Starker Start ins Jahr

Starker Start ins Jahr

Die Raiffeisen Bank International steigerte das Konzernergebnis im 1. Quartal um 81,4 Prozent auf 399 Mio. Euro. Für 2018 hat sich CEO Johann Strobl „viel vorgenommen“.

Von Christian Lovrinovic

Die Raiffeisen Bank International (RBI) erzielte im Auftaktquartal 2018 einen deutlichen Ergebnissprung. „Wir sind gut in das Jahr gestartet. Wir konnten unser operatives Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr steigern und Kreditrisikovorsorgen auflösen“, fasste RBI-Vorstandsvorsitzender Johann Strobl die Geschäftsentwicklung in den ersten drei Monaten zusammen. Das Ergebnis vor Steuern stieg in der Berichtsperiode um 60,3 Prozent im Jahresabstand auf 529 Mio. Euro an, jenes nach Steuern sogar um 68,7 Prozent auf 430 Mio. Euro. Unterm Strich erwirtschaftete die RBI ein Konzernergebnis von 399 Mio. Euro, ein Plus von 81,4 Prozent. Zudem entwickelte sich auch die Bilanzsumme positiv: Sie legte um 3,6 Prozent auf knapp über 140 Mrd. Euro zu. Die Nettoauflösungen bei Wertminderungen auf finanzielle Vermögenswerte betrugen heuer im 1. Quartal insgesamt 83 Mio. Euro, während in der Vergleichsperiode des Vorjahres eine Dotierung von 82 Mio. Euro vorgenommen worden war. Die notleidenden Kredite („Non performing loans“) sanken per Ende März um 0,3 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent.

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Bei den Betriebserträgen erzielte die RBI in den ersten drei Monaten insgesamt einen Zuwachs um 3 Prozent auf 1,29 Mrd. Euro. Dabei legte der Zinsüberschuss im Jahresabstand um 4 Prozent auf 829 Mio. Euro zu, vor allem aufgrund einer um 5 Basispunkte verbesserten Nettozinsspanne von 2,49 Prozent. Für die Verbesserung der Zinsmarge sorgten Optimierungen in Russland, Tschechien, Rumänien und der Ukraine.
Der Provisionsüberschuss blieb im Periodenvergleich mit einem Plus von 1 Mio. Euro nahezu unverändert, während das Handelsergebnis leicht um 3 Mio. Euro sank – im Wesentlichen aufgrund geringerer Erträge aus Derivaten.
Die Verwaltungsaufwendungen reduzierten sich um 5 Mio. Euro auf 740 Mio. Euro. Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter nahm im Jahresabstand um 403 Vollzeitäquivalente auf 50.005 ab, der Personalaufwand sank um 4 Mio. auf 384 Mio. Euro. Die Zahl der Geschäftsstellen verringerte sich im Jahresabstand um 77 auf 2.423 – vorwiegend durch Schließungen in Polen und in Rumänien.

Expansion in Russland
Den größten Ergebnisbeitrag lieferte im ersten Quartal die Region Osteuropa – und hier vor allem wieder Russland. Diese Region, zu der noch Weißrussland und die Ukraine gezählt werden, trug mit 248 Mio. Euro zum Vorsteuergewinn auf Konzernebene bei. Auf Eurobasis wuchs das Kreditgeschäft in Russland in den ersten drei Monaten um 2 Prozent. Die Nettozinsspanne legte um 0,52 Prozentpunkte auf 5,95 Prozent zu. „Wir streben Wachstum über alle Geschäftsbereiche hinweg unter Beibehaltung unseres umsichtigen Risikoansatzes an. Russland bleibt ein wichtiger Markt, wo wir uns auf einen hochwertigen Kundenservice sowie fortwährende Verbesserung unserer physischen Präsenz und digitalen Kompetenz konzentrieren“, teilte die RBI mit.
Das Hauptaugenmerkt in der Kundenakquisition in Russland liegt insbesondere im Ausbau des digitalen Vertriebes. „Wir verstärken den digitalen Vertriebskanal, die digitale Serviceschiene und das Callcenter für Klein und Mittelbetriebe sowie Privatkunden. Der russische Markt ist hier weit fortgeschritten. Deshalb arbeiten wir ständig an der Optimierung unseres Geschäftsstellennetzes. Es kommt dabei auch zur Schließung und Zusammenlegung einzelner Standorte, aber im Einzelfall auch zur Erweiterung oder Verbesserung eines Standortes. Ziele sind dabei optimale Serviceleistung und angemessene Rendite“, betont Strobl. Der wichtigste Baustein dafür sei die „Virtual Branch“, der digital- und Callcenter-unterstützte Vertriebs- und Servicekanal. „Er ist nicht nur zeitgemäß, sondern in einem Land, das sich über 10.000 Kilometer erstreckt, auch schlicht notwendig, um Neukunden zu gewinnen und zu betreuen. Ein Ausbau des klassischen Filialnetzes wäre hingegen unwirtschaftlich. Unser „Virtual Branch“-Konzept ermöglicht uns, in Zukunft auch Kunden in jenen Regionen zu erreichen, in denen wir nicht physisch vor Ort vertreten sind“, erläutert Strobl die Expansionsstrategie am russischen Markt.

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Doch auch in den anderen Region war die RBI im ersten Quartal stark unterwegs: Aus der Region Südosteuropa (Albanien, Bosnien- Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Kosovo, Rumänien und Serbien) kamen 142 Mio. Euro an Vorsteuergewinnen. Die Region Zentraleuropa mit Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Polen und Slowenien, wo die RBI noch im Leasing aktiv ist, trug mit 130 Mio. Euro zum Vorsteuergewinn bei. 154 Mio. Euro steuerte der Bereich Group Corporates & Markets bei, zu dem unter anderem das Österreich-Geschäft, Raiffeisen Leasing, Raiffeisen Centrobank, Raiffeisen Capital Management, Kathrein Privatbank, Raiffeisen Factorbank und die Raiffeisen Bausparkasse dazugehören. Die RBI ist inklusive Österreich in insgesamt 15 Ländern vertreten und betreut in Summe rund 16,6 Millionen Kunden.

Neue Bilanzstandards
Seit Jahresanfang wendet die Bank erstmals den neuen internationalen Bilanzierungsstandard IFRS 9 an. Zusätzlich wurde auch das Bilanzbild der RBI verändert, das nunmehr den von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) herausgegebenen Meldepflichten zu Finanzinformationen (FinRep) entspricht. Diese Umstellung erforderte auch eine Adaptierung der Vergleichsperiode und des Vergleichsstichtags. Die Gesamteffekte der Überleitung auf das Eigenkapital nach Abzug latenter Steuern in der Eröffnungsbilanz des RBI-Konzerns bezifferte die Bank mit minus 130 Mio. Euro. Die harte Kernkapitalquote (CET 1 fully loaded) sank im Vergleich zum Jahresultimo 2017 um 0,5 Prozentpunkte auf 12,2 Prozent. Berücksichtigt man das Quartalsergebnis, legte sie 0,1 Prozentpunkte auf 12,8 Prozent zu. Für das Geschäftsjahr 2018 zeigt sich CEO Strobl zuversichtlich: „Wir haben uns auch für dieses Jahr viel vorgenommen. Wir werden unsere digitalen Projekte vorantreiben und die Effizienz in der RBI weiter verbessern.“ Die Bank erwartet für die nächsten Jahre ein durchschnittliches Kreditwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.

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