„RBI ist wieder im Wachstumsrhythmus“

„RBI ist wieder im Wachstumsrhythmus“

Die Hauptversammlung beschloss eine Dividende von 62 Cent je Aktie. Aufsichtsratspräsident Erwin Hameseder und CEO Johann Strobl sind auch für 2018 zuversichtlich.

Von Christian Lovrinovic

Die Hauptversammlung der Raiffeisen Bank International AG (RBI) beschloss für das Geschäftsjahr eine Dividende von 62 Cent je Aktie auszuschütten und wählte die Unternehmerin Andrea Gaal neu in den Aufsichtsrat. Insgesamt werden maximal knapp 204 Mio. Euro am 2. Juli 2018 ausgeschüttet. RBI CEO Johann Strobl versprach den Aktionären, sich für eine nachhaltige Dividendenpolitik mit Augenmaß einzusetzen, die sowohl eine mittel- und langfristige Stärkung der RBI als auch eine angemessene Dividende umfasst. „Nicht jede Hauptversammlung konnte über ein so gutes Ergebnis, wie wir es dieses Jahr vorlegen, abstimmen. Es hat sich ausgezahlt, dass Sie der RBI die Treue halten und ich hoffe, Sie tun das weiterhin“, betonte Strobl vor den Aktionären.

„Nicht jede Hauptver­sammlung konnte über
ein so gutes Ergebnis, wie wir es dieses Jahr vorlegen, abstimmen.“ – Johann Strobl
(c) RBI/Sailer

2017 erwirtschaftete die RBI eines der besten Ergebnisse in ihrer Geschichte. Das Konzernergebnis habe sich auf 1,1 Mrd. Euro verdoppelt, so Strobl. Darüber hinaus habe man sehr viele Aktivitäten gesetzt, „die uns auch in Zukunft stark machen werden“. Dazu zähle auch die Verbesserung der Kapitalquote, das oberste Ziel vergangener Jahre. „Wir haben uns als Ziel gesetzt, 13 Prozent als angemessene Kapitalquote im derzeitigen Umfeld zu erreichen.“ Mit 12,7 Prozent Kernkapitalquote CET1 (fully loaded) habe man dieses Ziel fast erreicht.
Einen sehr, sehr großen Ergebnisbeitrag habe auch das Transformationsprogramm der letzten Jahre geleistet. Auch bei den notleidenden Krediten sei die RBI mit dem Rückgang der NPL-Quote um 300 Basispunkte auf 5,7 Prozent gut unterwegs. Unterstützung kommt seit dem Vorjahr auch von der starken Konjunkturentwicklung in der Region Zentral- und Osteuropa (CEE): „In allen Ländern, wo wir tätig sind, sehen wir ein sehr gutes Wirtschaftswachstum“, erklärte Strobl. Alle diese Erfolge werden nicht nur im Aktienkurs anerkannt, sondern auch von Ratingagenturen mit verbesserten Ratings. Ende 2017 hatte die RBI insgesamt 81,2 Mrd. Euro an Kundenkrediten ausstehend, um 2 Prozent mehr als 2016. Berücksichtige man den Abbau notleidender Kredite, dann habe das Kreditwachstum im Vorjahr gut 5 Prozent betragen.
Der Rückzug der RBI aus Polen war keine leichte Entscheidung. „Wir haben das Ziel, das wir mit dem Kauf der Polbank angestrebt haben, in Polen eine stärkere Marktposition zu erreichen, nicht erreicht“, erklärte Strobl. Nun soll das durch den Verkauf der polnischen Kernbank freiwerdende Kapital in selektive Wachstumsmärkte investiert werden. Mit dem Abschluss des Verkaufs von Raiffeisen Polbank rechnet Strobl bis zum Schlussquartal 2018. Dass die Transaktion unterm Strich einen Verlust von 120 Mio. Euro bringe, hänge auch mit der relativ hohen polnischen Bankenabgabe zusammen, die „die Bewertung aller polnischer Banken drastisch verschlechtert hat – und das erleiden wir auch mit“, erläuterte der RBI CEO.
Eine wesentliche Repositionierung habe die RBI in Russland vorgenommen. Der Markt sei und bliebe ein wichtiger Ergebnisbringer. Die jüngsten US-Sanktionen gegen Einzelpersonen und Einzelunternehmen hätten allerdings zu Irritationen geführt, auch unter den RBI-Aktionären. Allerdings betragen die Kredite mit den sanktionierten Unternehmen nur 0,1 Prozent der RBI-Volumens, so Strobl.
Erfreut zeigte sich der CEO über die Kursentwicklung der RBI-Aktie 2017: „Der RBI-Aktienkurs hat sich von den Indices deutlich abgekoppelt und zu einer sehr, sehr guten Kursentwicklung geführt. Das war eine Riesenperformance im Vergleich zum Jahresanfang 2017.“ Das Konzernperiodenergebnis im ersten Quartal 2018 in Höhe von 399 Mio. Euro zeige, dass sich die erfolgreiche Entwicklung fortsetze. „Wichtig ist für uns, dass wir wieder in diesem Wachstumsrhythmus sind. Wir glauben, dass wir unser Kreditportfolio im niedrigen einstelligen Prozentbereich steigern können.“ Das laufende Geschäftsjahr könnte auf dem Niveau 2017 liegen. Die Prognosen für die CEE-Märkte der RBI seien für 2018/19 sehr gut – „das Wachstumspotenzial ist intakt“.
Erstmals wurde die Hauptversammlung von Präsident Erwin Hameseder geleitet, der auch von „einem sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2017“ sprach. Die gute Geschäftsentwicklung bestätige die in den Vorjahren getroffenen strategischen Geschäftsentscheidungen, trage maßgeblich bei, dass die RBI aus einer herausfordernden Transformationsphase erfolgreich und gestärkt hervorgehe. Das zeige sich in der gestärkten Kapitalbasis, in dem wesentlich verbesserten Risikoergebnis und der deutlich reduzierten Quote der notleidenden Kredite („non performing loans – NPL“). Für 2018 bekräftigte Hameseder die Wachstumsziele: „Die RBI wird ihre Strategie als führende Universalbank in CEE und Österreich mit dem übergeordneten Ziel einer langfristigen und nachhaltigen Wertschaffung weiter verfolgen.“
Für die nächsten Jahre gelte es weiterhin, ein selektives Wachstum in ausgewählten Kernmärkten anzustreben. Effektive Kapitalverwendung, umsichtiges Risikomanagement und die weitere Reduktion des Anteils der notleidenden Kredite bleiben auch künftig von hoher Bedeutung. „Für 2018 erwartet der Aufsichtsrat unter den bestehenden positiven Rahmenbedingungen und den guten Konjunkturaussichten in unseren Kernmärkten ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Mit dem sehr erfreulichen ersten Quartal 2018 hat die RBI-Gruppe den Jahresauftakt bereits erfolgreich absolviert“, freute sich Aufsichtsratspräsident Hameseder.

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