Unternehmen wollen flexiblere Altersvorsorge

Unternehmen wollen flexiblere Altersvorsorge

Für mehr als 80 Prozent der befragten Firmen ist die Pensionsvorsorge ein wichtiges Thema. Valida CEO Martin Sardelic fordert politisches Handeln, um das System zu stärken.

Von Christian Lovrinovic

Blickt man beim Thema Altersvorsorge in die Schweiz oder in die skandinavischen Länder, dann sieht man, was eine betriebliche Altersvorsorge leisten kann. Vor allem in den nordeuropäischen Ländern liegen die Durchdringungsraten bei 60 Prozent aufwärts und sorgen so für eine bessere Absicherung im Alter. In Österreich hinkt man dieser Entwicklung mit rund 25 Prozent Durchdringung seit Jahren hinterher. Mit mutigen Reformen könnte das System attraktiver gestaltet werden, ist nicht nur die Branche überzeugt, sondern auch viele Unternehmen und Experten. „In diesem Punkt sind sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber absolut einig, wie wir aus einer im vergangenen Jahr durchgeführten Studie unter Arbeitnehmern wissen. Politisches Handeln zur Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge ist daher unabdingbar“, betont Martin Sardelic, Vorstandsvorsitzender der Valida Holding.

Das Interesse an einer attraktiven betrieblichen Altersvorsorge ist nicht nur bei den Begünstigten groß, sondern auch bei den Unternehmen, wie aus einer aktuellen Spectra-Umfrage im Auftrag der Valida Vorsorge Management unter 550 Unternehmen hervorgeht. Mehr als 80 Prozent der befragten Geschäftsführer halten die Pensionsvorsorge für „ein wichtiges bzw. sehr wichtiges Thema“. Im Fokus der unternehmerischen Überlegungen stehen, Verantwortung für Mitarbeiter zu übernehmen und für deren finanzielle Absicherung im Alter beizutragen. Darüber hinaus sehen viele Unternehmen die betriebliche Pensionsvorsorge auch als ein geeignetes Instrument zur Mitarbeiterbindung an. 72 Prozent der befragten Mehrpersonen-
unternehmen, die keine betriebliche Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter haben, würden eine solche abschließen, wenn diese gefördert würde.

Sardelic schlägt wie viele andere Experten vor, die Beiträge von Mitarbeitern steuerlich den Arbeitgeberbeiträgen gleich zu behandeln und diese steuerfrei zu stellen. So könnte man die zusätzliche Eigenvorsorge der Mitarbeiter honorieren. „Beiträge für Mitarbeiter, insbesondere für Kleinverdiener, sollten steuerlich gefördert werden“, plädiert der Valida CEO.

Valida CEO Martin Sardelic

Valida CEO Martin Sardelic (c) RZ/Unkart

Bekanntheit ausbaufähig

Allerdings ist hierzulande die Bekanntheit des sogenannten Drei-Säulen-Modells – staatliche, betriebliche und private Altersvorsorge – vor allem bei klein- und mittelständischen Unternehmen noch „ausbaufähig“, heißt es in der Studie. So kennen 39 Prozent der Unternehmen mit bis zu 9 Mitarbeitern dieses Modell, während es bei größeren Unternehmen um die 50 Prozent sind. Dagegen setzen insbesondere internationale Konzern und deren Tochterunternehmen auf die betriebliche Altersvorsorge: Neun von zehn dieser Großunternehmen etwa in der Pharma- oder IT-Branche haben es bereits umgesetzt. Aber auch bei Arbeitnehmern hat sich das Drei-Säulen-Modell noch nicht besonders herumgesprochen: Nur 28 Prozent der Mitarbeiter können damit etwas anfangen, geht aus einer früheren Valida-Umfrage hervor.

Ein Drittel der befragten Unternehmen hat für ihre Mitarbeiter eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen, davon haben sich knapp zwei Drittel für eine Pensionskassenlösung entschieden. In Summe zeigt sich der Großteil der heimischen Unternehmen (74 Prozent) mit der von ihnen gewählten Form der betrieblichen Altersvorsorge grundsätzlich zufrieden, während 5 Prozent gar nicht zufrieden sind. Trotz der hohen Zufriedenheit sehen die Unternehmen aber weiteres Verbesserungspotenzial: So fordern 57 Prozent bessere steuerliche Anreize für das Modell, 22 Prozent würden eine flexible Beitragszahlung bevorzugen und 13 Prozent setzen sich für die Einführung der Möglichkeit eines vorzeitigen Ausstiegs nach einer bestimmten Mindestlaufzeit ein.

„Nachdem Österreich bekannterweise ein Land der kleinen- und mittelständischen Unternehmen (KMU) ist, gilt es genau hier anzusetzen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie betriebliche Altersvorsorge auch dort die staatliche Pension ergänzt und so weitaus mehr Menschen zur Verfügung gestellt werden kann“, betont Sardelic. Die Gründe für den Abschluss eines Pensionskassenvertrages haben am stärksten mit der Unsicherheit über die Leistungsfähigkeit des staatlichen Systems zu tun. So erachten 70 Prozent der Befragten die finanzielle Absicherung des Ruhestandes als notwendig an, weil sie befürchten, dass die staatliche Pension zu gering ausfalle bzw. Risiken in sich berge. Es gehe nicht um das Schlechtreden der staatlichen Säule, sondern um eine vernünftige Ergänzung und Stabilisierung derselben, betont Sardelic. Außerdem schaffe man damit auch eine bessere Verteilung der Risiken in der Altersvorsorge. Mit der Neuwahl im Herbst haben wir die Chance, endlich Lösungen für morgen auf den Weg zu bringen“, appelliert Sardelic in Richtung der politischen Parteien. In Österreich erfolgten rund 90 Prozent der Pensionszahlungen aus der staatlichen Säule. Wenn es zu keiner Reform komme, werde sich das so bald nicht ändern. Die Leistungsfähigkeit der ersten Säule werde sich nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung „natürlich ändern“.

Performance-Rebound

Dass es heuer zu stärker spürbaren Kürzungen bei Betriebspensionen gekommen sei, liege daran, dass 2018 „ein besonders schwieriges Veranlagungsjahr“ gewesen sei, erinnerte Sardelic – für manche Experten, etwa von Deutsche Bank Research, überhaupt das schlechteste seit über 100 Jahren. Normalerweise funktioniere die Risikostreuung zwischen den Veranlagungskategorien, aber 2018 seien von
15 Assetklassen nur drei im Plus gewesen. Zinsabhängige Veranlagungen würden weiterhin wenig abwerfen, vermutet der Valida CEO. Vor einem Jahr habe man noch mit einer Änderung der Notenbankpolitik rechnen können, jetzt sei klar, dass die Niedrigzinssituation noch länger anhält. Dessen ungeachtet seien die Anlageergebnisse der Branche mit 5,17 Prozent Performance pro Jahr im langjährigen Schnitt aber eigentlich eine Erfolgsgeschichte, betonte Sardelic. Nach dem tiefroten Ergebnis im Vorjahr gab es im ersten Halbjahr 2019 mit einem Plus von 6,72 Prozent einen kräftigen Rebound. Seit 1991 habe es nur fünf negative Performance-Jahre gegeben. Grund für Firmenpensionskürzungen seien meist zu hoch angesetzte Rechnungszinssätze und in besseren Jahren zu gering aufgefüllte Schwankungsrückstellungen, die eigentlich als Reserve dienen sollten. Dabei erinnerte Sardelic, dass die Rechnungszinse zwischen den Firmen und Mitarbeitervertretungen festgelegt werden.

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