Stimme bestimmt die Stimmung

Stimme bestimmt die Stimmung

Gute Argumente kommen mit einer geschulten, ausdrucksvollen Stimme besser an, weiß die Stimm-Expertin Ingrid Amon.

Von Edith Unger

„Es genügt nicht, dass man redet. Man muss auch richtig reden!“ – Schon William Shakespeare wusste, dass eine mangelhafte Sprechweise den besten Inhalt sabotiert. Mit präziser Sprechtechnik kann man sich nicht nur sicher und klar ausdrücken, sondern auch einen sympathischen Eindruck hinterlassen, sagt Ingrid Amon, eine der profiliertesten Sprech- und Stimmtrainerinnen im deutschsprachigen Raum, und betont: „Gute Kommunikation hat schon immer etwas mit Einfühlungsvermögen zu tun gehabt. In einer hektischen Zeit wie der unseren spüren wir das zwar auch so, aber im Alltag nehmen wir uns oft nicht die Zeit dazu. Wir liefern Inhalte ab, ohne sorgfältig drauf zu achten, dass wir auch wahrnehmen, ob und wie eine Botschaft ankommt.“

Die Stimme ist ein Schlüsselreiz in der Kommunikation. Sie signalisiert dem Gegenüber, ob man auch meint, was man sagt. „Stimme wirkt und bestimmt die Stimmung. Sie ist ein mächtiges Kommunikationsinstrument“, so Amon, die seit mehr als 30 Jahren an ihrem Institut für Sprechtechnik Kommunikation und den richtigen Einsatz seiner Stimme lehrt.  Den Menschen gehe es um ein „Gehört werden wollen“ im weitesten Sinn, beschreibt sie die Motivation für ein gezieltes Stimmtraining. „Der Kehlkopf ist uns angeboren, aber wie wir seine vielen Muskeln einsetzen, wie wir das Gesamtsystem Stimme-Sprechen-Sprache in Betrieb nehmen, das haben wir individuell gelernt.“ Und mit entsprechender Zielsetzung und Übung könne man sich höchst erfolgreich eine wirkungsvollere Sprechtechnik zulegen, weiß die Expertin: „Modernes Stimmtraining kann mittlerweile mit dem richtigen Know-how binnen weniger Stunden hörbar beeindruckende Erfolge erzielen“.

Ingrid Amon verleiht die richtige Stimme

(c) Andreas Hafenscher

Die Grundausstattung für eine gute Stimme ist laut Amon vor allem ein bewegliches Zwerchfell, dem Hauptatemmuskel im Körper, das die Luft, aus der die Stimme besteht, steuert, sowie die zwei schwingenden Stimmbänder im Kehlkopf, wo die ausströmende Luft in schwingende Luft, also Schallwellen, umgewandelt wird. Mund, Zunge, Lippen, Zähne, Gaumen und alle Schädelhöhlen formen diese Schallwellen und erzeugen eine Art Megaphon-Effekt, der die Laute der jeweiligen Sprache ergibt. Durch gute Haltung, einer mittleren Körperspannung und mit dem variantenreichen Einsatz von Gestik wird eine „Lautsprecher-Box“ gebildet, um die Stimme in einem Raum erschallen zu lassen, analysiert die Stimmtrainerin. Und schließlich sollte auch noch das Gehirn zum Einsatz kommen, das den Inhalt liefert und für die mentale Präsenz beim Sprechen zuständig ist.

„Stimme ist auch ein wichtiges Element der Persönlichkeit und hilfreich sowohl im Privat- als auch im Berufsleben“, unterstreicht Amon. Denn lebendig und ausdrucksvoll dargestellte Inhalte werden als angenehmer empfunden und bleiben länger im Gedächtnis. „Wer piepst, brummt oder nuschelt kommt nicht an. Die Stimme ist ein kommunikativer Schlüsselreiz. Sie öffnet oder schließt das Ohr der Zuhörer in wenigen Sekunden: Eine leise Piepsstimme lässt ein Business-Kostüm blass aussehen, ein monotoner Vortrag einen Geschäftsanzug schwach wirken, hastiges Tempo und verschluckte Silben sabotieren aktuellste PowerPoint-Folien“, bringt es die Stimm-Expertin auf den Punkt. Exzellente Rhetoriker legen daher nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie hohen Wert. Wenn beides stimmt, lässt sich eine deutlich höhere Wirkung erzielen.

Aber auch Stimmen verändern sich im Laufe der Jahre, jedoch „reifen trainierte Stimmen, sie altern aber nicht“, betont Amon: „Erika Pluhars Stimme zum Beispiel: Ihr ‚Sound‘ sagt uns, wie jung ihre Seele in all den 80 Jahren geblieben ist. An der Stimme erkennt man die Seelenkraft des Menschen. Das formulierte schon der chinesische Sprechlehrer Dhou vor vielen hundert Jahren“, so die Expertin.

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