„Wir bauen unsere Erfolgsposition weiter aus“

„Wir bauen unsere Erfolgsposition weiter aus“

Der Österreichische Raiffeisenverband hat im Vorjahr einen Strategie­prozess gestartet, um seine Position im Sektor zu schärfen. Wir sprachen mit dem Generalsekretär des ÖRV, Andreas Pangl, über Handlungsfelder, Aufträge und Ziele.

Von Edith Unger

Herr Pangl, was war der Grund für den Strategieprozess des ÖRV und welches Zielbild verfolgt man dabei?
Andreas Pangl: Wie jedes Unternehmen muss der ÖRV auf Veränderungen im Umfeld und bei seinen Kunden reagieren. Deshalb hat Generalanwalt Walter Rothensteiner im vergangenen Herbst das Leitungsgremium des ÖRV, den Exekutivausschuss, zu einer Standortbestimmung eingeladen. Bei dieser Klausur wurde die Positionierung des ÖRV diskutiert, künftige Handlungsfelder definiert und die daraus resultierenden Aufträge fest­gelegt.

Was war das Ergebnis dieser Standort­bestimmung? Üblicherweise starten Strategieprozesse mit einer Stärken/Schwächen-Analyse. Wo sieht der ÖRV seine Stärken?
Pangl: Die strategische Erfolgsposition des ÖRV ist seine Alleinstellung als einzige bundesländer- und spartenübergreifende Plattform innerhalb der Raiffeisen-Familie. Damit bietet er sich für sektorweite Aufgaben geradezu an. In unseren Hauptgeschäftsfeldern ist in den vergangenen vier Jahren tatsächlich einiges gelungen: Mit der Initiative „Bewusst: Raiffeisen.“ hat sich der ÖRV eine hohe Kompetenz als Hüter und Entwickler der Raiffeisen-Werte aufgebaut; mit dem neuen Campus-Standort konnten wir Modernität und Dynamik in die Ausbildung bringen; in der Beratung haben wir uns aufgrund unserer Sektorerfahrung vielfach als die bessere Alternative zu externen Anbietern etabliert; und nicht zu vergessen der Funktionärinnen-Beirat als Signal und Impulsgeber für mehr Diversität in unseren Gremien. Hinzu kommen bewährte Stärken wie die Revision als „Hygiene-Faktor“ im Sektor, unser konsequentes Lobbying gegen alle Formen der Überregulierung sowie die Raiffeisenzeitung als die sektorweite Kommunikations- und Informationsplattform.

Andreas Pangl im Gespräch

(c) Natascha Unkart

Was steht auf der anderen Seite? Wo sieht der Exekutivausschuss Handlungsbedarf?
Pangl: Offenbar sind die vielfältigen Aktivitäten des ÖRV im Sektor teils noch zu wenig bekannt. Daran müssen wir arbeiten. Zwar ist uns mit dem Raiffeisen-Jubiläumsjahr ein deutlicher Schritt vorwärts gelungen, aber bei der internen wie externen Kommunikation des ÖRV ist zweifelsohne noch Luft nach oben. Selbiges gilt für unsere Services im Agrarbereich, wo wir mit einem Agrar-Netzwerk neue Akzente setzen wollen. Außerdem – und bei einem Strategieprozess ist das nicht überraschend – werden die Vorteile einer ÖRV-Mitgliedschaft und die Finanzierung der zahlreichen Verbandsleistungen unter die Lupe genommen. Schließlich wird geprüft, ob es nicht sinnvoll ist, den ÖRV von einem Verein in eine Genossenschaft umzuwandeln.

Wie sieht die Analyse des Umfeldes aus? Wo liegen hier die Chancen für den ÖRV?
Pangl: Raiffeisen ist ein großer und vielfältiger Markt, der uns ein breites Betätigungsfeld bietet. Bei Prüfung und Beratung können wir im Wettbewerb mit externen Anbietern sehr gut bestehen. Die wachsende Komplexität der Regulierung wird zudem noch effizientere Zusammenarbeit im Sektor erfordern. Hier wollen wir die bereits bestehende gute Kooperation mit den Revisionsverbänden noch vertiefen. Auch befindet sich die Idee der Genossenschaft derzeit gesellschaftspolitisch in einem deutlichen Aufwind. Den wollen und müssen wir nutzen. Und natürlich sehe ich es für den ÖRV nicht als Nachteil, dass sich unsere Mitglieder bei der Interessenvertretung erwarten, dass der Sektor mit einer gemeinsamen Stimme spricht.

Auf welche Änderungen im Umfeld muss der ÖRV reagieren?
Pangl: Mit der Gründung der Kooperationsgenossenschaft der Landesbanken hat es eine wesentliche Veränderung in der Raiffeisen Bankengruppe gegeben. Ich sehe die Kooperationsgenossenschaft jedoch keineswegs als Konkurrenz, vielmehr streben wir eine effiziente Zusammenarbeit und gute gegenseitige Ergänzung an. Ähnliches gilt für den Agrarbereich. Wie bereits erwähnt, ist dort künftig mehr eine Vernetzung in Querschnittmaterien und weniger die Unterstützung in Fachfragen vonnöten. Darüber hinaus ist der ÖRV wie alle Unternehmen durch die Digitalisierung gefordert, besonders im Bereich der Raiffeisenzeitung, des Raiffeisen Campus und der Revision. Mit unserem Projekt des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz im Rahmen der Abschlussprüfung sind wir aber Vorreiter unter allen österreichischen Prüfungsgesellschaften.   

Bei Strategieprozessen ist die Einbindung aller Stakeholder von großer Bedeutung. Wie sind die ÖRV-Mitglieder in diesem Prozess vertreten?
Pangl: Die in der Klausur definierten Handlungsfelder werden in Arbeitsgruppen abgearbeitet, wobei jedes Exekutivausschuss-Mitglied ein Thema als Sponsor übernommen hat. Wir haben sehr darauf geachtet, dass Vertreter aller betroffenen Mitglieder in diese Arbeitsgruppen eingebunden sind. Bei der Erstellung eines neuen Leitbildes ist mir zudem auch die Einbindung der ÖRV-Mitarbeiter wichtig.

Bis wann wird der Strategieprozess abgeschlossen sein? Wo sehen Sie den ÖRV in zwei Jahren?
Pangl: Das hängt von der Komplexität der einzelnen Themen ab. Wir wollen jedenfalls bis zur Generalversammlung im Juni 2020 die notwendigen Schritte gesetzt haben. Ziel ist es, die Profilschärfung bis dahin abzuschließen und dem gesamten Raiffeisen-Sektor als neutrale Drehscheibe, dynamischer Impulsgeber und gemeinsame Plattform zur Verfügung zu stehen – das ist unsere Erfolgsposition und die werden wir weiter ausbauen.

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