„Revision schafft Vertrauen“

„Revision schafft Vertrauen“

Genossenschaften gelten als eine der sichersten Rechts­formen. Dies hängt unter anderem mit der Prüfung durch unabhängige Genossen­schafts­revisoren zusammen. Wir sprachen mit dem Führungsteam der Revision im Österreichischen Raiffeisen­verband (ÖRV), Generalrevisor Michael Laminger, Alexandra Tychi und Andreas Gilly über aktuelle Entwicklungen in der Genossen­schafts­revision.

Interview: Edith Unger

Worin liegt der Vorteil einer genossenschaftlichen Revision?
Michael Laminger: Im Gegensatz zu einem klassischen Wirtschaftsprüfer wird bei der Genossenschaftsrevision neben der Jahresabschlussprüfung zusätzlich eine Gebarungsprüfung durchgeführt. Damit bietet sie auch ehrenamtlichen Funktionären eine verlässliche Hilfestellung bei der Erfüllung ihrer Kontrollaufgaben und schafft so die Grundlage für das große Vertrauen, das ihr die Mitglieder ihrer Genossenschaft üblicherweise entgegenbringen. Gerade bei einem breiten Eigentümerkreis, wie das bei der Genossenschaft der Fall ist, entsteht oft ein Informationsnachteil bei den Eigentümern, der durch die Genossenschaftsrevision gut ausgeglichen werden kann. Eine GmbH ist im Gegensatz dazu in der Regel eigentümerorientiert, mit einem kleinen Kreis an Eigentümern.

Michael Laminger und Alexandra Tychi (c) Alexander Blach

Was kann man sich konkret unter einer Gebarungsprüfung vorstellen?
Alexandra Tychi: Bei der Gebarungsprüfung wird eine Genossenschaft auch auf die Rechtmäßigkeit, Ordnungsmäßigkeit und Zweckmäßigkeit ihrer Einrichtungen, ihrer Rechnungslegung und ihrer Geschäftsführung geprüft. Insbesondere ist dabei auch die Erfüllung des Förderungsauftrags relevant. Im Vergleich mit den großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften stellen wir immer wieder fest, dass wir großen Wert darauf legen, wie die Funktionäre informiert und ob die wesentlichen Themen adressiert werden, damit diese auch in der Lage sind, ihre Aufsichtsfunktion durchzuführen. Darüber hinaus legen wir einen breiten Fokus auf Risikomanagement, Compliance und interne Revision, um den Funktionären auch in diesen Bereichen Prüfergebnisse mitzugeben. Fällt im Rahmen der Prüfung Verbesserungspotenzial auf, so wird das kommuniziert.

Wie ist die Revision im ÖRV aufgebaut?
Andreas Gilly: Insgesamt besteht unsere Abteilung aus circa 40 Mitarbeitern. Unsere wichtigsten Kunden sind die Banken. Und um auf die Dynamik in der Bankenbranche entsprechend zu reagieren, haben wir das Leistungsspektrum auf die Bedürfnisse der Banken ausgerichtet und auch in der Prüfungsabteilung Fachbereiche installiert, die von Experten geleitet werden. Diese dienen als Ansprechpartner für unsere Klienten und beschäftigen sich intensiv mit der Ausbildung und dem Coaching der Mitarbeiter bzw. erstellen sie die Prüfprogramme.
Tychi: Sowohl das Umfeld unserer Klienten als auch unseres hat sich stark verändert. Wir überprüfen laufend unsere Organisation, ob sie bestmöglich in diesem geänderten Umfeld funktioniert. Nicht nur die Banken müssen sich in der Organisation ändern, sondern auch wir, und wir nehmen diese Herausforderung auch laufend an.

