Salzburg – total verhext

Salzburg – total verhext

Ein Buch wandert ganz buchstäblich auf den Spuren von Hexen, Druden und Weißen Frauen in Salzburg.

Es war die tödlichste Verfolgung von Hexen, die Österreich gesehen hat. 133 Menschen wurden vom Henker hingerichtet und fünf Menschen starben in den feuchten, kalten und finsteren Löchern des alten Salzburger Amtshauses. Eine große Hysterie war ausgebrochen, Jakob Koller – bekannt als Zauberer Jackl – soll dunkle Kräfte gehabt und eine Verbrecherbande um sich geschart haben. Seine Mutter Barbara, die Schinder-Bärbel, wurde 1675 gefasst, gestand Opferstöcke gestohlen und mit Schadenszaubern dem Vieh geschadet zu haben. Sie wurde auf der Salzburger Richtstätte mit einer glühenden Zange gezwickt, erdrosselt und hinterher verbrannt. Auf ihren Sohn war eine Belohnung im Gegenwert von hundert Kühen ausgesetzt, Razzien durften nur zwischen elf und zwölf Uhr mittags durchgeführt werden, weil sich der Jackl in dieser Stunde nicht unsichtbar machen konnte, das war eine Anweisung des Salzburger Hofrats. Verdächtige konnten anonym angeschwärzt werden, sie wurden nach Satanszeichen durchsucht, mit Weihwasser gewaschen und bekamen geweihte Anhängsel. In Salzburg waren mehr als zwei Drittel der Hingerichteten Männer, die Hälfte unter 21 Jahren. Der Jackl selbst wurde nie gefunden.

Schauderhaft: 1682 bis 1688 wurden auf Schloss Moosham im Lungau 22 Frauen und 12 Männer wegen Hexerei hin­gerichtet. (c) Evely-Theresia Grießner

Gleich mehrere Wandertouren bietet das Buch „Gruselwandern in Salzburg“ an, um auf den Spuren des Zauberers Jackl zu wandeln – nicht nur in der Stadt Salzburg, sondern auch bei Kuchl, Golling und in der Riedenburg soll er sein Unwesen getrieben haben. Der 30-jährige Krieg war 1648 zu Ende gegangen und sendete noch immer seine Schockwellen durch die Gesellschaft, viele Menschen waren verarmt und streunten ziellos übers Land, sie bettelten und mussten sich mit Gaunereien über Wasser halten. Zudem verkürzte eine klimatische Abkühlung die Phasen, in der Pflanzen wachsen konnten, die Ernten fielen viel karger aus. Dem war die Landbevölkerung weitgehend hilflos ausgeliefert. Was sie aber nicht verstehen konnte, dafür suchte sie Gründe, die nicht zu beweisen waren. Deshalb wurden die Geständnisse unter grässlicher Folter erzwungen wurden, die restliche Zeit mussten die Vorverurteilten in kalten Keuchen, also Zellen, ausharren. Clemens M. Hutter flechtet die größeren Zusammenhänge immer wieder gekonnt in seine Touren ein. Andere Kapitel sind schlicht skurril.

Rund ums Ende des Zweiten Weltkriegs soll sich hartnäckig das Gerücht gehalten haben, dass sich Teile der Waffen-SS in Werwölfe aufsplittern und in den Bergen weiter gegen die Besatzer kämpfen würden. Tatsächlich, und das verschweigt das Buch, gab es eine Operation Werwolf, die vom Reichsführer der SS Heinrich Himmler initiiert wurde. Eliteeinheiten sollten hinter den alliierten Linien verdeckt kämpfen, Attentate ausführen, spionieren und sabotieren. Nur Jospeh Goebbels wollte eine Partisanenbewegung daraus machen und versuchte das propagandistisch zu inszenieren.

Man erfährt dafür mehr über die Druden am Wolfgangsee, die den Menschen ihren Atem rauben, von einer Weißen Frau in der Festung Hohensalzburg oder die Saligen Frauen – gute, glückliche Geister, die direkt von Adam und Eva abstammen sollen. Die insgesamt 59 Touren beinhalten knappe Beschreibungen des Wanderwegs, Dauer und Höhenmeter sowie eine Umgebungskarte. Garniert sind die kurzweiligen Erzählungen mit hübschen alten Wörtern wie Schranne, Krampen, Keuchen oder Unflattschaff. stfn

„Gruselwandern in Salzburg“ von Clemens M. Hutter, Verlag Anton Pustet.

Posted in: