Österreicher setzen auf Klein- und Regionalbanken

OTS0083 5 WI 0614 RAV0001 WB Fr, 22.Sep 2017
Raiffeisen / Banken / Wirtschaftspolitik / Digitalisierung / EU

Text als pdf

Trotz Digitalisierung: Österreicher setzen auf Klein- und Regionalbanken

Knapp 70 Prozent fordern Initiativen zum Erhalt ihrer Regionalbanken

Wien (OTS) – Die heimische Bankenlandschaft ist – anders als im Rest der Europäischen Union – gerade im ländlichen Raum von einer Vielzahl kleiner, lokaler und regional verankerter Banken geprägt. Die kleinste dieser Banken in Österreich hat eine Bilanzsumme von gerade einmal 18 Mio. Euro. Demgegenüber dominieren im übrigen Europa in erster Linie Großbanken mit Bilanzsummen von teilweise über 1.000 Mrd. Euro. In Österreich überwiegen vor allem die über 400 unter dem Dach von Raiffeisen gegründeten kleinen und lokalen Banken, die in ihrer Heimatregion engagiert sind. Eine vergleichbare Struktur findet sich bestenfalls noch in Deutschland und Südtirol. Im Lichte der zunehmenden Digitalisierung im Bankenbereich hat Raiffeisen die Akzeptanz von kleinen Lokal- und Regionalbanken in einer beim Meinungsforschungsinstitut GfK in Auftrag gegebenen Studie einem Reality-Check unterzogen. Die Ergebnisse wurden heute, Freitag, 22. September 2017, im Rahmen eines Pressegespräches der Öffentlichkeit präsentiert.

Die wesentlichste Erkenntnis der Studie: Trotz Digitalisierung kennen und schätzen die Österreicherinnen und Österreicher die Vorzüge lokaler Regionalbanken: 71 Prozent bestätigen die starke Verbundenheit ihrer Regionalbank zum Ort und 70 Prozent identifizieren ein besonderes Naheverhältnis ihrer Regionalbank zur ansässigen Bevölkerung und regionalen Wirtschaft. Als besondere Stärke der lokalen Regionalbanken erkennen knapp 60 Prozent die Förderung des gesellschaftlichen Lebens und Miteinanders in der Region und 54 Prozent die Unterstützung lokaler Vereine durch Regionalbanken. Immerhin 50 Prozent sehen die regionale Infrastruktur durch kleine Regionalbanken aufgewertet. In allen diesen Punkten übertreffen die Werte der kleinen Regionalbanken deutlich jene der großen Kommerzbanken im ländlichen Raum.

„Diese offenkundige Nähe der kleinen Regionalbanken zu den Menschen vor Ort begründet sich nicht zuletzt in der Tatsache, dass sie keine anonymen Aktiengesellschaften sind, sondern den Menschen in der Region selbst gehören: über 1,5 Mio. Österreicherinnen und Österreicher sind als Mitglieder einer der vielen Raiffeisen-Genossenschaften die Eigentümer ihrer eigenen Bank“, betont Andreas Pangl, Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes.

Während sich 56 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher zwar grundsätzlich für einheitliche Spielregeln für alle Banken aussprechen, erkennen doch 64 Prozent, dass es für kleine Lokal- und Regionalbanken ungleich schwieriger ist, die gleichen Regeln einzuhalten, wie sie auch für internationale Großbanken gelten. Eine wesentliche negative Auswirkung der Regulierung erkennen 54 Prozent der Befragten in schwierigerem Zugang zu Krediten und Finanzierungen und immerhin 55 Prozent fordern, dass Regeln für kleine Lokal- und Regionalbanken angepasst auf ihre spezielle Situation erlassen werden sollten. Klare Ablehnung erfahren Pläne auf europäischer Ebene zur Einführung einer EU-Einlagensicherung, bei der Lokal- und Regionalbanken für das Risiko internationaler Großbanken haften:
deutliche 82 Prozent sprechen sich klar gegen eine europaweite Bankenhaftung aus, während 57 Prozent die Sorge äußern, dass diese in über 100 Jahren gewachsene und bewährte Struktur wohl auch aufgrund überbordender Regulierungen künftig geschwächt werden könnte.

Vor diesem Hintergrund fordern 69 Prozent der Befragten mehr Initiativen zum Erhalt von Lokal- und Regionalbanken, zumal auch 64 Prozent der Auffassung sind, dass sich Lokal- und Regionalbanken stärker als Großbanken für die Belange der regionalen Wirtschaft und Betriebe vor Ort einsetzen. Schließlich erwarten 62 Prozent von den Lokal- und Regionalbanken, dass diese ihre Leistungen für die Bevölkerung und die Betriebe im ländlichen Raum noch stärker bekannt machen. Immerhin meinen 78 Prozent der Befragten, dass ohne Lokal-und Regionalbanken Arbeitsplätze im ländlichen Raum verloren gehen und ein wichtiger Partner – nicht nur im Bereich der Finanzdienstleistungen – fehlen würde (64 Prozent).

Generalsekretär Andreas Pangl abschließend: „Die Ergebnisse der Studie zeigen trotz Digitalisierung deutlich die hohe Akzeptanz und Relevanz von kleinen Lokal- und Regionalbanken für die Bevölkerung im ländlichen Raum. Wir verstehen das auch als Auftrag uns weiterhin gerade auf europäischer Ebene für bessere Rahmenbedingungen für diese Banken einzusetzen.“ (Schluss)