Breit gestreut

Breit gestreut

RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf blickt trotz einer enttäuschenden Ernte und Logistikproblemen auf ein „sehr erfreuliches“ Jahr 2018 zurück.

Von Alexander Blach

Extreme Trockenheit und Niederschläge hinterließen 2018 deutliche Spuren auf Österreichs Feldern. Als Partner der Landwirtschaft bekamen auch die Raiffeisen Ware Austria (RWA) und die Lagerhaus-Genossenschaften die Auswirkungen der erneuten schlechten Ernte zu spüren. So machte sich einerseits die mangelnde Kaufkraft der Landwirte bemerkbar, andererseits gab es hervorragende Weizenqualitäten, wie Generaldirektor Reinhard Wolf erläutert. Aufgrund der Trockenheit waren die Proteinwerte bei der Braugerste beispielsweise schon fast zu hoch. Dank „sehr vernünftiger Partner in der Brauindustrie“ konnte aber trotzdem vieles verwertet werden. Zudem führte die langanhaltende Hitze zu einer Herausforderung, „die in dieser Dimension für uns völlig neu war“: Niedrigwasser am Rhein-Main-Donau-Kanal bremste den Güterverkehr erheblich und stellte die RWA vor gravierende Logistikprobleme. „Wir mussten sehr kurzfristig – um Lieferzusagen einhalten zu können – Transporte von Schiff auf Wagon und LKW verlagern. Aufgrund der hohen Nachfrage haben natürlich auch die Spediteure ihre Tarife erhöht“, erklärt Wolf die dadurch entstandenen Zusatzkosten.

RWA GD Wolf

(c) Karl Schrotter

Nichtsdestotrotz konnte der Konzernumsatz der RWA im Geschäftsjahr 2018 um 3,1 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro gesteigert werden. „Das EGT beläuft sich auf 22,4 Mio. Euro. Das ist geringfügig unter dem Vorjahr, aber besser als Plan. Insofern sind wir zufrieden“, sagt Wolf. Das Ergebnis sei vor allem der breiten Streuung der Geschäftsaktivitäten und der positiven Entwicklung der Beteiligungsunternehmen zu verdanken.

Im Detail

Am schwierigsten war die Situation im Agrarbereich. Die im RWA-Konzern gehandelte Getreidemenge sank in Folge der geringen Ernte von 3,4 auf 3,06 Millionen Tonnen. Dies wurde durch eine „sehr positive“ Entwicklung im Futtermittel-Sektor – die RWA-Tochter Garant-Tiernahrung konnte ein Wachstum von 6 Prozent verzeichnen – sowie einem „stabilen und guten“ Verlauf in den CEE/SEE-Ländern kompensiert, sodass sich der Agrarumsatz leicht um 2,2 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro erhöhte.

Der Umsatz im Technik-Segment stieg 2018 um 62,5 Prozent auf 235 Mio. Euro. Der Zuwachs ist maßgeblich auf die 2018 erstmals ganzjährige Vollkonsolidierung des Lagerhaus-Technik-Centers im RWA-Konzern zurückzuführen. „Insofern ist das ein Sondereffekt in den Zahlen“, kommentiert Wolf. „Mehr freut uns, dass wir mit unserer Hauptmarke John Deere in der Zulassungsstatistik den zweiten Platz errungen haben.“

In den Bereichen Bau und Garten bzw. Baustoffe zeigte die RWA einen Rückgang der Umsatzerlöse. Die Umsatzreduktion im Segment Bau und Garten auf 110 Mio. Euro – ein Minus von 49,8 Prozent – ergibt sich allerdings durch neue Bilanzierungsregelungen nach IFRS. Bereinigt um diesen Effekt stiegen die Umsatzerlöse vor dem Hintergrund einer allgemein guten Kaufkraft der privaten Haushalte um 2,1 Prozent, erklärt der Generaldirektor.

Im Energiesektor verzeichnete die RWA mit 785 Mio. Euro einen Mehrumsatz von 9,3 Prozent. „Die Umsatzsteigerungen waren sehr preisgetrieben. Wir haben uns aber ergebnismäßig gut entwickeln können“, so Wolf. In einem von Mengenknappheit geprägten Mineralöl-Markt, bedingt durch das Niedrigwasser und des Raffineriebrands in Vohburg, habe man aufgrund guter Lieferverträge eine entsprechend gute Marktposition erzielen können.

