Mit System zur Nummer eins

Mit System zur Nummer eins

Die Damen der Linz AG Froschberg gehören seit Jahren zur europäischen Tischtennis-Elite. In Österreich unangefochten, greifen sie in dieser Saison nach dem Titel in der Champions League. Es wäre der dritte in zehn Jahren.

Von Markus Geisler

Günther Renner war die Erleichterung anzusehen. „Puh, das war ein hartes Stück Arbeit“, stöhnte der Gründer und Big Boss der Froschberger Tischtennis-Damen. Soeben wurde der französische Klub Metz mit 3:2, dem knappsten aller Ergebnisse, niedergerungen, was den Einzug in das Halbfinale der Champions League bedeutete. Eine grandiose Leistung, aber keineswegs Neuland für den Linzer Klub, der es seit Gründung des Bewerbs 2005 bis auf eine Ausnahme immer unter die Top vier schaffte, viermal ins Finale kam und zweimal ganz oben auf dem Stockerl stand. „Mit unserer Konstanz traue ich mich zu sagen, dass wir die Nummer eins Europas sind“, erzählt Renner stolz. Und verweist auf die unglaubliche Erfolgsgeschichte des Vereins, der vor gut 25 Jahren begann, professionelle Strukturen aufzubauen und seitdem nationale wie internationale Maßstäbe setzt.

Von Anfang an als Partner dabei: die namensgebende Linz AG und die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, „ohne die solche Erfolge nicht möglich gewesen wären“, wie Renner sagt. Ein anderer Baustein: die klar definierte Philosophie. Andere mögen fertige (und teure) Profis in ihre Vereine locken, in Linz investiert man lieber Energie, um selber welche zu entwickeln. So wie bei Sofia Polcanova, die das Ranking der besten europäischen Spielerinnen seit einem halben Jahr anführt. Als die gebürtige Moldauerin zehn Jahre alt war, bekam Renner erstmals den Tipp, dass im fernen Chis¸ina˘u ein herausragendes Talent heranwächst. „Seit ihrem elften Lebensjahr haben wir sie regelmäßig zu uns eingeladen, als sie mit 14 Jahren ihren Schulabschluss gemacht hat, ist sie dann komplett nach Linz gezogen.“ Und zwar zunächst ins Privathaus der Renners, denn auf die familiäre Atmosphäre legt man damals wie heute einen gesteigerten Wert.

Tiischtennis-Ass Sofia Polcanova

Sofia Polcanova sorgt für den richtigen Spin. (c) Pilik

Zehn Jahre später kann man feststellen: Es hat sich für alle Beteiligten gelohnt. Polcanova hat es, neben vielen anderen Erfolgen, zu den Olympischen Spielen nach Rio geschafft und mit der österreichischen Nationalmannschaft die Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2014 gewonnen. Und Linz AG Froschberg hat seinen Status gefestigt, beim Spiel mit der Zelluloid-Kugel das Um und Auf zu sein. Mittlerweile stellt der Klub drei von acht Teams in der höchsten nationalen Spielklasse, 19 Staatsmeistertitel stehen zu Buche, dazu kommen 13 Erfolge in der Super League, einem Zusammenschluss der besten Klubs aus den Ländern Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Kroatien und der Schweiz. „Viele Nationen – USA, Großbritannien oder Schweden – schicken uns ihre Mädchen, weil sie wissen, dass es bei uns eine exzellente Ausbildung gibt“, erzählt Renner. „Unser Vorteil ist der, dass wir uns die Besten herauspicken und an unsere erste Mannschaft heranführen können.“ So wie es vor langer Zeit schon bei Liu Jia der Fall war. Die Ausnahmespielerin (fünf Olympia-Teilnahmen!) kam 1997 aus Peking nach Linz, spielte mehr als 20 Jahre für Froschberg und steht mittlerweile in der deutschen Bundesliga beim SV DJK Kolbermoor unter Vertrag.

Zu einer erfolgreichen Tischtennis-Mannschaft gehört natürlich auch eine adäquate Halle, und hier wurde mit dem Einzug in den Sportpark Lissfeld im Jahr 2009 ein echter Meilenstein gesetzt. Renner: „Man muss es klar sagen: Ohne unsere Erfolge hätten wir nicht diese Halle. Und ohne diese Halle hätten wir unsere Erfolge nicht konservieren können. Die Infrastruktur, die uns dort zur Verfügung steht, ist einzigartig.“ Hier werden im März wieder knapp 400 begeisterte Fans die Linzer Damen, zu denen neben Polcanova auch Top-Spielerinnen wie Linda Bergström oder Wai Yam Minnie Soo gehören, anfeuern, wenn es im März im Champions-League-Halbfinale gegen den polnischen Klub KTS Enea Siarka Tarnobrzeg geht. Ein Match, in dem es keinen klaren Favoriten gibt. „Die besten vier Teams verfügen ausschließlich über großartige Spielerinnen, da entscheiden kleinste Details, wer die Nase vorn hat“, weiß Renner. Es würde jedenfalls keinen Insider wundern, wenn es die Froschberger wären, die am Ende die größten Sprünge machen.

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