„Schneller, einfacher, bequemer“

„Schneller, einfacher, bequemer“

Raiffeisen NÖ-Wien baut das digitale Angebot weiter aus. Generaldirektor-Stv. Georg Kraft-Kinz und Patricia Kasandziev, Leiterin Online-Kunden, geben Einblick in die Strategie.

Von Alexander Blach

Die Digitalisierung ist bei unseren Kunden längst angekommen“, weiß Georg Kraft-Kinz. Mehr als 90 Prozent der Kontotransaktionen werden von den Kunden bereits digital beauftragt. Ob Abbuchungs- oder Dauerauftrag, eine Überweisung am Terminal in der Bankstelle oder Elba-Internet – das alles zählt zum digitalen Angebot der Raiffeisenbank. Electronic Banking wurde 1988 gestartet, Elba-Internet 1997 – von einer „Erfindung der Jetztzeit“ könne man also kaum sprechen, hält Kraft-Kinz fest. Für die Kunden ist das digitale Angebot etwas Selbstverständliches, nichts Besonderes, sondern einfach nur ein weiterer Weg zur Bank. „Und der Kunde entscheidet, wie er sein Bankgeschäft macht: in der Bankstelle, per Telefonservice oder virtuell und online“, so Kraft-Kinz. Entscheidend sei, dass jeder dieser Wege integrativer Bestandteil der Raiffeisenbank ist – Stichwort Omnikanalstrategie.

(c) RLB NÖ-Wien/Roland Rudolph

Mit dem Online-Angebot soll in erster Linie das Finanzleben der Kunden so einfach wie möglich gestaltet werden, sagt Patricia Kasandziev. So steht den Raiffeisen-Kunden seit Herbst 2017 das neue Finanzportal „Mein Elba“ zur Verfügung. Dieses kann individuell gestaltet werden und verfügt über einen Finanzmanager, der die Umsätze des Kunden kategorisiert und einen Überblick über die budgetäre Situation bietet. Das Finanzportal werde sehr gut angenommen. Knapp 80 Prozent der Elba-User sind laut Kasandziev bereits umgestiegen. Besonders sei die agile Weiterentwicklung des Finanzportals: Direktes Kunden-Feedback fließt in den kontinuierlichen Entwicklungsprozess des Systems mit ein, damit das Portal stets den Vorstellungen der Nutzer entspricht.
Mit Beginn des Jahres wurde auch der Mobile-App ein Facelift verpasst. Neben neuem, modernem Design bietet die App eine verbesserte Bedienbarkeit und nützliche Funktionen wie den Login per Fingerabdruck, den Erlagschein-Scanner oder den Zugang zu Online-Produkten.
In den vergangenen eineinhalb Jahren hat Raiffeisen NÖ-Wien einen Online-Kredit mit einer Summe bis zu 30.000 Euro, Online-Leasing oder das Online-Studentenkonto auf den Markt gebracht. Drei Produkte, die komplett im Netz per Video-Ident-Verfahren abzuschließen sind und keinen Besuch einer Bankstelle erfordern. „Wir sehen jedoch, dass Kunden diese Online-Antragsstrecken nutzen, um sich über das Angebot zu informieren und für den Abschluss doch oft in die Bankstelle kommen oder sich per Telefon durch den Antrag führen lassen“, so Kasandziev. Seit dem zusätzlichen Online-Angebot sind zum Beispiel alleine in Wien die Konsumfinanzierungen um 40 Prozent gestiegen.

Echte Direktbank
Ab sofort haben alle Kunden der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und der niederösterreichischen Raiffeisenbanken zusätzlich die Möglichkeit via Elba-App einen Konsumkredit mit einer Betragshöhe von bis zu 4.000 Euro zu beantragen. Voraussetzung für den „Mein Sofort Kredit“ ist ein Raiffeisen-Gehaltskonto mit regelmäßigen Eingängen. Die Bonitätsprüfung findet in Echtzeit statt, durch Tan-Zeichnung kann der Kunde binnen weniger Sekunden die Auszahlung des gewünschten Betrages auf sein Girokonto veranlassen, erklärt Kasandziev. Auch hier stehen die Kundenbedürfnisse im Mittelpunkt: „Da Konsumentscheidungen oft spontan am Point of Sale getroffen werden, wollten wir unseren Kunden die Möglichkeit geben orts- und zeitunabhängig, rasch und einfach einen Kredit beantragen zu können.“ Raiffeisen sei keine Direktbank im herkömmlichen Sinn, unterstreicht Kraft-Kinz und „auch wenn wir über hervorragende Online-Angebote verfügen, sind und bleiben wir direkt – von Mensch zu Mensch – und damit die einzig echte Direktbank.“
Mit März wird zudem ein eigener Online-Shop eröffnet, der allen online-abschließbaren Produkten einen Rahmen geben soll. Auch das Ticket-Service und die Raiffeisen Club-Vorteile werden dort enthalten sein. „Unser Ziel ist es, eine möglichst schlanke Palette an Basisprodukten zu haben, damit das Angebot überschaubar bleibt“, betont Kraft-Kinz. Als Nächstes sollen Girokonto und Kreditkarte online abschließbar sein. Das Motto heißt „Schneller, einfacher, bequemer.“

Kooperationen im Fokus
Durch die Digitalisierung würde aber auch das stationäre Geschäft profitieren: „Alles, was wir online entwickeln, nützt uns auch in der Bankstelle. Vereinfachte und standardisierte Prozesse, wie etwa bei ,Mein Sofort Kredit‘, entlasten unsere Beraterinnen und Berater, die dadurch mehr Zeit für die Betreuung individueller Kundenwünsche im persönlichen Gespräch haben“, so Kraft-Kinz.
Innovative Ansätze und neue Ideen resultieren auch aus Kooperationen mit Start-ups. „Wir lernen von ihnen. Sie bringen uns vieles bei“, sagt Kraft-Kinz, „und die Start-ups profitieren von unserer Erfahrung, unseren Ressourcen und natürlich dem notwendigen Marktzugang.“
Die RLB NÖ-Wien unterstützt deshalb das Accelerator-Programm 2018 im Wiener Start-up-Zentrum „weXelerate“. 52 Unternehmen aus aller Welt ziehen in den Innovations-Hub, um vier Monate lang mit etablierten Großunternehmen an konkreten Innovationsprojekten zu arbeiten. „Ziel sind Kooperationen, um unser Produkt- und Leistungsportfolio zu erweitern“, erzählt Kraft-Kinz. Die RLB NÖ-Wien beteiligt sich zusätzlich am Accelerator-Programm der Raiffeisen Bank International, dem RBI Elevator Lab. Im Gegensatz zu „weXelerate“ fokussiert dieses Programm ausschließlich auf Start-ups aus dem Finanzbereich.

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