PS-starke Leistungs­schau

PS-starke Leistungs­schau

Größer, schneller, weiter, so präsentierten sich die Raiffeisen-Leasing-Flottentage 2018.

Von Elisabeth Hell

Ob elektrisch mit dem Jaguar I-Pace, off-road mit dem Mercedes Unimog, teilautonom mit dem Audi Q7, großspurig mit dem John Deere 8370 oder klassisch mit über hundert Neufahrzeugen – die 650 Besucher der Flottentage 2018 konnten im Öamtc-Fahrtechnikzentrum in Teesdorf testen und vergleichen, was das Zeug hält. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt und lockte heuer besonders viele Geschäftsleiter, Firmenkunden und Fuhrparkmanager an. „Wir wollen uns mit der Veranstaltung für das Vertrauen bedanken, wodurch wir es geschafft haben, in den vergangenen zwei Jahren unser Neufinanzierungsvolumen um 53 Prozent zu steigern“, berichtet Renato Eggner, Geschäftsführer Raiffeisen-Leasing Fuhrparkmanagement. Fuhrparkmanagement ist eine Dienstleistung und bei einer Dienstleistung gehe es um Menschen und partnerschaftliche Lösungen, so Eggner und: „Raiffeisen steht seit Jahrhunderten für Partnerschaften.“
Das kräftige Wachstum begründet sich neben den Menschen auch mit der führenden Rolle in der Elektromobilität. „Kein anderes Unternehmen hat eine derart große Erfahrung im Bereich Elektromobilität“, betont Eggner. Jeder zweite Tesla in Österreich ist über Raiffeisen-Leasing finanziert. Raiffeisen-Leasing wird aber auch für seine digitalen Lösungen, wie der innovativen Fuhrpark-App, als Partner geschätzt. „USPs muss man permanent weiterentwickeln“, findet Eggner und stellt neue Raiffeisen-Leasing-Telematik-Lösungen vor, die neben dem klassischen elektronischen Fahrtenbuch, eine automatisierte Diätenabrechnung, ein automatisiertes Lenkprotokoll – das ab dem 1. Jänner 2019 für Nutzfahrzeuge unter 3,5 Tonnen verpflichtend wird – und exakte Treibstoffkontrollen ermöglichen. In der Vorwoche startete Raiffeisen-Leasing auch als erste österreichische Leasinggesellschaft den Online-Direktabschluss für Kfz-Leasingverträge. Die Identifizierung des Kunden erfolgt dabei bequem via Smartphone. Einzigartig im Programm ist auch die neue Fuhrparkleiter-Versicherung.

(c) Raiffeisen-Leasing

Alternativen im Tank
Neben den beliebten Testfahrten stießen die Fachvorträge in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Finanzmarkt sowie Elektromobilität, auf reges Interesse. Warum die Energiewende im Tank dringend notwendig ist, führt Hermann Pengg, Audi-Projektmanager für e-fuels, dramatisch vor Augen: „CO2 führt zu einer Übersäuerung und Überhitzung der Meere, wodurch das Phytoplankton stirbt. Phytoplankton ist für jeden zweiten Atemzug verantwortlich. Es gibt somit nichts Wichtigeres und kein schlimmeres Problem als den Klimawandel.“ Das Problem sei, dass zu viel Erdöl und Kohle existiert, denn ansonsten hätte man sich schon viel früher mit erneuerbaren Energien beschäftigt.
Pengg sieht in Elektroautos einen wichtigen Beitrag zur Energiewende, allerdings „wenn man in China mit einem Elektroauto fährt, ist das schlechter fürs Klima als mit einem Benziner“. Man müsse sicherstellen, dass E-Autos mit grünem Strom fahren – in Österreich wird immerhin 72 Prozent des Stroms mit erneuerbaren Energien abgedeckt. Aber auch Elektroautos alleine werden zu wenig sein: Es brauche flüssige und gasförmige erneuerbare Kraftstoffe für Flugzeuge, Schiffe und den Lastkraftverkehr auf der Straße.
Audi beschäftigt sich seit Jahren mit der Weiterentwicklung von Biokraftstoffen und will damit mindestens 70 Prozent CO2 gegenüber fossilen Treibstoffen einsparen, keine Konkurrenz zwischen Tank und Teller und eine 100 Prozent kompatible Infrastruktur. „Unsere Vision ist, mit erneuerbaren Kraftstoffen alle Antriebssysteme zu versorgen. Der Energieträger macht die Nachhaltigkeit und nicht der Antrieb“, ist Pengg überzeugt. Natürlich müsse aber auch der Antrieb effizienter werden. Die Lösung ortet Pengg in Erdgas. Audi stellt in seinem Power-to-gas-Werk in Deutschland aus Wasserstoffen und CO2 Erdgas her und speist das in das deutsche Netz ein. Erdgasbetriebene Autos haben wesentlich geringere Luftschadstoffe und schneiden im Nachhaltigkeitsvergleich besonders gut ab – auch weil die Lithium-Ionen-Batterie bei Elektrofahrzeugen noch immer ein wunder Punkt ist. „Das Gasauto ist eine total unterschätzte Technologie, die auch von der Politik nicht ­gefeatured wird“, findet Pengg.

Fahrprofilanalyse
Voll in Fahrt ist die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. „Wir sind Pionier und finanzieren seit 2009 Elektrofahrzeuge“, unterstreicht Christine Scharinger, Elektromobilitätsexpertin bei Raiffeisen-Leasing. Auch Scharinger betont die Dringlichkeit durch den Klimawandel: „Wenn wir unser Verhalten nicht verändern, werden unsere Nachkommen keine Lebensgrundlage haben.“ Im April 2018 fragten rund 20 Prozent der Raiffeisen-Leasing-Kunden Finanzierungen für Elektrofahrzeuge an, wobei sowohl Privat- als auch Firmenkunden konstant hohes Interesse zeigen. Der deutliche Anstieg bei Elektrofahrzeugen wird auch mit dem E-Mobilitätspaket der Bundesregierung aus dem Jahr 2016 und den damit verbundenen Steuervorteilen begründet, die aber Ende 2018 auslaufen. Die weitere Entwicklung werde von den neuen Förderpaketen abhängen, ist Scharinger überzeugt.
Aktuell liegt der Anteil der E-Autos im Fuhrparkmanagement bei sieben Prozent und könnte noch höher sein, hätten die Automobilhersteller keine Lieferengpässe. Großes Potenzial ortet Scharinger vor allem bei Zweitautos, die aus der Erfahrung heraus elektrisch betrieben werden könnten, oder bei Firmenautos, die zwischen 10.000 und 15.000 Kilometer jährlich zurücklegen. Um auf Nummer sicher zu gehen, bietet Raiffeisen-Leasing seit gut einem Jahr eine eigene Fahrprofilanalyse an. Durch die Aufzeichnungen der Fahrten und Stehzeiten kann man im Vorhinein schon die Tauglichkeit von E-Autos für das persönliche Nutzungsverhalten ablesen: „Niemand braucht im Dunkeln tappen.“ Durch das neue „Zwei in Eins“-Fuhrparkvertragsmodell haben die Unternehmen mit einem Elektroauto auch die Möglichkeit, für längere Fahrten auf konventionell betriebene Fahrzeuge zuzugreifen.
Scharinger geht es stark um die Bewusstseinsbildung, dass ein Mobilitätswandel kommt. Dabei werden ganzheitliche Mobilitätslösungen – vom alternativbetriebenen Auto, Carsharing bis zum Elektrofahrrad – erarbeitet: „Alles ist besser als fossil.“

Teilautonom
Ein großer Trend bei Autoherstellern ist nicht nur der alternative Antrieb, sondern auch autonomes Fahren, das ebenfalls beim Flottentag getestet werden konnte. Die Autos halten selbstständig die Spur, können Geschwindigkeitsbeschränkungen automatisch erkennen und bremsen bei Hindernissen ohne Zutun. Autonomes Fahren ist bei den zugelassenen Modellen trotzdem der falsche Begriff, denn aus rechtlichen Gründen muss der Fahrer alle 15 Sekunden das Lenkrad berühren. Nicht notwendig ist das allerdings beim Remote-Parking – wo das Auto über eine App in die kleinste Parklücke gelenkt werden kann.

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