Andreas Gilly (c) Alexander Blach

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Revisionsverbänden in den Bundesländern?
Laminger: Wirklich gut. Wir koordinieren das über den Revisionsausschuss einerseits, und eine Arbeitsgruppe Banken andererseits, die von Oberösterreich geleitet wird, sowie eine Arbeitsgruppe Ware unter der Leitung der Steiermark. Dieses System hat sich als gute Struktur erwiesen, bei der auch die Proportionalität gut gewahrt ist. Klar ist, dass eine Landesbank mehr können muss als eine kleine Raiffeisenbank. Wir haben eine gute Aufgabenverteilung zwischen uns und den Landesverbänden gefunden, um die Raiff-eisenbanken und die sonstigen Genossenschaften optimal zu servicieren.
Unsere Digitalisierungsprojekte Revisions-PC und verstärkte elektronische Kreditprüfung könnten wir als ÖRV ohne die intensive Zusammenarbeit mit den Revisionsverbänden finanziell gar nicht stemmen, das würde sich für keinen von uns einzeln auszahlen. Nur gemeinsam macht das Sinn. Würden wir das Digitalisierungsprojekt nur vom ÖRV aufsetzen, hätten wir über zehn Jahre Amortisationszeit. Jetzt sprechen wir von drei Jahren.

Arbeiten Landesverbände auch zusammen?
Laminger: Es gibt unterschiedliche Kooperationsmodelle auf der Primärstufenrevision, wobei Oberösterreich und Vorarlberg eng zusammenarbeiten. Grundsätzlich arbeiten die Verbände gemeinsam, um die großen Herausforderungen auch gemeinsam bewältigen zu können. Die Tiefe der Zusammenarbeit hängt aber auch teilweise von den IT-Systemen ab. Je einheitlicher die IT in der Bankengruppe zwischen zwei Bundesländern ist, desto mehr Synergien kann man nutzen. Auch die Kontenpläne spielen eine Rolle. Bei einem einheitlichen Kontenplan in der Bankengruppe hätten wir noch viel Synergiepotenzial.

Welche Maßnahmen zur Digitalisierung wurden in der ÖRV-Revision bereits gesetzt?
Tychi: Wir arbeiten laufend daran, durch eine elektronische Unterstützung von Tools die Prüfung effizienter zu gestalten. Uns war wichtig, dass wir unsere Zeit nicht mehr damit verbringen, händisch Daten in unser System zu übertragen. So war das früher einmal, ist aber heute nicht mehr State of the Art. Wir haben zum Beispiel das ARES-Tool zur automatisierten Kreditdatenanalyse, Stichprobenziehung und Kreditprüfungsdokumentation sowie für die automatisierte Erstellung von Berichtstabellen eingeführt.
Ebenso wurde ein Tool programmiert, das automatisch die Ergebnisse aus den Prüfungen in die bankaufsichtliche Berichterstattung überführt. Auch der elektronische Klientenakt als Dokumentationstool für die Prüfung wird laufend weiterentwickelt. Darüber hinaus haben wir das Planungs-, Urlaubs- und Trainingstool PLUTO entwickelt, um die Mitarbeitereinsatzplanung und -entwicklung zu optimieren und Workflows zu automatisieren.
Gilly: Damit können wir unsere hohe Prüfungsqualität sicherstellen und die Prüfung insgesamt effizienter gestalten.

Kann man diese Effizienzsteigerung, also Kosten- oder Zeitersparnis, quantifizieren?
Laminger: Wir schätzen die Zeitersparnis bei der Krediteinzelfallprüfung auf 40 Prozent pro Kreditakt. Die gewonnenen Ressourcen ermöglichen uns eine tiefergreifende Prüfung und schaffen Kapazitäten, um die durch das Abschlussprüfungsrechtsänderungsgesetz neuen, regulatorischen Anforderungen umsetzen zu können. Der dadurch entstehende Mehraufwand konnte bisher ohne Kostenerhöhungen für die Banken bewältigt werden.