Im Bereich Digital Farming – dem „kleinsten und neuesten Geschäftsfeld“ – konnte ein Umsatz von 380.000 Euro erwirtschaftet werden. „Da es sich dabei um ein Dienstleistungsgeschäft handelt, ist es umsatzmäßig noch sehr klein, aber es freut uns, dass wir hier Platz greifen konnten“, resümiert Generaldirektor Wolf. So kamen im Vorjahr auf über 5.000 Hektar die Lagerhaus-Drohnen zum Einsatz. „Eine Bestätigung dafür, dass die Landwirtschaft neue Lösungen braucht und sucht“, so Wolf.

Im Verbund

Die Lagerhaus-Genossenschaften steigerten ihren Gesamtumsatz um 4,4 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro. Mit Ausnahme von Agrar haben sich alle Segmente positiv entwickelt. Dank großer Anstrengungen der Genossenschaften blieb Agrar mit einem minimalen Rückgang von 0,1 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro stabil.

Das Technikgeschäft verzeichnete trotz der schwierigen Marktsituation „ein respektables Plus“ von 7 Prozent und erreichte einen Umsatz von 725 Mio. Euro, der Energiebereich erzielte sogar ein Wachstum von 12 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Das Segment Baustoffe wuchs um 2,2 Prozent auf 718 Mio. Euro, Bau und Garten um 0,5 Prozent auf 645 Mio. Euro.

Österreichweit werden rund 12.500 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 1.000 Lehrlinge. Diese zu bekommen werde aber immer schwieriger, sagt Generaldirektor Wolf. Mit Lehrlings- und Employer Branding-Initiativen in allen Bundesländern versuche man sie an die Organisation so gut es geht zu binden. „Wir freuen uns über jeden Lehrling, der kommt. Es gibt kaum eine Unternehmensstruktur, die in der Lehre so vielfältig und breit aufgestellt ist“, betont Wolf die 27 verschiedenen Lehrberufe innerhalb des Raiffeisen Warensektors.

In Zukunft

Der fortschreitende Klimawandel sowie gesellschaftliche Trends in Richtung Nachhaltigkeit veranlassen die RWA ihr Engagement in entsprechenden Zukunftsfeldern zu verstärken. Dazu zählt unter anderem die Weiterentwicklung des Wassertechnikunternehmens Parga als nunmehr 100-Prozent-RWA-Tochter, der Erwerb des Unternehmens Citygreens, die Gründung einer eigenen Konzernunit für Photovoltaik oder der Einstieg in die Saatzucht Edelhof zur Entwicklung von an sich ändernden österreichischen Klimaverhältnissen angepassten Getreidesorten.

Im Bereich Futtermittel setzt man weiterhin auf Nischen und investiert heuer weiter in Fischfutteranlagen. Das Engagement für die Biolandwirtschaft werde man ebenfalls beibehalten, sagt Wolf: „Die Bioflächen sind weiter gestiegen. Das Vermarktungsvolumen bei Biogetreide wird neuerlich steigen. Wir merken, dass der Markt zu einer Sättigung kommt. Nichtsdestotrotz haben wir neue Biostandorte etabliert und umgerüstet.“

Nachdem dieses Jahr der erste Lagerhaus Bau- und Gartenmarkt mit neuem Konzept in Korneuburg eröffnet wurde, sollen bis 2020 etwa 15 weitere folgen und eine Vielzahl an bestehenden revitalisiert werden. Mit dem neuen Onlineauftritt, dem Onlineshop und dem Landwirteportal onfarming.at trägt man der Digitalisierung Rechnung. „Hier lernen wir noch jeden Tag dazu“, betont Wolf die Agilität der digitalen Welt.

2019 veranstaltet das Agro Innovation Lab, die Innovationsplattform der Baywa und RWA, zum ersten Mal kein Accelera-tion Programm für Agrar-Start-ups, sondern hat eine „Robotics Challenge“ ins Leben gerufen. Diese fokussiert sich auf Unternehmen, die innovative Robotiklösungen für den Einsatz in der Landwirtschaft anbieten und bereits einen funktionsfähigen Prototyp präsentieren können.

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