Neue Heimat für die Bildung

Neue Heimat für die Bildung

Nach 43 Jahren Sektorbildung in der Steingasse hat der Raiffeisen Campus sein neues Zuhause bezogen.

Von Edith Unger

Der neue Standort des Raiffeisen Campus am
Gelände der Wirtschaftsuniversität Wien.

Seit 1974 war die gemeinsame Bildungsadresse von Raiffeisen Österreich „Steingasse 11–13“. Wie geplant ist mit Jänner 2018 der Raiffeisen-Bildungsbetrieb an seinen neuen Standort in die Nähe des Campus der Wirtschaftsuniversität Wien übersiedelt. Die letzte Bildungsveranstaltung im langjährigen Bildungshaus Steingasse fand am 20. Dezember 2017 statt und wurde mit einem großen Abschiedsfest auf Einladung von Generalanwalt Walter Rothensteiner, dem Beiratsvorsitzenden des Raiffeisen Campus, und dem RBI-Generalbevollmächtigten und Vorsitzenden der Hausgemeinschaft Steingasse, Michael Höllerer, begangen.
Rund 60 Wegbegleiter der früheren Raiffeisen Akademie und des heutigen Raiffeisen Campus kamen in den dritten Wiener Bezirk, um auf die gemeinsame Bildungseinrichtung aller Raiffeisenunternehmen nach 43 Jahren an diesem Standort zurückzublicken, diese zu würdigen, und um über die Zukunft der Raiffeisen-Sektorbildung zu sprechen.
„Die Bildung bei Raiffeisen hat eine gute Zukunft, aber auch eine große Vergangenheit“, sagte Matthias Breiteneder, neben Georg Gruber einer der beiden Geschäftsleiter des Raiffeisen Campus, in seinen Begrüßungsworten beim Abschiedsfest in der Steingasse. Unter den Festgästen waren auch Raiffeisen-Granden wie der ehemalige Generalanwalt Christian Konrad sowie die früheren Landesbank-Generaldirektoren aus dem Burgenland, der Steiermark und Vorarlberg, Julius Marhold, Georg Doppelhofer und Karl Waltle. Gemeinsam mit dem früheren RAK-Chef Karl Paulhart blickte man mit vielen Bildern, Impressionen und persönlichen Geschichten auf das Bildungsleben bei Raiffeisen zurück und erinnerte an Meilensteine in der Sektorbildung bei Raiffeisen.
Einen Ausblick auf den neuen Weg in der Sektorbildung gab Generalanwalt Rothensteiner: „Neue Rahmenbedingungen erfordern eine professionelle Bildung und das ist durch den Raiffeisen Campus gewährleistet“, betonte er. Dabei gehe es nicht um ein Haus, sondern um einen Ort, an dem Bildung optimal ablaufen könne. „Bei der Übersiedlung an den neuen Standort hatten wir eine Verbesserung für die Kunden des Campus in vielerlei Hinsicht als Ziel: bei der Verkehrsanbindung, der Unterbringung, der Verpflegung und natürlich der technischen Ausstattung“, ergänzte der Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes, Andreas Pangl.

Die Sektorbildung bei Raiffeisen startet in den neuen Räumlichkeiten. (c) Raiffeisen Campus (2)

„Fokus auf die Kernaufgabe“

Die Geschäftsleiter des Raiffeisen Campus, Matthias Breiteneder und Georg Gruber, im Gespräch.

Ändert sich durch den neuen Standort des Raiffeisen Campus auch etwas an der Bildungsarbeit?
Georg Gruber: Der Standortwechsel wurde bewusst genutzt, um den Raiffeisen Campus noch mehr als bisher auf die Kernaufgabe Bildung zu fokussieren. Alle sogenannten ‚non-core Aufgaben‘ wie Beherbergung, Verpflegung, aber auch die Produktion und Logistik rund um die Skripten und sonstige Unterlagen wurden an sorgfältig ausgewählte, professionelle Partner ausgelagert. Damit ist unser Kopf noch mehr frei, um uns ganz auf die Qualität und weitere Modernisierung der Bildungsarbeit zu fokussieren.

