Schöne Bescherung

Schöne Bescherung

Alle Jahre wieder werden die Erwartungen an das Weihnachtsgeschäft im Wiener Einzelhandel untersucht. Die Ergebnisse lassen optimistisch in den Dezember blicken.

Von Alexander Blach

Wir haben auch heuer wieder einen Blick in die Kristallkugel geworfen“, eröffnet Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien, die Präsentation der Umfrage zum Weihnachtsgeschäft 2017. Neben den Konsumenten werden von der KMU Forschung Austria dabei auch die Wiener Einzelhändler befragt. Immerhin sind die letzten Wochen des Jahres für manche Branchen entscheidend bei der Erreichung des Jahresumsatzes, erinnert Trefelik. So rechnen 26 Prozent der Wiener Einzelhändler mit steigenden Weihnachtsumsätzen im Vergleich zum Vorjahr. 51 Prozent erwarten, das hohe Vorjahresniveau wieder erreichen zu können. Besonders optimistisch geben sich heuer der Schuh- und Lederwareneinzelhandel, der Modehandel und der Lebensmittelhandel. 91 Prozent der Wiener wollen heuer wieder Geschenke kaufen und im Schnitt 350 Euro ausgeben – das stärkt natürlich die Erwartungen.

Rainer Trefelik (c) Florian Wieser Fotografie

Der Konjunkturaufschwung im Laufe des Jahres habe sich auch auf die Ergebnisse niedergeschlagen und lasse eine optimistische Einschätzung für das Weihnachtsgeschäft zu, wie Trefelik berichtet. Ähnlich wie in den letzten Jahren werden also 345 Millionen Euro Zusatzumsatz im Dezember prognostiziert – für Österreich gesamt werden wieder knapp 1,7 Mrd. Euro erwartet.
Aktionen wie das vergangene Black Friday-Wochenende und der darauffolgende Cybermonday würden Prognosen jedoch erschweren, betont Trefelik: „Wenn wir jedes Jahr das Weihnachtsgeschäft mit hohen Rabatten beginnen, stellt sich die Frage, ob wir die Zuwächse halten können?“

Jüngere kaufen später
Weiters zeigen die Umfrage-Ergebnisse, dass die Wiener ihre Weihnachtseinkäufe heuer später als in den Vorjahren erledigen werden. Ein Grund dafür könnte sein, dass der erste Adventeinkaufssamstag auf den 2. Dezember fällt – 2016 begann die Adventzeit bereits im November. 41 Prozent und damit deutlich mehr als im Vorjahr (29 Prozent) werden den Großteil der Geschenke in der zweiten Dezemberhälfte einkaufen. Zu den „Late-Shoppern“ zählen vor allem die 15- bis 39-Jährigen. 12 Prozent der Wiener haben allerdings bereits vor oder im Oktober mit dem Geschenkekauf begonnen – vor allem die Altersgruppe 60+ kauft gerne schon früher. „Das Weihnachtsgeschäft wird sich dadurch wieder stark auf die Woche vor dem Heiligen Abend konzentrieren“, weiß Handelsobmann Trefelik.
Verschenkt werden pro Käufer rund sechs Geschenke, in Summe sind das rund 9 Millionen Packerl – weniger als im Vorjahr, aber dafür teurere Geschenke. Die meisten davon werden vor dem Verschenken natürlich auch verpackt. Ob in Papier, in Geschenk-säcke oder -schachteln oder in ein Kuvert hängt dabei stark von der Art des Geschenks ab. So ergibt sich für Geschenkverpackungen österreichweit ein Umsatz von knapp 138 Mio. Euro, der zusätzlich zu den eigentlichen Geschenken ausgegeben wird, wie das Focus-
Institut in einer eigenen Umfrage errechnet.
Gutscheine sind erstmals an die erste Stelle des Geschenke-Rankings gerückt. 42 Prozent der Wiener werden 2017 Gutscheine verschenken: 30 Prozent davon für Einzelhandelswaren und 21 Prozent für Dienstleistungen. Auf Platz zwei folgen Bücher – auf den Plätzen drei bis sechs zeigen sich mit Bekleidung, Spielwaren, Kosmetika und Unterhaltung/Kultur im Vergleich zu 2016 keine Verschiebungen im Ranking. Selbstgemachtes hat einen Platz gut gemacht, Genussmittel gleich ganze fünf. Schmuck wird dafür weniger geschenkt – vom siebten auf den zehnten Platz.
Um die passenden Geschenke für ihre Lieben zu finden, lassen sich 66 Prozent der Wiener beim Schaufensterbummel oder direkt im Geschäft inspirieren. Das Shoppingerlebnis sei gerade in der Weihnachtszeit wichtig, betont Trefelik: „Die festliche Weihnachtsbeleuchtung in den Wiener Einkaufsstraßen und auch in den Geschäften ist ein wichtiger Teil der großartigen vorweihnachtlichen Shopping-Atmosphäre in unserer Stadt.“ Das Internet sei aber nicht wegzudiskutieren, als Informationsquelle wächst es: Heuer sind es 58 Prozent, die im Netz auf Ideensuche gehen. Jüngere verwenden vor allem die unterschiedlichen Social Media-Kanäle. „Informieren im Internet und kaufen im lokalen Geschäft: das ist aus Sicht des Handels die wünschenswerteste Variante“, unterstreicht Trefelik. Trotzdem planen 40 Prozent ihre Weihnachtsgeschenke zusätzlich zum Shoppen in den Geschäften auch im Internet einzukaufen – das entspricht in etwa demselben Anteil wie im Vorjahr. „Onlinehandel ist ein Faktor, aber macht noch immer 10 Prozent des Gesamtvolumens aus. Das heißt, der stationäre Handel ist noch immer der wesentliche Träger des Weihnachtsgeschäftes“, wie Trefelik abschließend festhält.