es natürlich für Kunden enttäuschend ist, wenn keine zweistellige oder zumindest hohe einstellige Rendite herauskommt. Im Prinzip haben wir Rückschläge als Kaufgelegenheiten genutzt, sind aber sehr vorsichtig aufgestellt. Gerade in diesem Marktumfeld – wo die Aktien im vierten Quartal deutlich nach unten gingen – hat sich unser Minimum-Varianz-Ansatz sehr bewährt: Wir suchen ganz bewusst defensivere Titel aus, die zwar nach oben nicht in dieser Breite mitgehen, aber nach unten hin gut abgefedert und abgesichert sind.

Welchen Beitrag leistet hier Behavioral Finance?
Keplinger-Mitterlehner: Wir haben eine mehrstufige Veranlagungsstrategie. Die Allokation erfolgt nach volkswirtschaftlichen Daten sowie Fundamentaldaten und darüber wird das Thema Behavioral Finance gelegt. Behavioral Finance ist in der Portfoliosteuerung zwischen Cash, Anleihen und Aktien eine wichtige zusätzliche Analyseform, die seit neun Jahren eine wichtige Rolle spielt. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Michaela Keplinger-Mitterlehner im Interview

Wie ist das aktuelle Stimmungsbild der Anleger?
Keplinger-Mitterlehner: Von der Behavioral Finance-Strategie ist es so, dass wir nach wie vor keine Verkaufssignale haben. Generell ist die Stimmung aber sehr vorsichtig. Der Markt war bis dato eigentlich robuster als erwartet – trotz negativer Nachrichten wie beispielsweise die China-Thematik. Man hatte den Eindruck, dass es gar nicht mehr maßgeblich sei, was etwa aus dem Oval Office an Twittermeldungen kommt. Jetzt merkt man aber, dass der Markt nervös ist – auch weil die realen Konjunkturziffern nachlassen.

Wie hat man es im Vorjahr geschafft, im Retailabsatz die Mitbewerber zu übertreffen?
Keplinger-Mitterlehner: Wir haben ein sehr ambitioniertes und kompetentes Team, das von unseren wichtigsten Vertriebspartnern – das sind die oberösterreichischen Raiffeisenbanken – und von den Kunden sehr viel Feedback aufnimmt, analysiert und dann entsprechend an der Weiterentwicklung arbeitet. Wir verfolgen schon seit Jahren das Prinzip: Mehr vom Gleichen ist nicht interessant, sondern wir müssen schauen, dass wir uns auf das neue Umfeld, die neuen Gegebenheiten, die neuen Kundenanforderungen und auf das Feedback unserer Vertriebspartner entsprechend einstellen. Das ist in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir ganz klare Kernkompetenzen formuliert haben und eine fokussierte Dienstleistungspalette anbieten. Das ist zum Beispiel der Minimum-Varianz-Ansatz im Aktienbereich. Auch das Thema Ethik begleitet uns schon seit 15 Jahren. Inzwischen verwalten wir 1,5 Milliarden Euro an Kundengeldern, die soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen.

In welchen Anlagethemen gab es im Vorjahr die größten Zuwächse?
Keplinger-Mitterlehner: Gemischte Fonds werden immer stärker nachgefragt und nach wie vor sind die Nachhaltigkeitsfonds ein ganz wesentlicher Treiber. Da werden wir auch 2019 keine Änderungen sehen.

Wie entwickelt sich die Nachfrage der Fondssparer?
Keplinger-Mitterlehner: Die Fondssparer haben sich positiv entwickelt und auch beim Ansparvolumina verzeichnen wir deutliche Zuwächse. So haben wir derzeit bei Raiffeisen OÖ mehr als 103.000 aktive Fondssparpläne. Im Jahr 2018 konnten wir bei den Ansparplänen um 1.500 zulegen. Und aktuell fließen monatlich mehr als 13 Millionen Euro ins Fondssparen. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es noch 12,1 Millionen Euro im Monat.

Wie viel Potenzial sehen Sie hier noch?
Keplinger-Mitterlehner: Gerade für junge Kunden ist Fondssparen eine sehr gute Möglichkeit, einen strukturierten Vermögensaufbau vorzunehmen. Da ist noch ausreichend Potenzial vorhanden.

Im Vorjahr ist die Raiffeisen FondsPension gestartet, die gemeinsam mit der Raiffeisen Versicherung angeboten wird. Wie gut wird diese angenommen?
Keplinger-Mitterlehner: Wir müssen hier noch verstärkt Vertriebsaktivitäten setzen. So ein Produkt braucht etwas Zeit, bis es in den Köpfen der Berater fest verankert ist und automatisch angeboten wird – für die passende Zielgruppe. Das wird noch ein bisschen brauchen, aber ich bin optimistisch und halte es für eine gute Vorsorgelösung.

Michaela Keplinger-Mitterlehner im Interview

(c) RLB OÖ/Wenter (2)

Wie stark ist der digitale Vertrieb im Fondsgeschäft?
Keplinger-Mitterlehner: In der hochwertigen Veranlagung spielt die persönliche Beratung nach wie vor eine zentrale Rolle. Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau: Vor elf Jahren lag der Anteil der Online-Abschlüsse im Fondsgeschäft bei rund 8 Prozent und daran hat sich bis heute nichts geändert. Aktienaffines Publikum hingegen schließt seine Käufe mittlerweile zu 80 Prozent über das Internet ab, das liegt vor allem auch an unserer Direktbank.

Soll der digitale Vertrieb gestärkt werden?
Keplinger-Mitterlehner: Der Digitalvertrieb ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen, wo wir aber gleichzeitig zuversichtlich sind, dass wir die richtige Strategie entwickeln. Bei einfachen Geschäften bietet die Digitalisierung Convenience, das gilt sowohl im Retail- als auch im Firmenkundenbereich. Diese Vorteile wollen wir unseren Kunden selbstverständlich bieten, aber natürlich verursacht die Digitalisierung auch Kosten. Wir analysieren sehr genau, wo die digitalen Services langfristig Sinn machen.

Die Digitale Regionalbank wird bundesweit gemeinsam vorangetrieben. Auf welche neuen Tools können sich die Kunden einstellen?
Keplinger-Mitterlehner: In der neuen Raiffeisen Digitalgesellschaft werden die innovativen Services laufend weiterentwickelt. Konkret wird es im Sommer eine neue ELBA-App geben, denn die EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 macht eine neue Kundenauthentifizierung notwendig. In Mein ELBA können nun auch Konten anderer Banken eingebunden werden und die Kreditkarteninformationen sowie Finanzamtszahlungen stehen ebenfalls bereits im neuen Online-Banking zur Verfügung. Wenn alle Features vom bestehenden ELBA Internet in Mein ELBA integriert sind, wird das alte ELBA auch nicht mehr angeboten. Für Firmenkunden ist ein neues Business Portal geplant, hier sollen im Herbst die ersten Versionen getestet werden. Das Spannungsfeld zwischen persönlicher Beratung und Digitalvertrieb wird uns also weiterhin intensiv beschäftigen.

Zurück zur Kepler KAG: Mit welcher Entwicklung rechnen Sie 2019?
Keplinger-Mitterlehner: Wir rechnen mit einer verhalten positiven Entwicklung. Einerseits, weil wir davon ausgehen, dass die politischen Unsicherheiten anhalten. Auf der anderen Seite ist sehr viel Geld im Umlauf, das veranlagt werden will.

Posted in: