„Nicht planen, sondern träumen“

„Nicht planen, sondern träumen“

Mit „Fit4Future“ möchte der Raiffeisenverband Salzburg wieder rund 2.000 Jugendliche auf ihrem Weg in eine erfolgreiche Zukunft unterstützen.

Von Alexander Blach

(c) RVS/Dirn (3)

Die Arbeitswelt ist verrückt geworden“, konstatierte Ali Mahlodji, Gründer der Berufsorientierungsplattform Whatchado.com, im Salzburger Kongresshaus. Sich als junger Mensch in der heutigen Welt – die sich mit rasantem Tempo verändert und weiterentwickelt – auf einen Plan für die eigene Karriere festzulegen, sei schlichtweg unmöglich. Das klassische Konzept der „Karriere“ ist obsolet. Der technologische Wandel lässt vermehrt traditionelle Berufsbilder sterben, aber genauso neue entstehen. So gibt es jetzt schon Jobs, die viele einfach noch nicht können. Ebenso wird es Berufe geben, die man heute nicht einmal kennt. Mit der Digitalisierung einhergehend nimmt auch die Vielfalt der Berufsbilder und der Ausbildungswege zu.
Schon mit 14 Jahren hatte Mahlodji die Idee zu einem „Handbuch der Lebensgeschichten“ oder eine Art „Freundschaftsbuch für den Arbeitsmarkt“, worin Berufstätige aus allen Branchen aus ihrem Arbeitsalltag erzählen, um sich informieren und vor allem orientieren zu können. Als Jahre später noch immer nichts dergleichen existierte, verwirklichte er seine Vision einfach selber. Mittlerweile sind über 6.500 Videos „vom Busfahrer bis zum Bundespräsidenten“ auf Whatchado zu finden – darunter auch mehr als 70 Videos aus dem Raiffeisensektor.

Ali Mahlodji

Um seine Vision verwirklichen zu können, müsse man sich auf seine Interessen fokussieren und eine Kultur des Scheiterns etablieren. „Ausprobieren und Fehler machen ist der normale Weg des Lernens“, bekräftigte Mahlodji. „Habt keine Angst vor der Zukunft. Plant sie nicht, sondern träumt sie“, motivierte der Unternehmer und EU-Jugendbotschafter die Schüler.
Globale Megatrends wie der technologische Wandel verändern aber nicht nur die Berufswelt, sondern auch die Wege, wie das verdiente Geld angelegt werden kann, erklärten Klaus Hager von Raiffeisen Salzburg Invest und Günther Schmid von Raiffeisen Capital Management. Die beiden zeigten den Jugendlichen, welche Branchen und Aktien vom demografischen Wandel, der Urbanisierung oder dem Klimawandel profitieren können. So lohne es sich zum Beispiel, in Unternehmen zu investieren, die sich mit Medizintechnik befassen, da vor allem in der westlichen Welt die Menschen immer älter werden. Auch der Zulauf in die Städte sei ungebrochen, so werden smarte Infrastruktur- und Mobilitätslösungen für den urbanen Raum immer attraktiver für Anleger.
Für die „weniger Wertpapieraffinen“ unter den Schülern bot Rupert Machreich von der Filiale Zell am See des Raiffeisenverbandes Salzburg eine Einführung in die Welt der Börse. Um den niedrigen Zinsen zu trotzen und ertragreich anlegen zu können, muss man letztendlich die Basics des Wertpapierhandels verstehen.
„Wie bei der Wirtschaftsbildung im Allgemeinen ist es auch speziell bei der Finanzbildung ganz wichtig, dass Jugendliche das nötige Rüstzeug in die Hand bekommen, um sich als mündige Wirtschaftsbürger in unserer Gesellschaft zurechtzufinden“, betonte auch Christoph Bachleitner, Marketingchef von Raiffeisen Salzburg, im Rahmen von Fit4Future.

Die Zukunft liegt im Miteinander
Justus Reichl, Leiter der Stabsstelle Genossenschaft im Österreichischen Raiffeisenverband, begann seinen Vortragsteil mit einer App-gestützten Spontanumfrage unter den Jugendlichen. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: So hielten zwei Drittel der Teilnehmer Kooperation für einen „ganz neuen Trend des 21. Jahrhunderts“ und mehr als die Hälfte der Befragten kreuzte als Lösung an, der Name „Raiffeisen“ komme vom chinesischen Wort für „großes Vertrauen“ oder „von einem besonders für Banktresore genutzten harten Eisen“ – eben dem Raiff-Eisen.
Umso überraschter waren die Teilnehmer dann von der Gedankenreise zu den Wurzeln vieler Trends von heute: „Coops“, „Sharing Economy“ oder auch die „Crowd“ – Reichl veranschaulichte anhand aktueller Beispiele die Aktualität der Raiffeisen-Idee. Aber auch die Schattenseiten modernen Sharings kamen zur Sprache. Etwa die Frage, wer bei Uber oder Airbnb die wirklichen Profiteure sind – die Wohnungs- bzw. Autobesitzer oder doch die App-Anbieter irgendwo im Hintergrund?
Als nachhaltigere Alternative präsentierte Reichl den Jugendlichen das Konzept der Genossenschaft – denn nur mit der Kraft der Gemeinschaft lasse sich Zukunft sichern. „Die Zukunft liegt im Miteinander“, gab er den Schülern abschließend mit auf den Weg.

Konfrontierer sein
Lehre, HTL oder Studium? In welchem Bundesland möchte ich studieren oder vielleicht doch ins Ausland gehen? – Schwerwiegende Entscheidungen wie diese können das Stress-Level schnell in die Höhe schießen lassen. Deshalb zeigte Thomas Wörz, Leiter des Raiffeisen Salzburg Schulsport-Modells, den Jugendlichen, wie sich Spitzensportler auf Wettkämpfe einstellen und mit Stress und belastenden Situationen umgehen.
Absolut wichtig sei die innere Bereitschaft: „Man muss den Körper darauf einstellen, die kommende Herausforderung anzunehmen“, erklärt Wörz. Flüchtet man bereits mental, wird es auch nicht zum Erfolg kommen – nicht die Aufgabe vermeiden, sondern konfrontieren. Natürlich sollte man Spaß dabei haben und sich nicht zu sehr ans Ergebnis klammern, sondern mehr den Prozess, den Weg zum Ziel, auskosten. Entscheidend sei es, Selbstregulierung zu lernen – sich aktiv entspannen und dann, wenn es ernst wird, die volle Kraft abrufen können. Das muss auch Karate-Weltmeisterin und Sportlerin des Jahres 2017, Alisa Buchinger, beherrschen: „Ich bin vor einem Wettkampf immer nervös, das brauche ich auch, um mich dann, wenn es darauf ankommt, fokussieren zu können.“ Ihre Formel für Erfolg: „Zielstrebig und konsequent den eigenen Weg verfolgen. Dann schafft man alles, was man sich vornimmt.“