Basel III zur Unzeit

OTS0173 5 WI 0461 NEF0015 WB Di, 27.Sep 2011
Wirtschaft / Banken / Finanzen / Kredite / Unternehmen

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„Basel III kommt jetzt zur Unzeit“

Raiffeisen-Generalanwalt Konrad warnt vor negativen Auswirkungen auf die Realwirtschaft – Kreditklemme droht

Wien (OTS) – Angesichts des aktuell fragilen Zustandes der Finanzmärkte und der schwierigen Lage der Weltwirtschaft kommen die neuen, verschärften Eigenmittelvorschriften für Banken (Basel III) zur falschen Zeit. „Die ursprüngliche Zielsetzung von Basel III hat sich überholt. Zum Zeitpunkt des G-20-Beschlusses war eine Staatsschuldenkrise nicht erkennbar“, betont Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad am Dienstag in einer Aussendung.

Im Gefolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise beabsichtigten die G-20 eine nachhaltige Stabilisierung der Kreditwirtschaft. Oberste Priorität war es, weitere Staatshilfen für die Banken zu verhindern. „Vor dem Hintergrund der massiv geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist die Zielsetzung neu zu bewerten. Wir sind global mit schwer verschuldeten Volkswirtschaften konfrontiert, die sich teilweise bereits wieder in einer Rezession befinden“, gibt Konrad zu bedenken. Es stelle sich schon längst nicht mehr die Frage „Wer rettet die Banken?“, sondern „Wer rettet die Staaten?“

„Eine stärkere Regulierung des Bankensektors und eine Sanierung
des Staatshaushaltes ist nicht möglich“, ist sich der Generalanwalt sicher. Stärkere Regulierung führe zu einer Reduktion des Wachstums und damit der Steuereinnahmen, die bei der Sanierung des Staatshaushaltes fehlten. „Basel III zum jetzigen Zeitpunkt würde sich daher sogar krisenverschärfend auswirken“, betont Konrad und warnt auch vor der Gefahr einer Kreditklemme.

Die größte Herausforderung der Banken in der Umsetzung von Basel III werde im Kapitalaufbau liegen, was grundsätzlich nur auf drei Arten gedeckt werden könne: durch die – immer schwieriger werdende -Thesaurierung von Gewinnen, durch eine Zurückführung des Geschäfts und damit die Vergabe von weniger Krediten für die Wirtschaft, und schließlich über den Kapitalmarkt, was derzeit nur sehr schwer zu realistischen Konditionen durchführbar sei, analysiert der Generalanwalt.

Bei einer Gesamtbetrachtung der ATX-Unternehmen beträgt das Verhältnis Eigenkapital zu Marktkapitalisierung derzeit 0,7. Das heißt, dass der Börsenwert nur 70 Prozent des Buchkapitals beträgt. „Die Börsenkurse liegen derzeit bei den meisten Unternehmen deutlich unter ihrem inneren Wert. Die Zeit für Kapitalerhöhungen ist daher -sofern sie überhaupt möglich sind – denkbar ungünstig“, so Konrad. In einer solchen Situation sollten jene Banken, die sich in der Krise bewährt haben, nicht mit zusätzlicher Regulierung belastet werden.

Die Vorbereitungen auf Basel III laufen bereits jetzt auf Hochtouren, geplanter Start ist der 1. Jänner 2013. Aber auch die vorgesehenen Übergangs- und Einschleifregelungen über einen Zeitraum von sechs bis zehn Jahren können die Situation für Banken nicht entschärfen, zumal Kapitalinvestoren und Rating Agenturen die Einhaltung der verschärften Eigenmittel- und Liquiditätsvorschriften in der Regel sofort und ohne Übergangsfristen forderten, gibt Konrad zu bedenken.

„Basel III zum jetzigen Zeitpunkt einzuführen, wäre ein Fehler. Basel III darf daher frühestens nach einer nachhaltigen Erholung der globalen Wirtschaft und einer Überwindung der globalen Staatsschuldenkrise in Kraft treten“, betont der Generalanwalt.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Andreas Pangl
Geschäftsführer des Fachverbandes
der Raiffeisenbanken
Tel.: 01/717 07-1270

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