Mit Qualität und Natürlichkeit punkten

Mit Qualität und Natürlichkeit punkten

Der Trend zu Bio-Produkten ist ungebrochen. Trotz Steigerungen sehen die Branchenvertreter noch viel Potenzial – vor allem im Export, der Gastronomie und bei Fleisch.

Von Elisabeth Hell

„Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, analysiert Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, die aktuellen RollAMA-Zahlen. Fast jeder Österreicher greift mindestens einmal im Jahr zu einem biologischen Lebensmittel, die Käuferreichweite liegt bei 96,5 Prozent. Knapp neun Prozent der Frischeprodukte im Lebensmitteleinzelhandel werden in Bio-Qualität gekauft. Im Vorjahr stieg die eingekaufte Menge um 7,4 Prozent auf gerundet 150.000 Tonnen. Der Wert der Bio-Einkäufe stieg um 6,7 Prozent auf 542 Mio. Euro. Der Umsatz mit Bio-Produkten konnte seit 2013 um fünfzig Prozent erhöht werden, das entspricht einem fünfmal höheren Zuwachs als bei konventionell erzeugten Lebensmitteln. Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt kaufte im Vorjahr biologische Frischeprodukte im Wert von 148 Euro. Sowohl die Einkaufshäufigkeit als auch die eingekaufte Menge an Bio-Produkten steigen kontinuierlich an.

Dass Bio-Produkte in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus der Nische in die Breite gekommen sind, liegt aber nicht nur an den Konsumenten, wie BioAustria-Obfrau Gertraud Grabmann betont: „Die Erfolgsstory stützt sich auf Bauern, Politik, Lebensmitteleinzelhandel und Bio-Verbände.“ Die Dynamik lässt sich jedenfalls auch in den Zahlen der Biobauern ablesen: 23.500 landwirtschaftliche Betriebe in Österreich wirtschaften biologisch, das sind 21,3 Prozent, und bewirtschaften bereits ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichen Fläche; im Vorjahr ist die Bio-Fläche um knapp 17.000 Hektar gewachsen. Das Bild der kleinen Biobetriebe muss adaptiert werden, denn mittlerweile sind sie mit durchschnittlich 25 Hektar sogar größer als konventionelle Betriebe.

Einkauf von Bio-Produkten

(c) Bio Austria

Salzburg ist Bio-Spitzenreiter

Absoluter Spitzenreiter in der Bioproduktion ist Salzburg, wo mit 58 Prozent bereits der größere Teil der Fläche biologisch bewirtschaftet wird. Das Burgenland kommt auf rund 34 Prozent und auch in Wien liegt der Anteil der Bio-Fläche mittlerweile bei 32 Prozent. Den höchsten Anteil an Bio-Betrieben gibt es mit 48 Prozent ebenfalls in Salzburg, gefolgt von Wien und dem Burgenland. Die höchsten Zuwächse gab es im Vorjahr in Wien und im Burgenland, gefolgt von Niederösterreich.

Der Trend zu Bio lässt sich nicht nur in Österreich festmachen. Die vom statistischen Amt der EU, Eurostat, ermittelten Zahlen zeigen, dass die Bio-Fläche in der EU von 2012 bis 2017 um ein Viertel gewachsen ist und in vielen Ländern befinden sich derzeit weitere große Flächen in der Umstellungsphase. Österreich ist mit fünf Prozent der Bio-Fläche innerhalb der EU derzeit Bio-Spitzenreiter, aber wie Grabmann betont: „Der Bio-Markt in der EU ist sehr dynamisch, das hat natürlich auch Auswirkungen auf den heimischen Markt.“ Es sei wesentlich, dass sich die Nachfrage in Österreich mit dem Angebot weiterentwickelt. Potenzial ortet die Bio-Vertreterin in der Gastronomie, Betriebsküchen und in der Erschließung neuer Export-Märkte. „Bio aus Österreich geht weit über EU-Vorschriften hinaus, damit können wir punkten“, weiß Grabmann und darauf will man auch bei der weltweit größten Bio-Fachmesse in Nürnberg hinweisen. Als Hoffnungsmärkte werden konkret Japan, die Golfregion und all jene Märkte ausgemacht, die eine Eigenversorgung nicht dauerhaft gewährleisten können. BioAustria will das Engagement auf diesen Märkten verstärken und heuer etwa in Dubai und Tokio mit Marktpartnern auf Messen vertreten sein.

Wie hoch der österreichische Bio-Export aktuell ist, lässt sich allerdings nicht ermitteln, da es keine Kennung im Zolltarif gibt. Wenn man allerdings weiß, dass zwei von drei heimischen Lebensmitteln in den Export gehen, aber man den Exportriesen Red Bull herausrechnen kann, dann schätzt Michael Blass, dass derzeit rund die Hälfte der heimischen Bio-Produkte ins Ausland gehen.

Die Bestseller im Bio-Bereich sind ESL-Milch, Eier, Milchprodukte und Frischgemüse, die im Vorjahr alle wertmäßig zulegen konnten. Den höchsten Bio-Anteil im Lebensmitteleinzelhandel verbuchen auch die Sortimente Eier und Milch, die auf hohem Niveau weiter wachsen (siehe Grafik). Unterdurchschnittlich fällt der Bio-Anteil bei Fleisch, Geflügel, Wurst und Schinken aus. Hier erkennt Blass „Luft nach oben“, wenngleich der Preisdruck bei Fleisch höher sei: „Es braucht einen Paradigmenwechsel zu mehr Wertschätzung für Wertschöpfung und Tierwohl.“

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