Was heißt das konkret?
Matthias Breiteneder: Bereits im Vorfeld des Standortwechsels wurden gezielt Innovationsvorhaben angestoßen. Zwei konkrete Neuerungen hinsichtlich der Lerntechnologie werden damit ab sofort umgesetzt. Wir arbeiten jetzt  in den Lehrsälen mit E-Beam, einer interaktiven Whiteboard-Lösung, und organisieren die Fachausbildungs-Lehrgänge, unsere Collegs, zunehmend als ‚paperless classroom‘, wobei die Teilnehmer mit der entsprechenden Software ausgestattet werden. Beide Technologien wurden von unseren jungen Pädagogen und IT-Experten sorgfältig evaluiert und in den vergangenen Monaten intensiv erprobt und ausgetestet.
Gruber: Und gleichzeitig leistet Bildungsarbeit so einen ganz elementaren Beitrag, damit sich die Raiffeisen-Mitarbeiter mit digitalen Werkzeugen und Methoden ‚anfreunden‘.

Welche Erwartungen haben Sie an das Bildungsjahr 2018?
Gruber: Wir sind sehr optimistisch. Die letzten fünf Jahre seit Gründung des Raiffeisen Campus haben gezeigt, dass die Raiffeisenbanken die hohe Qualität unserer Angebote von Jahr zu Jahr noch mehr schätzen. Praktisch alle Raiffeisenbanken in ganz Österreich buchen unsere Seminare, viele Geschäftsleiter machen sogar mehr als einmal ‚Halt‘ an der ‚Wissenstankstelle‘ Raiffeisen Campus.
Breiteneder: Dasselbe gilt auch für Funktionärinnen und Funktionäre. Wir erwarten heuer wieder mehr als 600 Teilnehmer aus dieser Zielgruppe, wobei uns das positive Echo auf den neuen Geno plus Lehrgang besonders freut. Fragt man, was die Teilnehmer ganz besonders an den Raiffeisen Campus Seminaren schätzen, so hört man folgende Antworten: praxisrelevante Inhalte, Top-Referenten und vor allem die Vernetzung mit Kollegen aus ganz Österreich. So verstehen wir eben ‚Treffpunkt Bildung‘.

Was sind die Highlights im Bildungsangebot 2018?
Breiteneder: Es gibt erstmals einen völlig neu konzipierten Lehrgang für Vertriebsmanagement. Wir konnten als Hauptreferenten den international renommierten Vertriebsexperten Prof. Nolte gewinnen. Das Projekt an sich entstand im Auftrag unseres ‚Paten‘ für das Privatkundengeschäft, Erich Ortner. Die Lehrgangsinhalte werden überdies mit dem Expertenteam Vertrieb des Raiffeisensektors abgestimmt, um eine optimale Übereinstimmung mit der Multikanalstrategie des Sektorprojekts ‚Digitale Regionalbankv zu gewährleisten.
Der erste Durchgang im Februar 2018 ist bereits ausgebucht, und auch für den zweiten Termin im Herbst 2018 gibt es erfreulicherweise schon viele Vorbuchungen. Kein Wunder, denn die Zukunft der Raiffeisenbanken, so viele Experten, entscheidet sich im Umbau der Vertriebsstrukturen, und das geht ohne qualifizierte Vertriebsmanager sicher nicht.

Rechnet sich Bildung für die Raiffeisenbanken?
Gruber: Ein Geschäftsleiter hat sich einmal besorgt geäußert, dass man viel Geld verlieren kann, wenn man in die Bildung der Menschen investiert, denn dann werden sie für den Arbeitsmarkt attraktiv und verlassen das Unternehmen. Ein anderer hat geantwortet: ‚Stell dir vor, du bildest sie nicht aus und sie bleiben!‘