Wie viele Tage ist ein Mitarbeiter unterwegs und wie viele Banken prüft er?
Gilly: Das ist unterschiedlich. Auf jeden Revisor kommen mehrere Banken. Die Prüfung hat einen gewissen Zyklus und startet bereits mit den Vorbereitungen Ende August, die Abschlussprüfungen und Sonderprüfungen laufen dann bis Anfang Juli. Die restliche Zeit investieren wir für interne Projekte, Weiterentwicklung unserer Prüfprogramme und für die Mitarbeiterausbildung. Ein Prüfer ist etwa 1.500 Stunden im Jahr unterwegs. Um die Reisetätigkeit der Revisoren zu reduzieren, haben wir ein Videokonferenzsystem installiert und ein Datenaustauschtool entwickelt.
Laminger: Erfreulicherweise hat sich das auch kostenmäßig bei uns ausgewirkt. Beim Vergleich Personalaufwand zu Reisekosten konnten wir den Reisekostenanteil in den letzten Jahren um mehr als ein Drittel reduzieren. Und wir sind wahrscheinlich noch nicht am Ende der Fahnenstange.
Tychi: Seit einem Jahr testen wir zudem ein Home-Office-Programm, wo einzelne, vordefinierte Tätigkeiten auch von zu Hause gemacht werden können. Damit haben wir etwas mehr Flexibilität – und Attraktivität – in unser Arbeitsumfeld bekommen.

Wie wirkt sich die neue Datenschutz-Grundverordnung auf die Revision aus?
Gilly: Wir haben ein Projekt aufgesetzt, damit die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf sensible Daten, die wir bei der Prüfung erhalten, gewährleistet ist. Insgesamt arbeiten wir schon auf den höchsten Standards und haben vor Jahren für den Datentransfer ein eigenes Datenaustauschtool implementiert, damit die Daten auf sicherem Wege vom Klienten zu uns kommen. Nun werden Prozesse und Richtlinien verfeinert und Systemdokumentationen überarbeitet.

Welche Karrieremöglichkeiten hat ein Revisor?
Gilly: Bei uns gibt es verschiedene Möglichkeiten. Nach einer Basisausbildung, die zirka zwei bis drei Jahre dauert, gibt es zwei Möglichkeiten: einerseits die Prüferschiene, wo man sich zum klassischen Revisor bzw. Wirtschaftsprüfer entwickeln kann. Die zweite Möglichkeit ist, dass sich der Mitarbeiter auch als Fachexperte weiterentwickeln kann. Beides wird von uns entsprechend gefördert.

Ist die Fluktuation bei der ÖRV-Revision hoch?
Laminger: Früher ja, wir konnten sie aber stark senken. Aufgrund der Außendiensttätigkeit haben wir uns maximal 10 Prozent als Ziel unserer Fluktuation gesetzt, und da liegen wir weit darunter. Im Schnitt haben wir zwei Abgänge pro Jahr. Wenn Mitarbeiter wechseln, haben sie früher eher zu anderen Großbanken gewechselt. Jetzt haben wir es geschafft, dass wir auch als Ausbildungsstätte für den Sektor gesehen werden, d.h. die letzten Wechsel waren vorrangig innerhalb der Bankengruppe, was wir begrüßen. Die ÖRV-Revision dient als Karrieresprungbrett für den Sektor. Wir haben eine so hohe Kompetenz aufgebaut, die auch von den Wirtschaftsprüfern anerkannt wird. Nicht wir richten unseren Blick zu den Großen, sondern oft ist es jetzt umgekehrt. Vor allem in der Bankprüfung sind wir auf Augenhöhe mit den Big Four. Und was dazu kommt: Bei uns bekommt man sogar mehr ums gleiche Geld und manchmal sogar um weniger.

Welche rechtlichen Änderungen waren zuletzt für die Revision ausschlaggebend?
Laminger: Den ersten großen Schub hatten wir durch Basel III. Wir haben unseren Prüfungsansatz grundsätzlich ändern müssen. Aktuell beschäftigt uns IFRS 9. Die internationalen Prüfungsstandards sind für die drei großen Landesbanken Steiermark, OÖ und NÖ-Wien anwendbar, und da kommt ein neuer Standard, der sich auf die Bewertung von Finanzinstrumenten auswirkt, auf uns zu.
Ein weiterer Fokus: unsere Landesbanken müssen einen Prüfungsausschuss einrichten, mit einem enorm großen Aufgabenkatalog. Wir haben das Ziel, den Prüfungsausschuss optimal zu servicieren, damit er seinen Aufgaben gerecht werden kann. Da ist aber auch die intensive Kommunikation zwischen Prüfungsausschussvorsitzenden, Revisor bzw. uns als Verbandsvertreter sehr wichtig.

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